Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Helge Leitzbach fährt einen französischen Klassiker

Seinen Renault R16 hat Helge Leitzbach eher zufällig entdeckt.
Seinen Renault R16 hat Helge Leitzbach eher zufällig entdeckt.

Alte Liebe rostet nicht: Stolze 55 Jahre alt ist der Renault R16 von Helge Leitzbach. Ein französisches Auto habe er schon immer haben wollen, sagt er. Dieses besondere Exemplar sei ihm allerdings „einfach zugelaufen“.

Seit August des vergangenen Jahres ist Kellermeister Helge Leitzbach Eigentümer einer Autolegende aus Frankreich. Der Renault R16 habe Ende der 60er Jahre als Revolution im Fahrzeugbau gegolten. Eigentlich sei er ja eine Weiterentwicklung des berühmten R4, seinerzeit ein beliebtes Studentenauto. „Aber von der Ausstattung her und vor allem hinsichtlich des Fahrkomforts war er damals und ist auch heute noch etwas ganz Besonderes“, betont der Mann aus Ramstein.

Mit der Autobatterie unter dem Arm tritt er in die Garage. Ganz wenige Handgriffe braucht er nur, bis sie neben dem kleinen Motor des Oldtimers sitzt. Der lässt noch so viel Platz, dass sogar das Reserverad bequem daneben ruhen kann. „Er hat nur 54 PS“, erklärt Leitzbach. Das sei der französischen Steuergesetzgebung geschuldet. Großvolumige Motoren seien bei dieser stark im Nachteil. Wenig später kurvt der Wagen schnarrend aus seiner Unterkunft. Das Geräusch des kleinen Triebwerks will eigentlich gar nicht so recht zur Erscheinung dieses eleganten Franzosen passen.

Wie durch die Sportbrille

Spannung ist nämlich das Gestaltungsprinzip der Karosserie. Von der Frontscheibe her fällt das Blech der Motorhaube ganz leicht nach vorne ab. Dem Blechfalz in der Mitte folgt sie dabei ein ganz klein wenig über den Kühlergrill hinaus. Das vermittelt den Eindruck eines energischen Nach-vorne-Schauens. Und dieser Blick hat gar nichts vom gewohnten Oldtimer-Kulleraugen-Aufschlag. Wie durch die Sportbrille eines in die Ferne stürmenden Automobilisten schauen die quadratischen Lichteraugen aus den Alustreben der Front.

Wenige Schritte um das Auto in vornehmem Grau herum offenbaren das eigentlich Neue für die damalige Zeit. Die übliche Design-Silhouette für Personenwagen in den Sechzigerjahren stand scheinbar unverrückbar fest: vorne die Motorhaube, dann die Fahrgastzelle und hinten der Kofferraum. Nicht so beim R16. Hinter der letzten Sitzreihe beginnt das Heck nicht mit einem abrupten Winkel, sondern die Klappe wird schräg nach hinten gespannt. Und auch aus diesem Blickwinkel ist etwas von der prägenden Gestaltungsenergie zu spüren. Zwei kräftige Holme begleiten die riesige Heckklappe, die, unter der Rückscheibe noch einen Absatz bildend, ein Genuss fürs Auge ist.

Gehüpft wie ein Känguru

„Das Auto ist mir einfach zugelaufen“, erzählt der Oldtimer-Fan. „Einen französischen Wagen wollte ich eigentlich schon immer mal haben“, sagt er. In einer kleinen Anzeige bei eBay sei ihm der R16 schließlich zufällig ins Auge gefallen. Der vorherige Eigentümer aus Höheischweiler habe ihn in der Nähe von Metz gekauft. Fahrbereit sei das Auto aber nicht gewesen. „Nach dem Anlassen ist er gehüpft wie ein Känguru“, erzählt Leitzbach. Einen viel zu großen Vergaser habe man ihm verpasst. Die Folge sei ein fortlaufendes Verschlucken der Maschine gewesen. Zuhause habe das Problem aber mit einer kompetenten Werkstatt gut gelöst werden können. „Und seitdem läuft er einwandfrei“, stellt der Ramsteiner fest.

Auf die Frage, was ihn denn antreibe, sich einen weiteren Oldtimer zuzulegen, wo er doch schon zwei betagte Fahrzeuge besitzt, meint Leitzbach: „Genau das hat auch schon meine Frau gemeint.“ Er fährt lächelnd fort: „Sie hat gesagt: Jetzt reicht es allmählich.“ Aber er sei halt schon immer ein Autonarr gewesen. Erzählt habe man ihm sogar, dass sein erstes gesprochenes Wort „Auto“ gewesen sei.

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