Kreis Kaiserslautern
Heiße Tage willkommen im Freizeitbad Azur in Ramstein-Miesenbach
Imbiss am Beckenrand: Richtig hochsommerlich war es in den vergangenen Tagen zwar nicht, aber es soll laut Wettervorhersage noch mal richtig warm werden. Vielleicht wird das Thermometer nicht mehr Temperaturen von 30 Grad Celsius und mehr anzeigen, aber die Schwimmbäder könnten sich noch einmal füllen – und mit ihnen auch die Bänke am Kiosk im Freizeitbad Azur in Ramstein-Miesenbach.
Ramstein-Miesenbach. Die heißeste Zeit hat der Kiosk-Pächter im Allwetterbad Azur in Ramstein-Miesenbach, Giovanni Mannarino, für dieses Jahr wohl überstanden. Bei 30 Grad Celsius schon am Vormittag im Freien waren es in dem kleinen Verkaufsraum geschätzt weit über 40 Grad am Nachmittag. „Damit muss man klarkommen“, sagt Mannarino. Ob es heiß oder eher kühl ist, er wirbelt immer gleichermaßen herum, um alles für den erwarteten Betrieb zu rüsten. Das Grün für die Salate und die Hamburger ist rechtzeitig geschnippelt, jetzt noch die Zwiebeln hobeln. Die Currysoße ist schon warm, aber die Fritteusen müssen noch eingeschaltet werden. „Bringst du Weißwurst und Pommes mit?“, fragt er seinen Sohn Vincenzo, der sich auf den Weg ins Kühlhaus ein Stockwerk tiefer gemacht hat. „Und Getränke?“, ruft er ihm hinterher.
Personal ist nicht zu finden, die Familie hilft
Zwischen dem Edelstahl der Arbeitsflächen und Küchengeräte geht es geschäftig zu. Mannarinos Sohn hat die Eistheke gefüllt und schiebt sie an die Ausgabe im Freien. Hier werden nur Softeis, Wassereis und Milcheis verkauft, um die große Theke im Schwimmbadbereich und zum Foyer hin zu entlasten. Der Pächter rechnet an guten Schwimmbadtagen damit, dass pünktlich um 11 Uhr, wenn die Gastronomie öffnet, die ersten Kunden dastehen und sich das bis zur Schließung des Bades nicht ändern wird.
Vor drei Jahren hat er den Betrieb übernommen und parallel dazu eine Pizzeria in Steinwenden-Weltersbach geleitet. Anfang Juli hat er dort das Handtuch geworfen. „Es gibt kein Personal mehr. Niemand will mehr in der Gastronomie arbeiten“, erzählt er. Diese Lücken mussten mit der Unterstützung der Familie gefüllt werden, eine Aufgabe, die auf Dauer nicht zu leisten war. „Ich musste mich entscheiden, beides war zu viel. Wenn man es nicht schafft und die Gäste unzufrieden sind, verliert man sein Gesicht bei den Leuten.“
Der Grund, wieso er sich gegen die Pizzeria entschieden hat, schaut um die Ecke und will auf den Arm genommen werden. Der zwei Jahre alte Wirbelwind namens Giulia ist ganz verliebt in den Papa und drückt ihm ein Küsschen auf. Mitgebracht wurde das Mädchen von seiner Mutter Krystina Wanot, Mannarinos Lebensgefährtin.
„Pommes, Pommes, Pommes“
„Jeder hilft dort, wo es fehlt“, erzählt sie. Eine strikte Aufgabenteilung gibt es nicht. Ihr gefällt es, wenn Hochbetrieb ist. „Dann geht die Zeit schnell rum.“ Zeit für eine Pause bleibt da nicht. „Höchstens für eine Zigarette, wegen der Sucht“, merkt Mannarino lachend an. Mit flinken Handgriffen richtet sie Brötchen, wärmt die Würstchen im Wasserbad auf und füllt den Kühlschrank mit Salaten auf, während er Pommes ins Fritteusensieb schüttet. „Pommes, Pommes, Pommes für die Kinder“, nennt er den am häufigsten georderten Wunsch. Aber auch Currywurst, Frikadellen, Salate oder die hausgemachte Pizza zählen zum Angebot. „Nur italienisches Essen, das geht nicht“, weiß der Gastronom mit 35-jähriger Erfahrung.
Im Innen- und Außenbereich erfrischen sich die Badegäste. Eltern mit ihren Kindern planschen in den Becken, Erwachsene ziehen draußen ihre Bahnen, und auf der Liegewiese sind an den heißen Tagen besonders die Schattenplätze begehrt. Kommt da kein Neid auf? Sich mal schnell eine kalte Dusche zwischendrin zum Abkühlen zu genehmigen, sei möglich, erzählt Mannarino. Ansonsten muss erst die Arbeit gemacht sein. „Ab und zu gehen wir auch mal ins Wasser, aber erst nach Feierabend“, schränkt er ein und fügt an: „Wenn man dann noch die Lust und die Kraft hat.“ Schließlich muss nach 20 Uhr, wenn die Badegäste auf dem Nachhauseweg sind, noch alles aufgeräumt und gereinigt werden. Meist wird es da nach 21 Uhr, bevor die Lichter ausgehen.
Im Sommer muss das Geld für den Winter mitverdient werden
In Bädern mit Saisonbetrieb ist der Zeitraum, in dem der Umsatz gemacht wird, auf die Sommermonate beschränkt. Als Allwetterbad hat das Azur fast während des ganzen Jahres geöffnet. Doch auch hier muss Mannarino den größten Brocken in den warmen Monaten einnehmen, um dann über den Winter zu kommen. „Wenn der Sommer verregnet ist, haben wir ein Problem. Die Pacht und die Leute müssen bezahlt werden und man selbst muss ja auch leben“, meint er. Da blickt er gerne auf den Sommer 2018 zurück, in dem er den „Umsatz seines Lebens“ machen konnte.
Nach den Monaten der Geschäftigkeit kommt die dreiwöchige Pause Ende September gerade recht. Wegen der Grundreinigung bleiben Bad und Gastronomie in dieser Zeit geschlossen. Dann bietet sich die Gelegenheit für einen Urlaub in Italien, bevor in die Wintersaison gestartet wird. Doch noch ist es nicht so weit. Der Zeiger der Uhr ist auf 11 Uhr vorgerückt, und die ersten Kunden stehen an der Theke. „Ein Softeis und einen Kaffee“, bestellen sie bei Vincenzo Mannarino.
Die Serie „Imbiss am Beckenrand“
Sommer, Sonne, Sonnenschein. Da heißt es: ab ins Freibad. Natürlich darf bei so einem Schwimmbadbesuch auch die Verpflegung nicht zu kurz kommen. In unserer Serie „Imbiss am Beckenrand“ haben wir mit den jeweiligen Betreibern gesprochen.