Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel „Hauptsach guud gess“ hieß es am Mittwoch im Museum im Westrich

Michael Geib nahm das Publikum mit auf eine literarisch-kulinarische Reise.
Michael Geib nahm das Publikum mit auf eine literarisch-kulinarische Reise.

Passend zur Ausstellung „Wellfläsch un Worschtsupp“ fand am Mittwoch im Heimatmuseum im Westrich Ramstein eine musikalisch-literarische Lesung mit „Lokalmatador“ Michael Geib statt. Was nüchtern klingt, lag einem am Ende vielleicht doch schwer im Magen.

Geib hatte singend, rezitierend und schwadronierend mit Klängen zu Gitarre und Flöte eine Art musikalisch-literarisches Menü zusammengestellt und von Mundartliedern über Kinderbuchliteratur bis zu wissenschaftlichen Abhandlungen das Leitthema „Hauptsach guud gess“ von allen Seiten betrachtet. Dabei hatte er üppig, zünftig und deftig aufgetischt.

Musikalisch erinnerten die kurzen Lieder an die bayerischen Gestanzln, die dort auch Schnaderhüpfl oder Schelmenlieder genannt werden und letzteres (das Schalkhafte und Schelmische) kam bei dem sich als Entertainer bewährenden Darsteller vortrefflich zum Ausdruck. Geib animierte zum Mitsingen. Die kurzen Verse und einfachen Melodien bewirkten schnell einen lautstark anschwellenden Besucherchor. Aus dem benachbarten Elsass wurde ein kulinarisches Lied „uff pälzisch“ umgedichtet, vom gekonnten Flöten- und Gitarrenspiel begleitet, was nicht minder Anklang als die bayerischen Vorbilder fand.

Streifzug durch die Küche

Im Mittelpunkt stand ein Streifzug durch die alte pfälzische Küche von Großmutters Art – mit heute eher selten gewordenen kulinarischen Raritäten aufwartend wie etwa „Wasserspatzen“. Auch die Kartoffel wurde von ihrer Einführung und Verbreitung und variantenreichen Zubereitung als Grundlage der Volksernährung in kargen Zeiten bis heute „rundum“ betrachtet. Rezepte, Informationen und Sitten sowie Riten und Bräuche komplettierten das Betrachtungsfeld aus allen erdenklichen Perspektiven.

„Liebe geht durch den Magen“ und Heimatliebe noch mehr, lautete die Quintessenz von Geibs Ode an Land und Leute zwischen Rhein und Saar. Ob „Pälzer Quetschekuche“ oder gespickte Weihnachtsgans: Man merkte dem durchdachten Programm an, dass Geib Kochbücher gewälzt und wissenschaftliche Abhandlungen über Ernährungslehre für Kalorienbewusste gelesen hat sowie die Moral von Gesundheitsaposteln sowie Pädagogen und Psychologen studierte. Er zitierte daraus Bonmots und schonte auch „Hungerleider“ nicht, wenn er aus dem berüchtigten Kinderbuch „Struwwelpeter“ von Psychiater Heinrich Hoffmann das Kapitel vom sich verweigernden „Suppen-Kaspar“ verlas.

Schlachten am Buffet

Geib sprach auch von Gesundheitsaposteln, die ihre Schriften auf den Markt werfen. Am Beispiel Düsseldorfer Handelsblattes zeigte er das Ausmaß von Leserreaktionen: Nach der Bewerbung von gesundem Kabeljau war dieser sofort ausverkauft. In dieser zur Realsatire gesteigerten Betrachtung Geibs steigen und fallen die Nachfragen nach Lebensmittel wie die Aktien an der Börse. Gründlich recherchiert hat er auch bei den überlieferten Sprüchesammlungen: Etwa über den gewissen Herrn Durst. Der lässt sich gar nicht foppen, fordert seinen Schoppen. Limericks sind nicht minder erheiternd, wenn ihre Metrik so gekonnt wie bei Geib vorgetragen wird: „Eins, zwei, drei, vier - Vater braucht ein Bier ...“

Nach Heißhunger-Attacken, Orgien und Gelagen rebelliert der Magen, davon weiß Geib ein Lied zu singen: Die Schlachten am Buffet mit Essorgien und Trinkgelagen klingen ernüchternd aus, wenn sie mit einem Katzenjammer enden. An dieser Stelle spürte man den erhobenen Zeigefinger, der „Maß halten“ anmahnt. Selbstverständlich hatte Geib auch dem Wein seine Aufmerksamkeit geschenkt. Auch da fällt einem ein Spruch ein: „Wer Wein trinkt, betet und wer ihn säuft, sündigt!“ Bei diesem Ausspruch des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss wird der schmale Grat zwischen Genuss und Exzess deutlich, der auch Geib ein pädagogisches Anliegen war, das sich bei aller schwelgerischen Genüsslichkeit dezent durch das Programm zog.

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