Kreis Kaiserslautern Harsche Kritik an der Ministerin

Bei der jüngsten Versammlung des Kreisbauernverbands in Kaiserslautern stand der Unmut über die erdrückende Bürokratie und die fehlende Wertschätzung für den Berufsstand im Vordergrund. „Die Basis blickt nicht mehr durch und die Verwaltung auch nicht“, gab Ralf Hornberger vom rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministerium zu, dass viel im Argen liegt.
Wenn die schlechten Preise und das Wetter, das den Bauern im zurückliegenden Jahr alles abverlangt hat, nur am Rand der Versammlung angesprochen werden, dann müssen die zusätzlichen Probleme massiver Natur sein. Sind sie. Und sie haben einen Namen: Barbara Hendricks. „Die Bundesumweltministerin hat mit ihren undifferenzierten neuen Bauernregeln einen ganzen Berufsstand an den Pranger gestellt. Eine solche Diffamierung von einer Bundesministerin ist absolut unakzeptabel“, spricht Thomas Cornelius, der stellvertretende Kreisvorsitzende, aus, was die meisten Bauern davon halten. Diese Art von Politik geht auch Ralf Hornberger, dem Abteilungsleiter Landwirtschaft im Mainzer Landwirtschaftsministerium, entschieden zu weit. Der Gastredner des Abends sagte mit Blick auf den Inhalt und die 1,6 Millionen Euro, die sich das Berliner Ministerium die Kampagne kosten lässt: „Da fehlen mir die Worte.“ Aus seiner Sicht wäre „mehr Wertschätzung für die Landwirtschaft angebracht und keine Polemik“. Hendricks will mit der Kampagne dazu anregen, sich über die Zukunft der Agrarpolitik Gedanken zu machen. Über diese Zukunft machen sich die Bauern nicht erst seit Hendricks Gedanken. Ihnen entziehe die Bürokratie immer mehr den Nachwuchs. „Wie soll ich mit gutem Gewissen meine Kinder zum Verbleib in der Landwirtschaft ermuntern?“, hieß es mehrfach. „Dort erwarten sie harte Arbeit, selten Gewinn, Anfeindungen von allen Seiten und dann noch eine Arbeit am Schreibtisch, die keiner mehr überblickt.“ „Das Rindvieh darf aus Tierschutzgründen nicht mehr im Stall stehen. Draußen ist es aus Gründen des Klimaschutzes aber auch nicht gewollt. Und weil das so ist, überwuchert uns hier in der Westpfalz das Gras auf den ungenutzten Weiden“, klagt Landwirt Karl Gortner aus Lambsborn. Er befürchtet, dass bald Firmen gegründet werden, die dann in großem Stil die Flächen in der Pfalz offen halten. „Das wird nicht regional sein, so wie es die Politik eigentlich anstrebt, und auch nicht umweltfreundlich“, prognostiziert er. Ganz so dramatisch sieht es Hornberger nicht. Aber auch er blickt aufgrund der überschäumenden Bürokratie, mit der die Landwirte eingeengt werden, und der immer weiter gehenden Verordnungen mit Sorge in die Zukunft. „Wenn es um EU-Verordnungen geht, sind wir nicht mehr Herren unserer selbst“, schiebt der Mann aus Mainz allerdings die Verantwortung weiter nach Brüssel. Er gesteht, dass neben den Bauern auch die Verwaltung bei den vielen Verordnungen, Richtlinien und Förderpaketen nicht mehr durchblicke. „Ich darf auf meinem eigenen Feld nicht mehr tun, was ich will“, fasst ein Landwirt die als „unerträglich“ empfundene Einmischung zusammen. „Die Bauern ernähren das Land, leben und arbeiten seit Jahrtausenden mit der Natur“, rückt Thomas Cornelius, der für den erkrankten Bauernvorsitzenden Günter Albrecht den Abend leitete, eine Schieflage in der öffentlichen Wahrnehmung zurecht. |thea