Kreis Kaiserslautern Großer Rückhalt für die Kleinen

Hat Vergangenheit – aber auch Zukunft? Lindens Grundschule.
Hat Vergangenheit – aber auch Zukunft? Lindens Grundschule.

Der Kreistag Kaiserslautern stellt sich hinter die beiden Zwergschulen Linden und Frankenstein. Das Gremium beschloss in der gestrigen Sitzung einstimmig eine Resolution gegen die geplanten Schließungen durchs Land.

Der Antrag zu der Resolution wurde von den Kreistagsfraktionen CDU und FWG eingebracht, die Grünen hatten laut CDU-Fraktionschef Peter Degenhardt noch Änderungen eingebracht. Die Resolution besagt, dass die kleinen Grundschulen mit Kombiklassen gerade wegen der altersübergreifenden Lerngruppen und der geringen Schülerzahl eine „hervorragende pädagogische Arbeit leisten“ und „intensive individuelle Förderung mit innovativen Lernkonzepten“ ermöglichen. Zudem gehörten die Zwergschulen zum „Herz der Gemeinde“ mit ihren Beiträgen zum Gemeindeleben und wirkten durch die Ansiedlung junger Familien dem demografischen Wandel entgegen. Kritisiert wird in der Resolution, dass die Landesregierung kein Zukunftskonzept für die Schulen entwickelt habe. Der Kreistag spricht sich in der Resolution deshalb dafür aus, sich erstens mit allen Beteiligten für den Schulerhalt einzusetzen, und fordert zweitens die Landesregierung auf, organisatorische und pädagogische Perspektiven zu präsentieren, kleine Schulstandorte zukunftsfest zu machen. Degenhardt erläuterte darüber hinaus, dass die gewünschten Einsparungen – für das Land bei den Lehrerstellen, für die Verbandsgemeinden bei Hausmeister, Sekretariat oder Lehrmitteln – zu Lasten der Ortsgemeinden gehen: Bei einer Schließung falle ihnen das leerstehende Gebäude zu, was den defizitären Haushalt weiter belaste. Als „perfide“ bezeichnete Degenhardt, dass die Schulen ein Konzept vorlegen müssen; und wenn die Schließung komme, werde deren mangelhaftes Konzept daran schuld sein, mutmaßte er. Grünen-Fraktionsvorsitzender Jochen Marwede wies auf die Kosten für den Schülertransport bei Schließungen hin. Heinz Christmann, SPD-Chef, machte klar, dass seine Fraktion die Resolution unterstütze, auch wenn er ein Problem mit den Ausführungen von Degenhardt habe. Unter den auf dem Prüfstand stehenden 41 Schulen im Land gebe es bestimmt welche, „in die er als Eltern das Kind nicht gern schicken würde“, weshalb er keinen „Blanko-Scheck“ ausstellen wolle. Auf Linden und Frankenstein treffe dies jedoch nicht zu. Goswin Förster (FDP) beantragte die Streichung des Satzes mit der Kritik an der Landesregierung, da er es als unklug ansah, jemandem ans Bein zu treten, von dem man etwas wolle. Dieser Antrag fand jedoch keine Mehrheit. FWG-Chef Uwe Unnold, zugleich Lindens Ortsbürgermeister, machte sein Unverständnis gegenüber den Landesplänen deutlich: Vor 15 Jahren wurde ihm versichert, dass die Schule wegen der Kombiklassen nicht geschlossen werde, plötzlich seien sie nicht mehr gut genug. „Die Kinder sind nicht dümmer – oder schlauer – geworden in der Zeit“, stellte er diese Begründung in Frage. Zudem habe die Gemeinde ein Neubaugebiet ausgewiesen und werde nun so ausgebremst. Linken-Sprecher Alexander Ulrich wollte wissen, was mit der Resolution eigentlich passiere, wenn sie nun vom Kreistag beschlossen würde. Landrat Paul Junker (CDU) versicherte, er gebe sie ans Land weiter, und „wenn gewünscht, fahre ich auch nach Mainz“. Eine Lanze für die pädagogische Struktur der Zwergschulen brach der pensionierte Lehrer Harald Hübner (SPD); durch das altersübergreifende Konzept lernten die Schüler eigenständig; eigentlich sollten die Zwergschulen deshalb „Leuchttürme“ sein, appellierte er unter Zustimmung. Beschlossen wurde die Resolution ohne Gegenstimme mit einer Enthaltung von Armin Obenauer (CDU), Neuhemsbachs Ortsbürgermeister; sein Ort gehört zu jenen, deren Schule vor Jahrzehnten geschlossen wurde.

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