Sembach Großer Preis von Sembach: Rasentraktorrennen zieht Tausende Besucher an
Die Sicht in einem Sandsturm inmitten der Sahara dürfte nur unwesentlich schlechter sein, als sie das am Samstag und vor allem am Sonntag gelegentlich an der Rennstrecke im Sembacher Gewerbegebiet war. Glücklicherweise sorgte ein konstanter Wind, der aus südwestlicher Richtung über den Parcours wehte, dafür, dass die Staubwolken weggeweht wurden und die Gäste am Rand der Rennstrecke immer mal wieder freie Sicht auf das Geschehen auf der Sandbahn hatten. Der Verein Rasentrecker Neuhemsbach konnte bei seinem „Großen Preis von Sembach“ gleich ein doppeltes Jubiläum feiern. Vor 20 Jahren hatten auf einer Wiese beim Randeckerhof die ersten verwegenen Rennfahrer auf unwesentlich modifizierten Aufsitz-Rasenmähern ihre Runden gedreht. 2014 war die aus einer Kneipenidee heraus entstandene Rennveranstaltung, die mittlerweile eine ebenso ansehnliche Zahl an Startern wie Besuchern anzieht, ins Sembacher Gewerbegebiet verlegt worden – und konnte nun (bei einem pandemiebedingten Pausenjahr) ihre zehnte Auflage feiern.
Etliche Starter aus dem Ausland dabei
Dort, wo bis Mitte der 1990er Jahre US-amerikanische Jagdflugzeuge gestartet und gelandet waren, jagten am Wochenende 60 Rennfahrer aus fünf Nationen auf verwegenen Gefährten Zeiten und Rundenzahlen hinterher. Vor allem am Sonntag, dem bislang heißesten Tag des Jahres, wurde der „Große Preis von Sembach“ zu einer echten Bewährungsprobe für Mensch und Material. Wegen der Temperaturen von deutlich mehr als 30 Grad und des Zustands der Rennstrecke verkürzte die Rennleitung die Dauer der einzelnen Durchläufe von 15 auf zehn Minuten und schickte zwischen den Rennen einen Wassersprengwagen über die rund 700 Meter lange Strecke. Letzteres allerdings mit mäßigem Erfolg, denn nach spätestens zwei Runden hüllten sich die rasenden Mini-Trecker auf ihren rasanten Runden wieder in dicke Staubwolken.
Ungeachtet dessen wurde die doppelte Jubiläumsveranstaltung erneut zu einem großen Erfolg für den Verein, der das Geschehen auf und um die Rennstrecke in den vergangenen Jahren sukzessive perfektioniert hat und sich am Wochenende über mehrere Tausend Besucher auf dem Renn- und Festivalgelände am Ende der Junkersstraße freuen konnte. Die Professionalität der Veranstaltung wissen nicht nur die Fans des durchaus etwas spleenigen Rennspektakels zu schätzen, sondern auch die Rennfahrer und ihre Teams, die es in regelrechten Rennställen nicht nur aus dem gesamten Südwesten der Republik, sondern auch aus Luxemburg, Belgien, Frankreich und der Schweiz regelmäßig an einem Wochenende im Juni nach Sembach zieht.
Fast wie bei der Formel 1
Das Geschehen auf der Rennstrecke – einschließlich der Ampelstarts und Rundenmessungen – sowie das Reglement ähneln in vielerlei Hinsicht der Formel 1. Ein bedeutender Unterschied: Zugelassen sind ausschließlich Fahrzeuge, „die im Hauptzweck zum Rasenmähen gedacht sind oder waren und als solche auch noch zu erkennen sind“. Natürlich gehen die Rennfahrzeuge in Sembach ohne das Mähwerk an den Start und sind auch hinsichtlich der Getriebeübersetzung etwas modifiziert. Allerdings dürfen in die kleinen Traktoren keine hochgetunten Motoren eingebaut werden, sondern ausschließlich solche, die es im Handel für Rasentraktoren gibt und die je nach Starterklasse zwischen 340 und 510 Kubikmeter Hubraum und elf bis maximal 25 Pferdestärke Leistung haben.
Deshalb entscheidet ausschließlich die Kunst der Fahrer über Sieg oder Niederlage, was für die Rennen am Jubiläumswochenende ganz besonders galt. Und während tagsüber die tollkühnen Rennfahrer und -fahrerinnen in ihren rasenden Kisten für jede Menge Stimmung an der Strecke sorgten, übernahmen das im Festzelt am Freitagabend beim Rasenmäherrock die Band Chairwalk, samstags in den Abendstunden bei der Traktorparty die Partyband Magic und am Sonntag zum Frühschoppen der Musikverein aus Sembach.