Ramstein-Miesenbach
Großer Andrang auf der Modellbahn- und Spielzeugbörse
Auf der Bühne dreht das „Kuseler Lottchen“ vollkommen ungerührt vom Andrang der Besucherscharen seine Runden. „Das ist ein originalgetreuer Nachbau der Lokomotive, die die Steine vom Rammelsbacher Steinbruch nach Lautern gefahren hat“, erläutert Küster. „Nach der konnten die Leute auf den Feldern die Uhr stellen.“ Die gedrungen und bullig wirkende Lok macht den Eindruck eines echten Arbeitstieres. Im heruntergelassenen Fenster des ausladenden Führerstandes ist der Arm des Lokführers zu sehen. Mit aufgekrempelten Ärmeln späht der Mann nach vorne über den graugoldenen Kessel auf die Gleise. Auf den zwei Achsen mit umfangreichem Achsengestänge rollt das Kraftpaket dahin. Der hohe Schornstein und das seitlich prangende Schild „Kusel“ am schimmernden Kessel lässt schon ein wenig von der nostalgischen Eisenbahn-Begeisterung nachfühlen.
Kein Gemüse, nur Eisenbahn
„Seit 70 Jahren bin ich der Modelleisenbahn verfallen“, erzählt der Börsen-Senior. Der Vater habe damit angefangen und lange Jahre sei auch er auf die kleine H0-Spur fixiert gewesen. Die Frage nach dem Sinn einer derartigen, Jahrzehnte überdauernden Leidenschaft macht Küster einen Moment lang sprachlos. „Fragen Sie doch mal jemanden mit einem großen Hobby nach dem Sinn seines Tuns“, bricht es fast polternd aus ihm heraus: „Es ist einfach der Spaß an der Sache.“ Aber, betont er, die Frau müsse einverstanden sein, sonst werde aus diesem Hobby nichts. „Daheim in Küsters Garten gibt es überhaupt kein Gemüse, nur Eisenbahn“, meint er schmunzelnd. „Aber wir haben auch Leute hier, die wohnen in drei Zimmern im fünften Stock. Da geht das nicht. Auch deshalb treffen wir uns hier.“
Gleich neben dem Chef-Platz des Seniors hat Herbert Stellung bezogen. Herbert ist eine sieben Zentimeter große Figur. Sie passt in den Maßstab der größeren Gartenbahn-Spur. Unter der grauen Schirmmütze ist ein ausdrucksvolles Gesicht zu sehen. Der grell orangefarbene Arbeitsanzug ist mit Kragen und jeder Einzelheit zu erkennen. Lässig ruht der rechte Arm auf dem Hebel einer Sirenenanlage, mit der auf der Bahn-Baustelle für Sicherheit gesorgt wird.
Figuren mit feinem Pinsel gestaltet
„Mein Bruder hat zu seiner Anlage immer wieder handelsübliche Figuren gekauft“, erklärt Anna Samol. „Die haben mir gar nicht gefallen, weil sie so ausdruckslos wirken.“ Sie habe dann angefangen, mit einem sehr feinen Pinsel die Figuren zu gestalten. Das sei im Bekanntenkreis der Modellbahn-Freunde offenbar gut angekommen. Seither könne sie sich vor Bestellungen von dort kaum mehr retten. Die sehr junge Hobby-Künstlerin hat Dutzende ihrer markanten, kleinen Persönlichkeiten auf gläsernen Stufen aufgereiht. Kaum einer kommt vorbei, ohne sich hinzubeugen zu den detailversessen, bemalten Herrschaften.
Nicht nur männliche Modellbau-Fans
Die weit verbreitete Vorstellung, dass die Welt der Modell-Eisenbahn eine Domäne vor allem der Väter und ihrer Söhne sei, muss wohl allmählich korrigiert werden. Vor allem auf der Seite der Aussteller ist der Frauenanteil vom Eindruck her gewachsen. Die Rede von den Entzugserscheinungen nach der langen börsenlosen Zeit war an den Ständen oft zu hören. Und nicht nur von männlichen Modellbau-Fans. „Mein Mann wollte bloß seine Gartenbahn-Anlage verkaufen“, erzählt Jasmin Pawlak aus Iserlohn. Sie habe ihn dabei unterstützt und darüber den Einstieg in die Modellbahn-Welt gefunden. Vor vier Jahren sei dann ein eigenes Geschäft angemeldet worden. „Ich hatte früher gedacht, Lokomotiven sind alle schwarz“, sagt sie lachend. Aber es ist wie so oft, dass man im Umgang mit den Modellbau-Sachen immer etwas dazulerne. „Deshalb gibt es ja auch Börsen wie diese, wo alles Fachwissen versammelt ist.“