Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Gespräch der Woche: Initiator Albert Weber spricht über 60 Jahre Martinsumzug in Ramstein

Vorbesprechung auf dem Pörrbacher-Hof: Theresia Denzer, Albert Weber, Wallach D´Artagnan, St. Martin (Sarah Viertel) und Ralf He
Vorbesprechung auf dem Pörrbacher-Hof: Theresia Denzer, Albert Weber, Wallach D´Artagnan, St. Martin (Sarah Viertel) und Ralf Hechler. Foto: Gillen

Läutet Allerheiligen den November ein, ist St. Martin nicht weit. In den Kindergärten werden Lieder und Gedichte geübt, St. Martin rüstet sein Pferd für den 11. November. Unser Mitarbeiter Mathias Gillen sprach mit Albert Weber (87) über „60 Jahre“ Martinsumzug in Ramstein.

Herr Weber, Sie gaben als frischgebackener Lehrer vor 60 Jahren die ersten Impulse für einen Martinsumzug in Ramstein. Was hatte sie damals dazu bewogen?
In einem Referat mit dem Leitgedanken „Die Heimat ist der Wurzelboden aller Bildungsarbeit in der Grundschule“ hatte ich angeführt, dass die Ausdrucksformen dörflichen Brauchtums in Ramstein zu wünschen übrig lassen. Mit 27 Jahren schlummerte auch noch der kleine Rebell in mir. Und so bemühte ich mich in diesem Jahr erstmals, das Fest des heiligen Martin mit den Kindern in besonderer Weise zu begehen, und dabei noch Gutes zu tun.

Wie war damals die Unterstützung zu ihrem Aufruf ?
Ich bin zwar gebürtiger Landstuhler, aber wenn es um Ramstein geht verzeihen die Ramsteiner auch das (Weber lacht). In der Schule begann das Basteln von Laternen mit einfachen Mitteln und Üben von Martinsliedern. Auch der Musikverein begann zu üben und sagte zu. Landwirt Klemenz übernahm mit seinem Pferd, einem gutmütigen Lothringer Kaltblut, die Schlüsselrolle. Meine Frau nähte einen Mantel, der leicht zu teilen war, ihr Opa aus Neustadt stellte seinen alten Feuerwehrhelm zur Verfügung, und mein Bruder fertigte als Schreiner Holzschuppen, die Silber angemalt eine tolle Rüstung ergaben. Paul Herbst übernahm das Amt des Bettlers und Bürgermeister Peter Pfeifer sagte die nötige Unterstützung durch die Gemeinde zu.

„Die Teilnahme war fast schon Pflicht“

Nahm die Bevölkerung das Angebot wohlwollend an?
Durch Schul- und Religionsunterricht war die Teilnahme fast schon Pflicht. So sprach man damals von Tausend Teilnehmern, die sich nach dem Umzug am riesigen Martinsfeuer (heute Rathausplatz) versammelten. Für die Kinder ein tolles Fest. Kaum ein Haushalt hatte damals ein Fernsehgerät, Handy und Computerspiele waren unbekannt, und die Kinder verbrachten ihre knappe Freizeit im Wald oder auf der Straße beim Spielen.

Herr Weber, Sie sprachen von Gutes tun?
Sankt Martin ist ja das Vorbild für Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Darum hatten wir Kinder und Eltern aufgefordert, wenn möglich kleine Päckchen mit haltbaren Lebensmitteln mitzubringen. Die Päckchen wurden auf eine lange Reise geschickt und erreichten nach vier Monaten Flores auf Indonesien, wo ein Ramsteiner, Pater Bollen, als Missionar tätig war. Diese Tradition hat sich auch nach 60 Jahren erhalten und unterstützt verschiedene Projekte.

Hat sich nun nach 60 Jahren der Martinsumzug verändert?
Heute sind die Kindergärten und Tagesstätten oftmals die Ausrichter. Schulen sind weniger eingebunden. Positiv finde ich, dass auch protestantische Einrichtungen St. Martin übernahmen. Das Pferd und sein Reiter haben wohl noch ihre Wirkung, gerade auf Stadtkinder, wobei der christliche Gedanke nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Für viele ist es Unterhaltung und Gaudi geworden. Die Kinder sind durch die modernen Medien übersättigt. Ich kann nur hoffen, dass St. Martin auch noch in Zukunft am 11. November auf seinem Pferd unterwegs sein wird, als ein gutes Beispiel für Hilfe und Nächstenliebe.

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