Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Gesamte Belegschaft der Dittrich GmbH nach Firmenverkauf vor der Arbeitslosigkeit

Die Belegschaft der Firma Dietrich und Söhne holte sich in einer Mitarbeiterversammlung am Samstag vom Anwalt Ben Zimmerling Unt
Die Belegschaft der Firma Dietrich und Söhne holte sich in einer Mitarbeiterversammlung am Samstag vom Anwalt Ben Zimmerling Unterstützung, wie sie am besten mit der Situation umgeht.

Völlig unverhofft stehen die Mitarbeiter des mittelständischen Unternehmens Dittrich und Söhne in Ramstein-Miesenbach vor einer völlig ungewissen Zukunft: Ihr Arbeitgeber verkaufte die Vliesstofffirma, doch der Käufer will nur den Kundenstamm und nicht die Mitarbeiter übernehmen. Deshalb trafen jene sich am Samstag mit einem Arbeitsrechtler.

Am Dienstag letzter Woche wurde den etwa 50 Mitarbeitern der Firma Dittrich J. u. Söhne Vliesstoffe GmbH mitgeteilt, dass das Unternehmen verkauft worden sei, an die Firma TWE Vliesstoffwerke GmbH & Co. KG in Emsdetten im nördlichen Münsterland. Zum 31. Dezember sei mit der Betriebsschließung in Ramstein-Miesenbach zu rechnen. Angeboten werde den Mitarbeitern die Beschäftigung in einer Transfergesellschaft. Bis zum 24. September erwarte man von ihnen eine Entscheidung. Am Samstagnachmittag fand nun eine Mitarbeiterversammlung statt, auf der über das weitere Vorgehen beraten wurde.

„Kündigungen gab es keine. Für den Wechsel in eine Transfergesellschaft sollen sich die Kollegen bis zum 24. September entscheiden“, berichtete Jürgen Scheuermann zur bisherigen Chronologie der Ereignisse. Ziel einer Transfergesellschaft ist es, die von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter in andere Beschäftigungen zu vermitteln. Der Wechsel in eine solche Gesellschaft ist freiwillig. Zwischen sechs und maximal zwölf Monaten werde den Mitarbeitern in dieser Transfergesellschaft 80 Prozent des Arbeitslohnes gezahlt.

„Die Sache stinkt gewaltig“

32 Beschäftigte der Firma Dittrich J. u. Söhne waren am Samstagnachmittag in den Räumen der Freien Evangeliums-Christengemeinde Ramstein versammelt und wollten wissen, was sie in ihrer Lage jetzt tun könnten.

Ihre Hoffnungen ruhten auf Arbeitsrechtler Ben Zimmerling von der gleichnamigen Saarbrücker Kanzlei. „Die Sache stinkt ganz gewaltig“, stellte der Rechtsanwalt fest. Der Eigentümer habe mit dem Verkauf sicherlich viel Geld erworben. Es gehe jetzt für ihn darum, die Belegschaft möglichst billig loszuwerden. Mit der Terminsetzung und dem Fehlen von Kündigungen solle Druck auf die Mitarbeiter ausgeübt werden. Für alle Beteiligten sei das eine Situation, in der psychologische Kriegsführung eine große Rolle spiele.

Die völlige Unklarheit der Situation gehe in dieselbe Richtung. Man sei momentan nicht sicher, ob es sich um eine Betriebsübernahme durch den Käufer handele oder ob die Sache auf eine Massenentlassung hinauslaufe. In beiden Fällen würden erfahrungsgemäß viele Fehler von Arbeitgeberseite gemacht. „Es kann für die Mitarbeiter in dieser Lage nur darum gehen: Wie kriegt man eine Abfindung hin?“ Er halte es für günstiger für die Arbeitnehmer, auf das Angebot mit der Transfergesellschaft nicht einzugehen, sondern es auf eine Kündigung anzulegen. Dann lande die Sache vor dem Arbeitsrichter.

Er als Rechtsanwalt habe dann nämlich einen strategischen Ansatzpunkt für seine Arbeit. Von den Arbeitgebern würden hier oft und viele Fehler gemacht. Sowohl für die Kapitalseite als auch für die Arbeitnehmer sei das Ganze allerdings wie ein Vabanque-Spiel. Beachten müsse man außerdem, „dass die Arbeitsgerichte seit den Corona-Zeiten etwas lasch urteilen“.

Bekannte Masche

Jeder Mitarbeiter müsse sich genau und individuell überlegen, welches Risiko er eingehen möchte. Dabei spiele natürlich auch eine Rolle, inwiefern der Einzelne auf eine baldige Anschlussbeschäftigung hoffen dürfe. Im Übrigen sei der mittlerweile aufgebaute Druck eine bekannte Masche der Arbeitgeber, bei der sie ganz bewusst mit der Furcht vieler Mitarbeiter vor einem Gerichtsverfahren spielten. Geklärt werden müsse nun vor allem, wie es mit den Kündigungsfristen stehe. Zimmerling kündigte an, in dieser Hinsicht Klarheit zu schaffen, auch mit der Prüfung der geltenden Tarifverträge.

Am Ende der Mitarbeiterversammlung einigten sich alle Beteiligten darauf, einen vierköpfigen Ausschuss zu bilden. Dieser solle für die nächste Zeit die Aufgabe übernehmen, die Kommunikation zwischen der Saarbrücker Kanzlei und möglichst vielen Dittrich-Mitarbeitern zu gewährleisten.

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