Kreis Kaiserslautern
Gemischte Gefühle vor dem Schulstart in Zeiten von Corona
Gleich am Eingang der Wilenstein-Grundschule in Trippstadt ist unübersehbar ein Desinfektionsmittelspender angebracht. Ihn muss jeder benutzen, bevor er das Gebäude betritt. Ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Corona-Pandemie nach wie vor das Leben beeinflusst. „Wir sind froh, dass wir nun mit regulärem Unterricht ins neue Schuljahr starten können und die Kinder wieder sehen“, sagt Inge Schmalenberger, Leiterin der Wilenstein-Grundschule Trippstadt. „Allerdings gelten für Schüler wie Lehrkräfte weiterhin strenge Hygienemaßnahmen. Das Bildungsministerium hat entsprechende Leitlinien herausgegeben, die wir sehr ernst nehmen.“
Die Pause verbringen die Klassen getrennt
So müssen die Schüler einen Mund-Nasen-Schutz in der Schule tragen – außer an ihrem Platz im Klassenzimmer, dort dürfen sie ihn abnehmen. „Da ist auch das Distanzgebot aufgehoben. Ansonsten sollen, wo immer möglich, die eineinhalb Meter Abstand eingehalten werden. Deshalb werden wir auch verstärkt darauf achten, dass die Kinder nach der Ankunft mit dem Bus nicht dicht gedrängt zur Schule strömen. Und die Pause verbringen die Klassen an unterschiedlichen Orten. Dazu können wir nicht nur in unseren großen Hof, sondern auch zum Beispiel in den benachbarten Schlosspark gehen.“ Etwa 45 der derzeit 135 Schüler nutzen laut Schmalenberger mittags das Essensangebot der Ganztagsschule. Gegessen wird getrennt in zwei Etappen.
Unzählige Faktoren – von den baulichen Gegebenheiten bis hin zur Lüftung – mussten bedacht, in einem Hygienekonzept niedergeschrieben und der Schulaufsicht übergeben werden. Auch den Abc-Schützen macht Corona einen Strich durch den üblichen feierlichen Einschulungsakt. „Die Einschulung fand sonst immer im großen Stil mit vielen Leuten und Aufführungen statt. Jetzt ist nur eine abgespeckte Form möglich, und außer den Eltern darf sonst niemand teilnehmen“, bedauert die Schulleiterin.
„Nicht alle Leitlinien lassen sich umsetzen“
Bisher habe die Schule Glück gehabt, es sei kein Coronafall aufgetreten. „Aber man weiß ja nicht, was die Zukunft bringt“, so Schmalenberger. Damit Schulen je nach Infektionsgeschehen gerüstet sind, hat das Ministerium einen Dreistufen-Plan erstellt. Vom regulären Unterricht über eine Kombination aus Präsenz- und Fernunterricht bis zu ausschließlichem Fernunterricht im Fall einer erneuten Schulschließung. So konkret die an die Hand gegebenen Leitlinien auch seien, alle Faktoren ließen sich nicht berücksichtigen, räumt Schmalenberger ein. „Es kann immer mal eine Situation auftreten, die neu ist. Dann muss man zur Not kreativ sein und improvisieren. In erster Linie hoffe ich, dass wir beim regulären Unterricht bleiben können. Denn Fernunterricht kann ihn nicht hundertprozentig ersetzen, und Kinder brauchen soziale Kontakte. Ich baue darauf, dass sowohl die Schüler wie auch die Eltern die Schutzmaßnahmen so gewissenhaft einhalten wie schon vor den Ferien.“
So mancher Lehrer wünscht sich Maskenpflicht im Unterricht
Doch mancherorts im Kreis herrscht Skepsis unter den Lehrern im Kreis. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir dem Beispiel Nordrhein-Westfalens folgen und die Maskenpflicht auch im Unterricht anordnen. Denn dass die Aerosole bei der Übertragung von Corona eine große Rolle spielen, ist ja bekannt“, äußert sich beispielsweise ein Lehrer einer weiterführenden Schule. Außerdem sei nicht jede Schule wie die andere. Viele Klassenzimmer seien einfach zu klein, um falls nötig, die Abstandsregelung zu gewährleisten. „Und es gibt Räume, da lassen sich die Fenster überhaupt nicht öffnen. Wie soll das dann mit dem vorgeschriebenen Lüften funktionieren? Das wird auch interessant, wenn der Winter kommt und es draußen bitterkalt ist.“
Der Pädagoge befürchtet ein weiteres Ansteigen der Infektionszahlen. „Weil viele Leute leichtsinnig bis verantwortungslos sind und damit die eigene Gesundheit und die anderer riskieren. Und was ist, wenn im Herbst die Erkältungszeit kommt? Wie soll man wissen, ob es sich um normalen Husten und Schnupfen handelt oder doch um Corona? Soll man dann ständig einen Test machen?“ Deshalb könne er sich gut vorstellen, dass auch hierzulande noch die Maskenpflicht im Unterricht eingeführt wird.
„Hundertprozentige Sicherheit gibt es nirgends“
Dagegen kann Dagmar Frank, die neue Leiterin der IGS Landstuhl, kann mit der hiesigen Regelung ganz gut leben. „Hundertprozentige Sicherheit gibt es nirgends. Und ständiges Maskentragen im Unterricht halte ich für die Schüler für unzumutbar. Das ist anstrengend und lässt sie schneller müde werden. Außerdem sind Masken gerade im Fremdsprachenunterricht äußerst hinderlich. Da müssen die Schüler den Mund der Lehrkraft sehen, um die Aussprache zu lernen.“