Kreis Kaiserslautern Gemeinsam zu mehr Gelenkigkeit

Selbsthilfegruppen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Nicht zuletzt als wichtige Ergänzung zum Gesundheitssystem. So wie die Morbus Bechterew Selbsthilfegruppe Kaiserslautern, die sich vor 25 Jahren gegründet hat. Ihre wöchentlichen Treffen in der Reha-Westpfalz Landstuhl dienen neben der Gesundheit auch dem Austausch und der gegenseitigen Unterstützung.
„Und los geht’s!“ Auf das Kommando von Wadim Schwindt setzt sich die Truppe in Bewegung. 16 Männer und Frauen, die eines gemeinsam haben: Sie leiden an Morbus Bechterew, einer chronisch entzündlichen und sehr schmerzhaften Erkrankung der Wirbelsäule, die zum rheumatischen Formenkreis zählt. Sie tritt schubweise auf, kann eine Versteifung oder Verknöcherung einzelner Wirbel verursachen und dadurch die Betroffenen stark in ihrer Beweglichkeit einschränken. Noch lässt sich die Krankheit nicht heilen, sondern nur mit Schmerz stillenden und entzündungshemmenden Medikamenten behandeln. Umso wichtiger ist es, die Gelenkigkeit der Patienten mit speziellen krankengymnastischen Übungen zu trainieren. Das tun die Mitglieder der Selbsthilfegruppe jeden Dienstag, wenn sie sich Schlag 18 Uhr in der Turnhalle der Reha-Westpfalz in Landstuhl sammeln. Den Auftakt macht eine 30-minütige Trockengymnastik unter Anleitung von Übungsleiter Wadim Schwindt. Er ist Physiotherapeut am Westpfalzklinikum Kaiserslautern und darin geschult, die sportlichen Aktivitäten auf die speziellen Bedürfnisse der Morbus Bechterew-Patienten abzustimmen. Die setzen sich für eine weitere halbe Stunde nebenan im Schwimmbad fort. Mit Aquajogging, Wasserbällen, bunten Poolnudeln und viel guter Laune. „Die Bedingungen hier sind ideal für uns“, sagt Armin Kühn. Selbst betroffen, hat er die Selbsthilfegruppe im Januar 1989 gegründet. „Die Anregung dazu bekam ich während einer Kur in einem bayerischen Rheumazentrum. Dort habe ich von Leidensgenossen erfahren, dass es in Rheinland-Pfalz Morbus Bechterew-Selbsthilfegruppen gibt. Aber leider nicht in Kaiserslautern.“ Eine Lücke, die Kühn schließen will. Wieder zuhause, ergreift er die Initiative und gibt eine Anzeige auf. Prompt melden sich 14 interessierte Patienten „und wir hatten bereits im Februar die erste Gruppengymnastik“. Heute zählt die Selbsthilfegruppe 45 Mitglieder, davon etwa 20 aktive, die zur wöchentlichen Gymnastik kommen. Die finanziert sich über die Dauerrezepte der Patienten. „Bei den Teilnehmern, die altersmäßig zwischen 28 und Ende 70 liegen, halten sich Männer und Frauen die Waage“, sagt Paul Jaeschke. Er ist Gruppensprecher und seit 21 Jahren mit von der Partie. „Es war für mich ein großes Glück, in der Gruppe auf Menschen zu treffen, die wissen, welche Probleme und Fragen die Krankheit mit sich bringt.“ Nicht nur für die Patienten selbst, sondern auch für deren Umfeld. „Deshalb werden die Familien, Partner und auch Freunde mit einbezogen. Je mehr sie über die Erkrankung aufgeklärt sind, desto besser verstehen sie den Betroffenen und können mit der Situation entsprechend umgehen“, so der 50-Jährige. Auch Kassenwart Uwe Klein weiß die Vorteile der Gruppe zu schätzen. „Der Erfahrungsaustausch ist viel wert. Dazu kommt, dass unsere Gruppe dem Landesverband Rheinland-Pfalz der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew angeschlossen ist. Er setzt sich in vielen Belangen für die Mitglieder ein, versorgt uns mit medizinischen und sozialrechtlichen Informationen und berät uns in rechtlichen Angelegenheiten. Außerdem können Therapeuten an regelmäßigen Weiterbildungen teilnehmen. Davon profitieren wir alle.“ Doch auch das Miteinander wird in der Gruppe groß geschrieben. Nicht nur auf sportlicher Ebene, die neben der Gymnastik noch ein Volleyballteam umfasst. „Die zwischenmenschliche Komponente ist uns ebenfalls sehr wichtig“, betont Gründer und Beisitzer Armin Kühn. „Wir unterstützen uns gegenseitig und sind im Laufe zu einer vertrauten Gemeinschaft zusammengewachsen. Freundschaften wurden geknüpft und sogar Paare haben sich gefunden.“ Weil der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen soll, „wandern wir gemeinsam, machen Ausflüge und Grillfeste“, sagt Jaeschke. Grund zum Feiern gibt es auch heute. Dann begeht die Selbsthilfegruppe ihr 25. Jubiläum. Mit Gästen anderer Morbus Bechterew-Gruppen, Angehörigen und Freunden. Wünsche für die Zukunft? „Wir würden gern noch weitere Mitglieder aufnehmen“, sagt Uwe Klein und heißt Interessenten zu einer Gymnastik-Schnupperstunde willkommen.