Ramstein-Miesenbach Gartenbahn-Schautag im Congress Center
Richter ist Fan von Modelleisenbahnen im Maßstab 1:22,5, die landläufig als Gartenbahnen bezeichnet werden, und die Ende der 1960er Jahre als wetterfeste Modelleisenbahnen von der Firma Lehmann-Groß-Bahn (LGB) in Nürnberg auf den Markt gebracht wurden. „Früher fuhren solche Bahnen gelegentlich als Werbeträger in den Schaufenstern von Apotheken. Dort habe ich als Kind zum ersten Mal so einen Zug gesehen und mir regelrecht die Nase am Schaufenster platt gedrückt, immer wenn ich nach der Schule dort vorbeikam“, berichtet Manfred Richter. Bis heute hat ihn die Begeisterung von der gar nicht mal so kleinen Modelleisenbahn, die eigentlich für das Fahren im Freien konzipiert ist, nicht mehr losgelassen – auch wenn mehrere Jahrzehnte vergingen, bis er die ersten Gleise im Vorgarten seines eigenen Reihenhauses verlegen konnte.
Besucher dürfen steuern
Die Fans der LGB-Bahnen sind seit mehreren Jahren regelmäßig zu Gast in Ramstein, wo mit Manfred Küster ein echter LGB-Gartenbahn-Enthusiast wohnt. „Wir waren bei der jährlich stattfindenden Modellbahnbörse mit unseren Anlagen immer auf der Bühne des CCR vertreten. Da die Börse im vergangenen Jahr bedauerlicherweise wohl zum letzten Mal stattfand, haben wir uns dazu entschlossen, unsere Anlagen in diesem Jahr für einen Schautag trotzdem in Ramstein zu zeigen, da wir wissen, dass es hier viele Leute gibt, die die Bahnen gerne in Aktion sehen“, berichtet Richter. Dementsprechend gut besucht ist die Lounge den ganzen Sonntag über. Züge auf einer gesonderten Anlage können Besucher auch mal selbst steuern. Gerade bei den jüngeren Besuchern kommt das gut an.
Wie bei den Modellbahnen mit der Spurweite H0 oder N üblich, stammen auch die Gartenbahn-Modelle aus allen erdenklichen Epochen der Eisenbahngeschichte. So tuckert eine Lok der Harzer Schmalspurbahn an einer Railjet-Garnitur der Österreichischen Bundesbahn vorbei, wobei letztere aufgrund des Maßstabs eine beachtliche Länge von mehreren Metern hat. Ähnlich wie bei den Modellbahnen, die auf dem Dachboden oder im Hobbykeller ihre Runden drehen, hat auch bei den Gartenbahnen die Digitalisierung längst Einzug gehalten. „Die Loks werden über die Schienen mit Strom versorgt, die Steuerung erfolgt über ein digitales Funksignal, wobei es anders als bei den kleinen Modellbahnen, die meistens über ein Laptop gesteuert werden, für die Gartenbahnen digitale Handgeräte gibt, deren Displays auch im Freien und bei Sonnenschein abgelesen werden können“, erläutert Richter und betont, dass so auf einem Gleis mehrere Züge unabhängig voneinander fahren können.
Rauch im Takt der Kolben
Mehr noch als die H0- oder Spur-N-Modellbahnanlagen böten die LGB-Bahnen Tüftlern und Bastlern ein reiches Betätigungsfeld: „Einfach deshalb, weil in die größeren Modelle mehr an ergänzender Technik, an Lampen oder Modulen für die unterschiedlichsten Effekte reinpasst, um die kleinen Züge ihren großen Vorbildern immer mehr anzunähern“, meint Richter und verweist auf winzige LED-Lämpchen an den Loks oder Impuls-gesteuerte Verdampfer, die den Rauch aus den Schornsteinen der Dampfloks im Takt der Kolben pulsieren lassen. „Der Fantasie sind bei den LGB-Gartenbahnen kaum Grenzen gesetzt“, sagt Richter.