Kreis Kaiserslautern Fury schummelt

Marie Streuber hat ihren Percy auf die Waage geführt – und der ist schwerer als gedacht. Über 500 Kilogramm liest Natascha Schif
Marie Streuber hat ihren Percy auf die Waage geführt – und der ist schwerer als gedacht. Über 500 Kilogramm liest Natascha Schifferstein vom Display ab.

Beim Reit- und Fahrverein Katzweiler war am Samstag Wiegen angesagt. Eine mobile Pferdewaage sorgte für gewichtige Klarheit und so manches Mal für erstaunte Reaktionen: „Ach, so schwer?“

Foxy, das fünfjährige Fuchspony genießt die Fellpflege, die ihm Sabrina Barthel angedeihen lässt. Foxy soll auf die Waage – ohne Schmutz. Die mobile Waage gehört Natascha Schifferstein und Melanie Metzner aus Gundersweiler. Anfahren, die wiegende Bodenplatte ausladen, Stecker in die Steckdose, Kabel abdecken, damit kein Pferdehuf drauftreten kann – schon haben die beiden Kilokontrolleure alles bereit. 0,00 Kilo steht auf dem Display. Noch. „Das Ganze ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Reit- und Fahrverein Lautertal und der Bonanza-Ranch. Zum Wiegenlassen darf jeder Pferdebesitzer kommen, ganz gleich, ob Vereinsmitglied, nur Einsteller auf der Ranch oder auch Pferdebesitzer von anderen Höfen“, sagt Elke Rahm, Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins. Es ist nicht das erste Mal, dass in Katzweiler gewogen wird. Allerdings liegt der bislang letzte Pferdegang auf die Waage schon zwei Jahre zurück. Früher waren Dorfwaagen gang und gäbe, die Bauern brachten ihr Vieh dahin, meist vorm Schlachtgang. Auch die Erntefuhrwerke fuhren zum Wiegen vor. Ab und an wurde auch ein Pferd gewogen. Einst ging das Tier zur Waage. Heute ist es umgekehrt, die Waage fährt vor. Mit Eitelkeit der Tiere hat das Wissen um das Gewicht natürlich nichts zu tun, obwohl es bei dem schwarzen Fury fast den Anschein hat. Brav marschiert er auf die Waage, die Anzeige geht zunächst auf deutlich über 500 Kilogramm hoch, um dann bei 380 Kilo und ein paar Gramm stehenzubleiben. Kein Wunder: Der Schlingel hat gemogelt. Elegant und geschickt hat Fury einen Hinterfuß neben das Teil gesetzt, steht nur noch mit drei Beinen drauf. Er wird aber erwischt, muss einmal drehen und noch einmal auf die Waage laufen. „Das Wiegen ist für manche auch eine kleine Gelassenheitsprüfung“, erläutert Rahm einen der Gründe, warum gut 30 Pferdebesitzer in der Schlange stehen. Einige wollen wissen, was der Vierbeiner wiegt, damit sie den Hänger nicht überladen. Die meisten interessiert aber einfach die pure Zahl. Zu wissen, wie viele Kilo da unterm Sattel galoppieren, das hat doch seinen Reiz. Der Hauptgrund, warum die Vereinsvorsitzende die mobile Waage organisiert hat, ist natürlich ein ganz anderer. „Wer das Gewicht seines Pferdes kennt, kann es dem Tierarzt nennen. Eventuelle Medikamente können so besser dosiert werden“, stellt Rahm fest. Der Norweger Percy schreitet derweil zur Gewichtskontrolle und überrascht Marie Streuber am Pferdestrick. Auf 428 Kilo hat sie ihren Percy geschätzt, stolze 517,5 Kilo zeigt das Display an. „So schwer?“ Sie ist nicht die Einzige an diesem Tag, die das Gewicht ihres Pferdes deutlich unterschätzt hat. Jetzt ist der frisch gestriegelte Foxy an der Reihe. Er geht völlig entspannt auf das schwarze, gummierte Bodenteil und bringt es auf 338 Kilo. Nein, mit so viel habe sie nicht gerechnet, gibt auch Sabrina Barthel zu. Sie hatte das Pony auf etwa 278 Kilogramm geschätzt.

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