Schallodenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Fritz Seitz aus Schallodenbach: Nicht nur Seelsorger, sondern auch Widerstandskämpfer

Gilt als „Heldenpriester“: Der Seelsorger Fritz Seitz aus Schallodenbach.
Gilt als »Heldenpriester«: Der Seelsorger Fritz Seitz aus Schallodenbach.

Im Dritten Reich wurde er als erster katholischer Pfarrer in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Fritz Seitz war ein engagierter Geistlicher und entschiedener Gegner des Nationalsozialismus.

In einem Nachruf nach seinem frühen Tod wurde er als „Heldenpriester“ bezeichnet. Anlässlich seines 100. Geburtstages gab es in Schallodenbach einen feierlichen Gottesdienst und das dortige Pfarrheim wurde in „Dekan-Seitz-Haus“ umbenannt. Sein Grab auf dem Friedhof wurde zur Ehrengrabstätte erklärt.

Fritz Seitz wurde am 28. Januar 1905 in Mayen geboren. Nach dem Abitur studierte er in München katholische Theologie und wurde 1928 im Speyrer Dom zum Priester geweiht. Anschließend wirkte er als Kaplan in Meckenheim, Edenkoben, Herxheim und Zweibrücken. Seine weiteren Pfarrstellen waren in St. Ingbert und Ludwigshafen. 1936 kam er nach Schallodenbach, wo er die Pfarrei mit einer Unterbrechung bis zu seinem Tod versah. Von 1946 bis 1949 war er außerdem Dekan im Kirchenbezirk Kaiserslautern.

Guter Prediger und beliebter Seelsorger

Der Priester, der als guter Prediger und beliebter Seelsorger galt, betätigte sich auch politisch. Er war in der Zentrumspartei aktiv, einer Partei der deutschen Katholiken, die in der Weimarer Republik eine wichtige Rolle spielte. Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erlebte Seitz im saarländischen St. Ingbert, das damals noch dem Völkerbund unterstand. Der Pfarrer wandte sich gegen den Anschluss an das Reich und geriet dadurch in Gegensatz zu den Nationalsozialisten. Später zerriss er in Ludwigshafen während einer Veranstaltung seiner Pfarrei demonstrativ eine Ausgabe der SS-Zeitung „Das schwarze Korps“.

Die Reaktionen der neuen Machthaber ließen nicht auf sich warten. Sein Pfarrhaus wurde durch die SA und die Hitler-Jugend durchsucht und man warf ihm die Fensterscheiben ein. Man verbot ihm Versammlungen in der ganzen Pfalz und den Unterricht an Schulen. Während des Zweiten Weltkrieges lud er polnische Zwangsarbeiter zu sich ins Pfarrhaus ein und ermöglichte ihnen, am Gottesdienst in der Kirche teilzunehmen. Daraufhin verhaftete ihn die Geheime Staatspolizei im März 1940 und steckte ihn in das Gefängnis in Neustadt.

Ins Konzentrationslager Dachau eingewiesen

Dort erreichte ihn im Juni ein sogenannter Schutzhaftbefehl, der ihn in das berüchtigte Konzentrationslager Dachau einwies. In dem Dokument hieß es, er habe durch sein Verhalten das gesunde Volksempfinden gröblichst verletzt, „indem er die im Verkehr mit Polen gebotene Zurückhaltung vermissen ließ“. Im Priesterblock des KZ Dachau waren danach viele katholische Priester aus ganz Europa eingepfercht, von denen im Lauf der Zeit über tausend wegen der schlechten Bedingungen und ungenügender Versorgung starben.

Fritz Seitz verbrachte fast fünf Jahre in den Konzentrationslagern Dachau und Mauthausen. Er war einige Monate im Steinbruch und danach als Pförtner im Krankenrevier eingesetzt. Dort konnte er seine Arbeit als Seelsorger unter den Gefangenen fortsetzen, für die er ein geheimes Netzwerk aufbaute. Er nahm die Beichte ab und gab Sterbenden die letzte Ölung. 1945 kehrte der Priester nach der Befreiung in seine Pfarrei Schallodenbach zurück und übernahm wieder seinen Dienst. Die KZ-Haft mit den körperlichen und seelischen Belastungen hatte jedoch ihre Spuren hinterlassen. Fritz Seitz starb bereits am 18. März 1949 im Alter von nur 44 Jahren in seiner Heimatgemeinde.

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