Kreis Kaiserslautern Früh mit Bits und Bytes jongliert
Tags vor Heiligabend war sie in Ramstein „gestrandet“. Angespült von den Gestaden der heutigen Bundeshauptstadt, hat die Schwäbin flugs für sich und ihre Lieben eine Heimstatt ausgesucht, sich fürs 13. der ihr damals angebotenen Häuschen entschieden. Kaum angekommen, hat sie einfach voller Elan losgelegt. Heute, drei Jahrzehnte später, blickt Marianne Eyrich auf eine turbulente Geschichte zurück. Eine mit schwindelnden Höhen, aber auch mit Tiefen. Und mit einer guten halben Million Menschen, denen ihre Firma Datey Eyrich Wissenswertes hat vermitteln können.
1991 war eine regelrechte Auto-Flotte unterwegs. Da düsten 37 weiße Golf mit grünen Streifen – dem Firmenlogo entliehen – zwischen der Westpfalz und dem Osten der wieder vereinten Republik hin und her. Marianne Eyrich nahm indes öfter den Flieger. Jettete fortan in absplitternde Sowjetrepubliken. In Budapest, Helsinki, Prag und Warschau hat sie verhandelt, um einem besonders ehrgeizigen Projekt die Basis zu bereiten. Da ging es nun darum, die Englischkenntnisse von Fluglotsen europaweit zu verbessern, ihnen den Schliff für die Fachterminologie zu verpassen. Sprachschulungen waren ein wichtiges Standbein. Begonnen aber hatte die Datey Eyrich mit etwas anderem: Ganz früh schon hat die Firmengründerin mit Bits und Bytes jongliert. Die ersten Rechner waren überhaupt für Firmen erschwinglich geworden, das Betriebssystem MS-Dos erlaubte im Verbund mit Frühversionen von Textverarbeitungsprogrammen, Computer als intelligente Schreibmaschinen einzusetzen und auch anderweitig als Helferlein fürs Büro zu nutzen. Die „Datey“ – die Endung basiert auf dem Namens-Anfang der Geschäftsinhaberin – stieß in die Lücke. Ums Haar wäre sie in den USA, auf einem Stützpunkt bei Los Angeles gelandet, erzählt Marianne Eyrich. Dort hätte ihr Ehemann – Pilot und Militärangehöriger – eine gehobene Position übernehmen sollen. „Ich wollte nicht hin“, sagt sie rückblickend. Die Wahl fiel auf Ramstein – eine Art Kompromiss, der zunächst weder ihr noch ihrem Mann zuzusagen schien. „Mir hat es hier gar nicht gefallen“, erinnert sie sich an die erste Ankunft in der Westpfalz. Eyrich verkaufte zu Anfang sogar Computer; solche, die bei der Army ausgedient hatten, vertrieb sie an private Nutzer. „Das war aber nicht so mein Ding.“ Was ihr mehr gelegen, zudem viel mehr Spaß bereitet habe: die Kenntnisse für die Anwendung zu vermitteln. Sie heuerte Fachleute an, die Nutzern des damals noch recht neuen Hilfsmittels PC zeigten, wie sie mit Bits und Bytes jonglieren und sich damit Erleichterung bei der alltäglichen, lästigen Büroarbeit verschaffen. Dabei blieb es nicht. Datey pflügte auf immer weiteren Bildungsfeldern. In Blütezeiten waren mehr als 100 Beschäftigte für die GmbH am Ball, der die Gründerin von der Gründung vor nunmehr 20 Jahren bis heute als Geschäftsführende Gesellschafterin vorsteht. 1985 hatte die Firma ihre Arbeit aufgenommen. Fast von Anbeginn an mit im Boot: Ilse Geib. Die Ramsteinerin sei unverzichtbar, ebenso wie Finanz-Chefin Steffi Körbel, die im Jahr 1991 zum Team stieß – in der wohl turbulentesten Zeit, wie Körbel und Eyrich heute rückblickend feststellen. Es gab allerdings nicht nur rosige Zeiten, die Kurve hat sich auch einstweilen schon geneigt. Lachend erzählt die Chefin heute auch von einem Moment des Scheiterns: In Dubai wollte sie Verkehrssicherheits-kurse in größerem Stil initiieren, saß mit hochrangigen Auftraggebern, mit einem Scheich, am Konferenztisch. „Mit meinem großen Mundwerk hab ich es verdorben“, sagt Eyrich heute. Heute agiert die private Bildungsträgergesellschaft – 30 feste und zahlreiche freie Mitarbeiter stark, an elf Standorten in Pfalz und Saarland vertreten – in erster Linie im Auftrag von Arbeitsagentur oder Jobcenter. Kurse für Flüchtlinge sind das nächste Feld, das es zu beackern gilt. Künftige Herausforderungen, speziell mit Blick auf Integrationsmaßnahmen, waren gestern Gesprächsthema bei einem Firmenbesuch: Philip Pongratz, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Stadt und Landkreis, und Landrat Paul Junker hatten in der Reihe ihrer regelmäßigen Wirtschaftsbesuche Einblick genommen, begleitet vom Ersten Stadtbeigeordneten Ludwig Linsmayer. (cha)