Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Flutkatastrophe: DRK-Helfer berichten von Hilfseinsätzen

Im Dauereinsatz: Helfer des DRK bei der Essensausgabe.
Im Dauereinsatz: Helfer des DRK bei der Essensausgabe.

Gleich nach der Flutkatastrophe im Ahrtal am 14. Juli wurde das Deutsche Rote Kreuz (DRK) aktiv. Im Dauereinsatz halfen DRKler aus dem Landkreis vor Ort, aber auch von hier aus. Eine Zeit, die sie sicherlich nicht vergessen werden.

Der Kreisverband (KV) Kaiserslautern-Stadt war mit seinen Schnelleinsatzgruppen zuerst vor Ort. Der KV Kaiserslautern-Land sicherte in Kaiserslautern die Einsatzbereitschaft. „Nach zwei Wochen Einsatz, der nicht nur physisch, sondern auch psychisch den Helfern das Letzte abverlangte, wurden die Rollen getauscht und wir übernahmen den Einsatz“, erläutert Kreisgeschäftsführer Michael Nickolaus.

„An die Grenzen der Belastbarkeit“

Dirk Vogel (48), Rotkreuzbeauftragter in der Einsatzleitung, fungierte als Verbindungsmann für die Einsatzkräfte. „Schwerpunkt unseres Einsatzes mit 48 Kräften war, für die Betreuung und Verpflegung vor Ort zu sorgen. Vier Kräfte, geschult in der Psychosozialen Notfallversorgung kümmerten sich einerseits um Angehörige von Flutopfern sowie um Menschen, die in wenigen Stunden alles verloren und nur das nackte Leben retten konnten, andererseits um Einsatzkräfte, die einer apokalyptischen Wirklichkeit ausgesetzt, an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gerieten“, erzählt er.

Die zerstörte Infrastruktur habe die Orientierung schwer gemacht. In der Burg Kreuzberg hoch über Ahrtal und einer unzerstörten Kirche im Tal konnten die Helfer ihre Feldbetten aufstellen. An mehr als sechs Stunden Schlaf sei nicht zu denken gewesen. Um die seelische Belastung in Grenzen zu halten, wurde die Einsatzleitung alle drei Tage ausgetauscht. Zu den betroffenen Menschen sowie zu den vielen Hilfskräften, „entwickelte sich sehr schnell eine fast familiäre Bindung. Täglich wurden in unserem Bereich 10.000 Essensrationen benötigt“, erzählt Vogel.

Spenden gesammelt

Die Vorsitzende des DRK Ortsvereins Ramstein, Sandra Schröder, startete am 18. Juli. Eine Sachspendeaktion für die Flutopfer. „Die Spendenbereitschaft war überwältigend. Unterstützt durch den Bauhof, die Feuerwehr und viele private Helfer konnten wir mehrere Fahrzeuge mit Kleidung, Hygieneartikeln, Babynahrung, Windeln, Handtüchern und Wolldecken zu einer großen Sammelstelle in Trier/Kenn bringen. In einer zweiten Aktion, unterstützt von mehreren Discountern und Supermärkten in unserer Region, konnten wir Windeln, Babynahrung, Kaffee und zwölf Reisebetten, die amerikanische Mitbürger spendeten, zu einer Großsammelstelle nach Euskirchen überbringen. Inzwischen gehöre ich der Helfernetzwerkgruppe an, die den schnellen Kontakt mit über 50 Sammelstellen aufrechterhält und prompt reagieren kann“, erläutert Schröder.

„Gezeichnet von Leid und Entbehrung“

Daniel Bock (21), Gruppen und Jugendleiter des Jugendrotkreuzes Ramstein, hatte zusammen mit vier Helfern den Auftrag übernommen in Grafschaft für die Essensausgabe zu sorgen. „In einem Zelt wurden die Essensbehälter aufgebaut. Berge von Müll, Holz und Steinen säumten die Straßen. Der Lärm der Baumaschinen war ständiger Begleiter. Menschen, gezeichnet von Leid und Entbehrung, wie ich es bisher nur von Dokumentarfilmen über den Zweiten Weltkrieg kannte, nahmen von Herzen dankbar die warme Mahlzeit entgegen. Und überall der Schlamm, der wie ein graubrauner Alptraum alles bedeckte. Diese Bilder werden mich ein Leben lang begleiten“, so der junge Helfer aus Steinwenden.

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