Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Feuer und Schwerverletzte: So proben Feuerwehr und Rettungsdienst den Ernstfall in Landstuhl

Die Feuerwehr löschte das brennende Fahrzeug. Die Flammen stammen aus der Brandsimulationsanlage der US-Heeresgarnison.
Die Feuerwehr löschte das brennende Fahrzeug. Die Flammen stammen aus der Brandsimulationsanlage der US-Heeresgarnison.

In Landstuhl sind nach einem Unfall mehrere Autos beschädigt, eins davon brennt lichterloh. Mehrere Menschen sind verletzt. Das Geschehen ist allerdings nur gestellt.

Ein erschreckendes Bild bietet sich den ersten Einsatzkräften unmittelbar nach ihrem Eintreffen am Unfallort: Auf der Landstraße steht ein Auto lichterloh in Flammen, ein weiteres Fahrzeug liegt mit eingedrücktem Dach am Fahrbahnrand auf der Seite. Es scheint, als hätte es sich mehrfach überschlagen. Wenige Meter hinter dem Wrack des Toyota steht ein Lastwagen. Aus dessen Führerhaus ist lautes Stöhnen zu hören. Darüber hinaus ist ein Auto auf den stehenden Lastwagen aufgefahren. Und das offenbar mit großer Wucht. Denn der voll besetzte Opel Kombi hat sich unter den Auflieger des Lkw geschoben. Einige zu einem Baugerüst gehörende Stahlstangen – diese waren auf dem Auflieger geladen – haben sich durch die Windschutzscheibe ins Innere des Autos gebohrt und zumindest den Fahrer des Wagens schwer verletzt.

Zum Glück handelt es sich bei dem beschriebenen Szenario um keinen echten Ernstfall, sondern um eine Übung, die von der Freiwilligen Feuerwehr Landstuhl zusammen mit dem DRK am Dienstag, 22. Juli, am westlichen Ende der Raiffeisenstraße im Landstuhler Gewerbegebiet abgehalten wird. Darüber hinaus stellt die US-Heeresgarnison (USAG) eine moderne Brandsimulationsanlage – das brennende Auto – zur Verfügung. Raphael Flickinger von der USAG bedient die Anlage, bei der einströmendes Propangas für ein kontrollierbares Flammenmeer sorgt. Katharina Koch, Hannah Wolf und Daniela Szabo-Wolf vom Landstuhler Jugend-Rotkreuz haben die drei Schwerverletzten realistisch in Szene gesetzt. Das Trio hat spezielle Schminkkurse in „realistischer Unfall-Darstellung“ besucht.

Autos löschen, Wrack aufschneiden

Zurück zum Geschehen: Es dauert nicht lange, bis die Einsatzkräfte der Landstuhler Feuerwehr und Sanitäter des Roten Kreuzes vor Ort eintreffen. Paul Goldinger, Chef der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Landstuhl, seine Abschnittsleiter sowie ein halbes Dutzend Rettungssanitäter machen sich ein Bild von der Lage: Sie stellen fest, dass sich drei Personen in den Unfallfahrzeugen befinden, die dringend medizinische Hilfe benötigen. Schon jetzt ist klar, dass die Bergung der Fahrer in den jeweils schwer beschädigten Autos – ein Toyota und ein Opel – kompliziert wird. Denn beide sind in ihren Fahrzeugen eingeklemmt. Darüber hinaus scheint der Lkw-Fahrer unter Schock zu stehen und sich nicht bewegen zu können.

Hand in Hand bergen die Einsatzkräfte einen Verletzten. Dieser wird von Landstuhls Stadtbürgermeister Mattia De Fazio gespielt.
Hand in Hand bergen die Einsatzkräfte einen Verletzten. Dieser wird von Landstuhls Stadtbürgermeister Mattia De Fazio gespielt.

Umgehend bilden die Wehrleute und Rettungssanitäter vier Einsatzabschnitte. Während das brennende Fahrzeug binnen weniger Minuten gelöscht werden kann, schleppen die Feuerwehrleute nach und nach mehrere hydraulisch angetriebene Rettungsscheren und -Spreizer zum Toyota und Opel. Sie beginnen, die Fahrzeuge aufzuschneiden. Damit wird es den Sanitätern ermöglicht, die Verletzten besser zu versorgen. Erst wenn die Fahrzeuge aufgeschnitten sind, können auch die Verunglückten geborgen werden.

Nach einer Stunde aus Auto befreit

Eines der Unfallopfer ist Tony Troppa, der gemeinsam mit Aron Geisel die Großübung konzipiert hat. Beide sind bei der Berufsfeuerwehr tätig und haben sich auch in ihrer Freizeit der Feuerwehr verschrieben: Sie sind Gruppenführer der Landstuhler FFW. „Wir arbeiten seit rund vier Wochen auf die Großübung hin und haben die Landstuhler Wehrleute in mehreren Schulungen gezielt darauf vorbereitet, wobei die technische Hilfeleistung sowie ganz besonders die Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften vom DRK an zentraler Stelle der Übung stand“, berichtet Troppa.

Von dem eigentlichen „Einsatz“ bekommt er recht wenig mit. Schließlich spielt er das im Toyota eingeklemmte Opfer. Nach rund einer Stunde ist das Fahrzeugwrack umgedreht und das Dach abgeschnitten – Melanie Karau und Anna Schmidt bedienen das schwere Rettungsgerät – , dann kann Troppa aus dem Toyota befreit werden. Während dieser Zeit wird Troppa von Tristan Weiß versorgt. Er ist einer von sechs Ersthelfern und Notfall-Sanitäter-Auszubildenden, für die die Übung ein praktischer Baustein im Rahmen ihrer Ausbildung darstellt. Deshalb werden sie am Dienstag von ihren Ausbildern nicht aus den Augen gelassen. Ausbilderin Sabrina Lambrecht ist später allerdings „ganz zufrieden“ mit dem Tun ihres Schützlings Tristan Weiß, der sich am Ende des zweiten Lehrjahres befindet.

Im Ernstfall Hand in Hand arbeiten

Mehr als zufrieden mit dem Ablauf der Übung ist Thomas Jung, der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Landstuhl. Er hat das Geschehen gemeinsam mit Marc Calabrese vom Rettungsdienst im Blick behalten. „Wichtig ist, dass Rettungsdienst und Feuerwehr im Ernstfall Hand in Hand arbeiten – und das möglichst reibungslos als eingespieltes Team. Wenn sich die Rettungskräfte gegenseitig kennen, klappt diese Zusammenarbeit umso besser. Dabei sind wir heute ein gutes Stück weitergekommen“, loben die beiden sowohl den Ablauf der Übung als auch ihre Konzeption. Sie sind sich darin einig, dass solche Übungen auch in Zukunft auf dem Plan der Rettungskräfte stehen werden.

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