Enkenbach-Alsenborn:
Fackelwanderung bietet eine besondere Atmosphäre
Kurz nach 18 Uhr knistern bei einbrechender Dunkelheit bereits die Fackeln. Von weitem strahlen sie ihr orange-gelbes Licht durch den Wald. Eine ungewohnt heimelige Atmosphäre breitet sich auf dem Weg oberhalb der Geldlochhütte aus. Die Prognose für die Abendstunden verspricht nicht wirklich eine ruhige Wetterlage. „Ach, was! Sei kein Weichei“, hatte sich Bertram Klauser aus Sembach gesagt, als er zur Fackelwanderung mit seiner Frau Karin aufgebrochen war. Etwa zehn Grad ist es warm, leichter Nieselregen füllt die Luft. Von dem angekündigten, kräftigen Wind ist in der Tiefe des Waldes wenig bis nichts zu spüren. Der Neuhemsbacher Pfälzerwald Verein ist mit seinem neuen Vorsitzenden Armin Obenauer und sieben Wanderern angetreten. „Wir sind jedes Jahr dabei. So etwas lassen wir uns nicht entgehen“, sagt Obenauer. Und schon steigen die Wanderer den steilen Hang bergauf.
Der Waldkauz ruft
Mehr und mehr verstummen die Gespräche. Vielleicht, weil wegen der Steigung die Luft knapp wird? Auch möglich, dass die nächtliche Stimmung vorgibt: Seid doch einfach ruhig und lauscht in diesen Lebensraum hinein. Bäume reiben knarrend aneinander, ein Waldkauz ruft. Mit Fackeln oder im Vertrauen auf das Mondlicht: So haben sich Menschen über Jahrtausende auf Wanderschaft begeben, bevor es elektrisches Licht gab. Bei diesem Erleben verschwimmen schnell die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Ein schmaler Pfad führt vorbei an der Abzweigung zum Gänsebrünnchen. Die Baumkronen rauschen im Wind. Oder ist es die A6, die laut vernehmlich direkt oberhalb des Geländes verläuft? Die Dunkelheit übernimmt die Regie. Doch noch weisen die strahlenden Fackeln den Wanderern den Weg. „Wo geht es jetzt lang?“, fragt ein junger Mann, als er den Panoramaweg überquert. Ab hier kommt seine Taschenlampe unterstützend zum Einsatz.
Uwe Maak aus Enkenbach-Alsenborn ist mit seinem elfjährigen Urenkel Elias bereits auf dem Rückweg. Beide tragen leuchtende Fackeln in der Hand. „Die haben wir von zu Hause mitgebracht. Die brennen richtig gut“, berichtet das Duo. Oben am alten Forsthaus haben sich die beiden Wildschweinbratwürste gegönnt. „Die schmecken richtig gut“, schwärmt Elias. Der Junge ist zum ersten Mal auf dieser Wandertour. „Das gefällt mir richtig gut hier. Ist mal etwas ganz anderes.“
Großes Lagerfeuer
220 Würstchen und rund 70 Liter Glühwein hat der Förderverein der Frontalhütte neben alkoholfreiem Kinderpunsch zur Stärkung der Wanderfreunde im Angebot. Der Vorsitzende des Vereins, Peter Woll, ist überzeugt, dass „die Leute froh sind, nach zwei Jahren Pause wieder an der Fackelwanderung teilnehmen zu können“. Natürlich sei das Wetter nicht optimal. Dennoch freuten sich die Veranstalter über sehr guten Zuspruch. Etwa 200 Menschen haben sich auf der Anhöhe rund um das alte Forsthaus Schorlenberg eingefunden. Auf dem freien Gelände in der Nähe der Finnenhütten prasselt ein großes Lagerfeuer. Der kräftige Wind bläst Funken durch die Luft.
Für diejenigen, die nach dem geselligen Beisammensein für den Heimweg keine Taschenlampe einstecken haben, hält Joachim Kunz, Produktleiter Waldinformation, Umweltbildung und Walderleben beim Forstamt Otterberg Fackeln für drei Euro das Stück bereit. Denn nach etwa anderthalb Stunden sind die Fackeln, welche den Hinweg ausleuchteten, nur noch am Verglühen. Da sei es sicherer, auf den unbefestigten Waldwegen eine weitere Lichtquelle zur Verfügung zu haben. „Haben Sie keine Taschenlampe dabei?“ Ein junges Paar beschreitet gegen 20 Uhr mit seinem Hund den beinahe völlig unbeleuchteten Anstieg. „Wir wollen diese besondere Atmosphäre ohne künstliches Licht genießen. Außerdem weiß unser Hund wo es langgeht.“ Carmen und Sebastian Suchlaczek aus Hochspeyer sind begeisterte Nachtwanderer, wie sie erzählen. „Wir nehmen auch schon einmal ein Zelt mit und verbringen die Nacht im Freien“, sagen die beiden und laufen entspannt weiter.
