Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Für manche Gastronomen wird es langsam eng

Im Hotel-Restaurant Ölmühle in Landstuhl bietet Elisabeth Stärz von Freitag bis Sonntag eine To-Go-Speisekarte an. „Damit können
Im Hotel-Restaurant Ölmühle in Landstuhl bietet Elisabeth Stärz von Freitag bis Sonntag eine To-Go-Speisekarte an. »Damit können die Einbußen nicht abgefangen werden«, sagt sie.

Der erneute Lockdown, der nun ja auch noch verlängert wurde, trifft die Gastronomie im Landkreis hart. Von den schnell und unbürokratisch versprochenen Novemberhilfen ist bisher oft nur ein Bruchteil angekommen.

Seit Mittwoch, 6. Januar, hat „Klag’s Restaurant“ in Rodenbach geöffnet. Geöffnet heißt in diesem Fall, dass am ersten Tag nach einem lange geplanten Weihnachtsurlaub nun wieder zur Mittagszeit Gerichte zum Abholen angeboten werden. Heidrun Klag, die mit ihrem Mann Manfred das Restaurant führt, spricht von einer „belastenden Situation“.

„Wir probieren durchzuhalten“

Das Paar selbst könne auf regelmäßige Gäste – vor allem Senioren – bauen und sich so über Wasser halten, aber die Servicekräfte seien stark betroffen. „Sie sind notleidend, weil sie nicht arbeiten können, aber auf diese Einkünfte, die ja jetzt komplett wegfallen, angewiesen sind“, erläutert Heidrun Klag. Sie arbeitet derzeit mit zwei festen Mitarbeitern, die aktuell in Teilzeit beschäftigt sind, in der Küche. „Wir probieren durchzuhalten und hoffen, dass wir im neuen Jahr weiterhin da sein können“, ist sie vorsichtig optimistisch.

Für Elisabeth Stärz vom Hotel-Restaurant Ölmühle in Landstuhl kam die Lockdown-Verlängerung nicht unerwartet. Das Hotel ist seit Dezember komplett geschlossen. Sie beherbergt auch keine Geschäftsleute mehr, obwohl das gesetzlich erlaubt wäre – und hat die Heizung ausgeschaltet. „Um nicht noch mehr Kosten zu verursachen“, begründet sie diesen Entschluss. Im Restaurant bietet sie von Freitag bis Sonntag eine To-Go-Speisekarte an, bestückt mit Gerichten, die zuhause kaum oder gar nicht zubereitet werden. Auch haben so ihre beiden Service-Auszubildenden eine Aufgabe, und sie generiert wenigstens übers Wochenende Einnahmen. Aber: „Damit können die Einbußen nicht abgefangen werden.“

„Geschäftlich eine Katastrophe“

Wie Klags nimmt auch Stärz ihre Verantwortung als Arbeitgeberin ernst. Im Sommer hat sie mit je einer Kraft in der Küche und im Service alleine gearbeitet. „Ich wollte niemanden neu einstellen und dann entlassen müssen“, ist sie froh über ihre damalige Umsicht. Als glücklichen Umstand bewertet sie die Tatsache, dass sie in den warmen Monaten Gäste in drei Räumen und auf der Terrasse unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen bewirten konnte. Jetzt hat sie allerdings eine Teilzeitkraft nach dem Abbau von Urlaubstagen in Kurzarbeit schicken müssen.

Schaut sie auf das vergangene Jahr, lautet ihr Fazit: „Ganz klar, geschäftlich eine Katastrophe.“ Von den beantragten Novemberhilfen habe sie eine Abschlagszahlung erhalten. Diese sei aber nicht ausreichend, um laufende Kosten zu decken. Nun hofft die Unternehmerin darauf, dass weitere Mittel bald eintreffen. „Ich hatte einen gesunden Betrieb und glaube auch, dass es wieder so wird.“ Aus Gesprächen mit Berufskollegen weiß sie, dass einige mit dem Rücken an der Wand stünden. Sollte sich der Lockdown über einen längeren Zeitraum weiter hinziehen, stehe auch sie irgendwann vor der Frage, ob sie ihren Betrieb weiterführen könne.

„So langsam geht es an die Nerven“

Yvonne Kerschnitzki, die zusammen mit ihrem Ehemann Peter das Trippstadter Restaurant Immenhof führt, beschreibt das Jahr 2020 ebenfalls als „geschäftliche Katastrophe“. Auch für sie kam der verlängerte Lockdown, für den sie durchaus Verständnis hat, nicht überraschend. Aber: „So langsam geht es an die Nerven“, meint sie und schnauft tief durch. Das Restaurant ist komplett geschlossen, Gutscheine werden verkauft, aber ein Mitnahmeangebot wurde nicht ins Leben gerufen. „Das entspricht nicht unserer Küche“, meint die Gastronomin im Hinblick darauf, dass ihrer Ansicht nach die Speisen nach dem Transport nicht mehr schmackhaft seien.

Das Gastronomenpaar hat Novemberhilfen beantragt, bislang aber nur einen Bruchteil erhalten. Nun hofft es darauf, dass weitere Gelder bald kommen. Das Jahr 2021 umschreiben die Gastronomen mit den Worten: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Sie und ihr Mann vermissen die persönlichen Kontakte mit den Stammgästen, die 95 Prozent der Kunden ausmachen. Die beiden freuen sich darauf, wenn ihr Haus endlich wieder öffnen kann. „Die Vorfreude darauf ist riesig. Wir halten durch“, zeigt sich Yvonne Kerschnitzki kämpferisch.

„Ich weiß nicht, wie das weitergehen soll“

Im Gegensatz dazu hat sich bei Familie Talaba vom Restaurant Kipperhof in Otterbach Frust und Enttäuschung breit gemacht. Auch sie hat die Novemberhilfen beantragt und auch sie hat bislang nur einen kleinen Teil des Geldes erhalten. „Schnell und unbürokratisch“, wiederholt Gastronom Miroslav Talaba mit bitterem Unterton die Versprechen der Bundespolitik, denn die Prozedur des Antragstellens mit Hilfe des Steuerberaters habe vier Stunden in Anspruch genommen.

Belastend für die Familie, die seit 15 Jahren den Kipperhof bewirtschaftet, ist ebenfalls, dass der Vermieter Druck ausübe. „Wenn das noch ein, zwei Monate so weiter geht, können wir zumachen“, zeigt sich Talaba desillusioniert. Natürlich gebe es die Möglichkeit, einen Bankkredit aufzunehmen. „Das ist aber kein Geschenk“, macht er deutlich, dass die Raten erst erarbeitet werden müssen.

Noch während des ersten Lockdowns war die Familie optimistisch. Sie hat Geld in die Hand genommen, um die Gasträume zu renovieren. Auch der Sommer sei soweit gut verlaufen, aber: „Großen Gewinn haben wir nicht gemacht, er hat nur ein bisschen geholfen“, erzählt Talaba. Mit einem Abholservice an Wochenenden und dem Verkauf von Gutscheinen, die täglich geordert werden können, hält sich die Familie zurzeit mehr schlecht als recht über Wasser. Der Gastronom blickt in eine ungewisse Zukunft, denn er geht davon aus, dass das Ende des Lockdowns noch nicht in Sicht ist. „Ich weiß nicht, wie das weitergehen soll.“

x