Kreis Kaiserslautern Für jeden das richtige Huhn
Hühner im extravaganten Federkleid, langbeiniges Geflügel, das finster und kampflustig aus dem Käfig gackert, dazwischen Bilderbuchhähne und gemütliche Hennen – die Schau des Ramsteiner Rassegeflügelzuchtvereins bot Einblicke in eine enorme Rassenvielfalt.
Im Untergeschoss der Reichswaldsporthalle sitzen 75 durchgestylte Hühner, athletische Hähne und rote Wiener Tümmlertauben. Ein bisschen fressen, ein wenig gackern oder mal den Kamm stellen – ruhig geht es zu. „Die Tiere sind meist von diesem Jahr. Sie kommen zur Schau, wenn sie maximal entwickelt sind und gerade anfangen zu legen“, ist von Dieter Fauß, dem Vorsitzenden im Rassegeflügelzuchtverein Ramstein, zu erfahren. Der Mann ist durch und durch mit der Geflügelzucht infiziert. „Das ist spannend und jedes Jahr aufs Neue anders“, erzählt er begeistert von seinen „gemütlichen Dresdnern“, die er im Farbschlag Braun züchtet. Daheim laufen diese Hühner, wie alle ausgestellten Tiere übrigens auch, im Auslauf herum. „Geflügel, das auf Schauen geht, das muss trainieren“, sagt er. Da wird also daheim schon der Käfig von innen betrachtet und auch das Ausharren dort geübt. „Das ist wie bei den Sportlern. Ohne Training, gehen die ja auch nicht in den Wettkampf“, zieht Fauß einen Vergleich. Seine 14-jährige Tochter Helen hat er ebenfalls mit dem „Hühnervirus“ infiziert. Putzige, extravagante Zwerg-Holländer Weißhauben in Schwarz hat sie zur Ausstellung mitgebracht. Dort, wo das gewöhnliche Huhn einen Kamm hat, tragen ihre Hühner weiße Puschel. Absolut elegant. „Die sind zahm wie Katzen“, beschreibt sie Dieter Fauß. Die goldfarbenen Zwerg-Italiener von Hans Layes sehen eher nach dem typischen Bilderbuch-Huhn aus. Nur ein bisschen kleiner sind sie vielleicht. Schon sein Vater hat „Italiener“ gezüchtet. Das erste Layes-Huhn kam 1929 auf eine Ausstellung. Hans Layes muss lachen, wenn er davon berichtet. Wenn er erzählt, wie schwer es heute den jungen Leuten gemacht wird, daheim ein paar Hühner zu halten und zu züchten, dann lacht er nicht mehr. „Da darf kein Hahn mehr krähen, weil sich der Nachbar gestört fühlt“, kann er so manche Dinge nicht verstehen. Auch die jährlichen Auswüchse und Vorschriften im Zusammenhang mit dem Vogelzug und der Vogelgrippegefahr treibe die Mitglieder aus den Vereinen und halte so manchen Jugendlichen fern, meint er. Die Aussteller, die am Wochenende ihre besten Zuchttiere von Richter Ludwig Röhrig aus Ottersheim bei Landau bewerten lassen, lassen sich die Freude am Geflügel nicht vermiesen und zeigen, welche Bandbreite existiert. „Es gibt für jeden das richtige Geflügel“, verweist Fauß auf Hühner mit Kopf- und Fußschmuck, auf solche mit aufrichtiger Kampfeslust und auf jene, die sich gerne streicheln lassen. Außerdem gibt’s Hingucker in Schwarz-Weiß, so wie die prächtigen Lakenfelder Landhühner. Eier legen sie natürlich alle, und bei so einem Ei weiß der Hühnerhalter ganz genau, was drin ist. „Die Eier der Zwergrassen sind zwar kleiner als die der anderen, der Dotter ist aber annähernd genauso groß“, berichtet Layes davon, dass die Zwergrassen Eier mit weniger Eiweißanteil legen. Vorzügliche Hühner sitzen sicher einige in den Ausstellungskäfigen, als solche bewertet werden sie aber nicht. Der Grund dafür: Es wertet nur ein Richter, und einer alleine darf höchstens ein „Hervorragend“ vergeben. Eine „vorzügliche“ Bewertung gibt es nur, wenn ein zweiter Richter ebenfalls dieser Meinung ist und gegenzeichnet. So gackern die Besten der Besten erst einmal nur als „hervorragendes“ Federvieh und werden sich das eine oder andere „Vorzüglich“ wohl auf der Kreisgeflügelschau, die am 30. und 31. Oktober auf der Gartenschau in Kaiserslautern stattfindet, abholen.