VG Enkenbach-Alsenborn / Otterberg
Förster Thomas Breier geht in den Ruhestand
Wer bislang im Staatswald östlich von Otterberg, westlich von Fischbach und Hochspeyer sowie in den Gemeindewäldern Mehlingen und Sembach oder auch dem ZAK-Wald unterwegs war, der befand sich im rund 1900 Hektar großen Revier Waldgemark von Förster Thomas Breier. „Ich war über 30 Jahre Revierleiter auch in Revierteilen, in denen ich vor 40 Jahren die Ausbildung begann“, blickt er mit Freude zurück. Klar, nicht alles war in all den Jahrzehnten gut, und Fehler habe er auch gemacht, gesteht er sich selbst ein. „Aber ich habe immer versucht, aus den Fehlern zu lernen!“
Mit rund 700 Hektar war sein erstes Revier im Vergleich zum heutigen Zuschnitt klein. Nicht das Einzige, was sich in den vier Jahrzehnten seines Försterdaseins verändert hat. „Bis 2006 waren wir Förster Generalisten“, erzählt er davon, dass bis zur großen Reform alles in der Hand des Revierförsters zusammenlief. Der Förster brachte die Forstwirte in den Beständen an die Arbeit, kümmerte sich um die Öffentlichkeitsarbeit, stand den Kindergärten und Schulen zur Verfügung und wusste genau, welche Firma gut genug war, um seine Revierbestände zu befahren. „In mächtigen Buchenbeständen muss der Maschinenführer wissen, was er tut, da ist Sachverstand gefordert“, gibt Breier ein Beispiel und hadert mit den heute geforderten großen Ausschreibungen und dem Zwang, „den billigsten Anbieter auf den Wald loszulassen“.
„Die Natur braucht den Generalisten“
Ohnehin findet er, dass die Natur den Förster als Generalisten verlange. Die Natur lasse sich nicht in festgezurrte Vorgaben einpassen, so wie es heute vom Landes-Bürotisch abseits des Waldes ausgearbeitet und eingefordert werde. „So geht Natur nicht!“, betont Breier und ist überzeugt: Rahmenwerte, in denen sich die Förster bewegen können, seien einfach besser für die Zukunft des Waldes.
In seinen Augen war der Waldbau immer Schwerpunkt seines Schaffens, nicht das Holzmachen. „Holz fällt beim Waldbau an, das gilt es zu vermarkten“, rückt er gerade, was viele Menschen so ganz anders sehen und den Förstern auch immer wieder vorwerfen. Schon im Studium in Rottenburg durfte Breier den dortigen, damals recht fortschrittlichen Gedanken rund um einen vielseitigen Wald kennenlernen. „Wir sahen und hörten schon früh von Mischbeständen ohne Kahlschläge, von Naturverjüngung und einer erhöhten Baumartverteilung“, lässt Breier im Gespräch Leidenschaft für eindrucksvolle Waldbilder erkennen. Es sei genau diese Kunst, „die Ansprüche des Waldes zu erkennen und im Wald die Entscheidung zu treffen, die den Beruf des Försters auszeichnet“. Dazu gehört für Breier, auch mal einen „wilden Gesellen“, der urig am Wegesrand wächst, einfach stehen zu lassen.
Jeder einzelne Baum ist ihm wichtig
„Jeder Baum ist ihm wichtig. Sein Revier ist durch sein besonderes Engagement geprägt: vielseitig, mehrschichtig und hoffentlich den neuesten Herausforderungen des Klimawandels gewappnet“: So sieht Breiers Chef, Markus Gatti, Leiter des Forstamts Otterberg, in der Waldgemark genau das umgesetzt, wofür der Förster brennt.
Ein Teilstück seines Reviers hebt Breier im RHEINPFALZ-Gespräch besonders heraus: ein Traubeneichenbestand bei Hochspeyer. „Wunderschöne Eichen“, schwärmt er geradezu von den noch immer jungen Bäumen, die von seinem Vorgänger Anton Müller auf Eichennachzuchtflächen gesät wurden. „Ich habe diese herrlichen Eichen nur geerbt“, hofft Breier, dass er sie gut weiter auf den Weg eines langen Eichenlebens bringen konnte. Überhaupt sei er nur Gast im Wald gewesen und könne nur hoffen, dass die Nachfahren nicht einmal dort stehen und fragen: „Was haben die denn damals da gemacht?“
Der Ruhestand wird vermutlich nicht wirklich ruhig für Thomas Breier: „Auf Druck und Wunsch meiner Frau sollte daheim mal aufgeräumt werden“, spricht er lachend einen wartenden häuslichen Renovierungsstau an. Und dann ist da ja noch der Kletterer in ihm. Breier ist ehrenamtlicher Ausbildungsreferent beim Deutschen Alpenverein. In dieser Funktion hat er auch zahlreiche seiner Forstkollegen kletterfit gemacht, und er will das Kletterseil noch lange nicht aus der Hand legen.