Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Extra-Kontrolle wegen Elterntaxis

Ein typisches Bild in der Schernauer Straße vor Unterrichtsbeginn: Elterntaxis sorgen für Stau.
Ein typisches Bild in der Schernauer Straße vor Unterrichtsbeginn: Elterntaxis sorgen für Stau.

Sogenannte Elterntaxis bereiten schon lange Probleme vor Schulen. So auch in Ramstein-Miesenbach nahe der Realschule plus und des Reichswald-Gymnasiums. RHEINPFALZ-Mitarbeiter Mathias Gillen hat zusammen mit Kräften der Ordnungsbehörde Ramstein das morgendliche Chaos beobachtet.

7 Uhr: leichter Nieselregen, morgendliches Halbdunkel – auf der nassen Schernauer Straße spiegeln sich die Lichter der Fahrzeuge. Für Autos wie für Fußgänger ist Vorsicht geboten. Noch herrscht wenig Verkehr vor der Realschule plus, dem Reichswald Gymnasium und dem Busbahnhof. Marcel Lamparth, Sachgebietsleiter Überwachung fließender und ruhender Verkehr bei der Ordnungsbehörde Ramstein, bereitet sich zusammen mit seinen Mitarbeitern Udo Lifka und Bernd Brauer auf den morgendlichen „Run“ der „Elterntaxis“ vor. 1300 Schüler werden in den nächsten 45 Minuten ihre Klassenräume aufsuchen. Um den Überblick zu wahren, übernimmt Lifka die Kontrolle am Busbahnhof, Brauer wird die Straße „Zum Kirchbühl“ am Gymnasium und Lamparth den Schwerpunkt Schernauer Straße übernehmen.

Halteverbot wird missachtet

7.20 Uhr: Zwischen den ankommenden Bussen sind bereits viele Schüler unterwegs. Ungeachtet des Durchfahrverbotes für Pkw fährt ein BMW schnell in den Busbereich und lässt dort Kinder aussteigen. Ein Foto vom Kennzeichen und eine Beschreibung des Fahrzeugs bieten die einzige Möglichkeit, hier aktiv zu werden. In der Schernauer Straße – rechts und links gilt absolutes Halteverbot – herrscht durch haltende Autos, die Schüler selbst auf der roten Überquerungshilfe aussteigen lassen, ein Verkehrsstau. Das ganze verdichtet sich durch ankommende Busse an der Kreuzung zur Umgehungsstraße – das Chaos ist perfekt.

Lamparth hat inzwischen mehrere Kennzeichen notiert. „Eine Ansprache ist in diesem Gewühl nicht mehr möglich. Und so bleibt mir nur, die betroffenen Halter zur Ahndung ihrer Verstöße anzuschreiben. Nur 200 Meter weiter in der Straße zum Azur-Bad wurde eigens eine Hol- und Bringzone eingerichtet, die aber fast nicht genutzt wird. Es wäre ja zu beschwerlich, den Kindern einen solchen Weg zuzumuten“, sagt der Leiter mit fragendem Blick und ergänzt: „Selbstverständlich ist es uns lieber, die Leute über ihren Verstoß anzusprechen und auf Möglichkeiten wie die Hol- und Bringzone hinzuweisen. In dem morgendlichen Chaos ist es jedoch selten möglich. Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden 1800 Flyer verteilt mit Hinweis auf unser Angebot und einen sicheren Schulweg.“

In der Hol- und Bringzone halten wenig Fahrzeuge. Gelbe Füße auf dem Gehweg aufgedruckt zeigen den sicheren Weg zur Schule. Julia Roth aus Ramstein nutzt grundsätzlich dieses Angebot der Stadt. Jeden Morgen bringt sie ihre Tochter Leonie (11) mit ihrer Freundin zur Schule. „Ich bin froh, dass es diese Möglichkeit gibt. Hier finde ich immer sofort eine Parkmöglichkeit und kann ohne Hektik und Verkehrsstress die Kinder hier absetzen. Leider wird das Angebot nur wenig genutzt“, so die Mutter. Lamparth bedankt sich bei der Ramsteinerin für ihr vorbildliches Verhalten.

Auf Vernunft hoffen

7.50 Uhr: schlagartig lässt der Verkehr nach. Brauer, der am Gymnasium am Kirchbühl den Verkehr überprüfte, konnte keinen Verstoß verzeichnen. „In Zeiten des Handys werden Kontrollen sehr schnell übermittelt und plötzlich halten sich alle an die Regeln“, sagt er lachend. Für seinen Kollegen Lifka gab es mehr zu tun. Drei Verkehrsteilnehmer befuhren unberechtigt den Busbahnhof. „Bei einem hatte ich die Möglichkeit für ein aufklärendes Gespräch, was manchmal mehr bringt als ein Knöllchen“, so Lifka. Für Sachgebietsleiter Lamparth war es ein ganz gewöhnlicher Morgen in der Schernauer Straße. „Unsere Anwesenheit wird natürlich sehr schnell publik und das morgendliche Chaos mildert sich etwas ab. Eigentlich können wir nur auf die Einsicht und die Vernunft der Eltern hoffen, unser Hol- und Bringangebot zu nutzen und damit nicht nur ihren Kindern, sondern auch sich selbst Ärger und Stress zu ersparen“, meint er.

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