Eulenbis / STEINBACH
Eulenbis: Fördergemeinschaft bringt ersten Birnenschaumwein auf den Markt
Noch sind sie überall anzutreffen, wenn auch meistens nur vereinzelt. Die Rede ist von großen Birnbäumen, die in den Dörfern, in Gärten, aber auch auf dem Acker wachsen. Prächtige Hochstämme mit ausladenden Kronen, die auf und unter sich eine Tierwelt versammeln, die ihresgleichen sucht. Tafelbirnen hängen keine an den Prachtbäumen. Viele der inzwischen alt gewordenen Birnbäume werden aber längst nicht mehr genutzt und auch nicht mehr gepflegt.
„Für diese landschaftsbestimmenden Solitärbäume, die ökologisch wertvoll sind und zudem schön aussehen, für die müssen wir etwas tun“, meint Andreas Dein von der Fördergemeinschaft Streuobst Pfalz (FÖG), im Hinblick auf die Anfänge des Projektes „Prickelbeer“. Rund um Eulenbis stehen viele der alten Birnbäume, genau wie in Steinbach am Glan im Kreis Kusel. Wäre doch schade, wenn das alte Kulturgut nach und nach verschwinden würde – darin waren sich die FÖG und ihre Mitglieder, die aus den Landkreisen Kaiserslautern, Kirchheimbolanden, Kusel, Pirmasens und Zweibrücken kommen, einig. Was also tun? Diese zumeist zu den Mostbirnen zählenden Sorten sind keine Wildbirnen, aber auch keine echten Edel-Speisebirnen, eher etwas dazwischen. Sie sind recht robust und wenig krankheitsanfällig, und sie weisen durch ihren hohen Gerbanteil im Fruchtfleisch eine gewisse Herbheit im Geschmack auf. Die Birnen der alten Bäume sind somit nicht wirklich eine kulinarische Offenbarung beim direkten Verzehr. Zum Vermosten eignen sie sich dagegen hervorragend, daher auch der Name. „Birnenwein war der Alkohol der armen Leute“, blickt Harald Leixner, der FÖG-Vorsitzende, in die Vergangenheit zurück.
In Frankreich wird, genau wie in Baden-Württemberg, aus den Früchten der alten Birnbäume längst nicht nur Birnenwein, sondern Birnenschaumwein hergestellt. Solch ein Premiumprodukt passe doch auch zur Pfalz: Harald Leixner und Andreas Dein sind sich ganz sicher. „Bei uns stehen die Birnbäume doch genau deshalb, weil hier früher ein gutes Birnenklima war“, ist für Leixner die Birne zurecht eine Pfälzerin.
Von der Idee, den großen, in der Regel alten Birnenbäumen auch in der Pfalz eine „prickelnde“ neue Zukunft zukommen zu lassen, bis zur Umsetzung ging Zeit ins Land, und so manche Birne fiel ungenutzt zu Boden. Zwar wurden mittlerweile einige junge Birnbäume schon nachgepflanzt, auch wurden etwa in Rüssingen ein alter Mostbirnenbaum in das Projekt „Junge Riesen“ mit aufgenommen und Nachkommen gezogen, aber so richtig im Bewusstsein sind die Solitärbäume noch nicht. Auch alte Bäume brauchen ab und an ein wenig Unterstützung, Pflege eben, vor allem aber sollten ihre Besitzer sie stehen lassen und gut behandeln.
Und genau hier will die FÖG nun ansetzen. 2018 wurden die ersten Birnen gesammelt, gekeltert und vergoren. Dann ging es an die zweite Gärung. Das „echte“ Prickeln sollte es sein und kein Fruchtsecco, bei dem der Wein mit Kohlensäure versetzt wird. Wenn die FÖG schon ein „identitätsstiftendes“ Produkt entwickelt, dann mit allem Drum und Dran, also ging es in die zweite Gärung zur Versektung. Sekt darf das Getränk allerdings nicht heißen, der Name ist allein der Traube vorbehalten. Der FÖG-Vorstand gab sein Bestes und tüftelte am Geschmack des entstehenden Birnenschaumweins. Ein frisch-freches Flaschenetikett wurde entwickelt und das Kind bekam den Namen „Prickelbeer“.
Mit den ersten 1100 fertig abgefüllten Flaschen des Pfälzer Birnenschaumweins ist der Feldversuch als Auftakt zum Projekt soweit beendet. Der „Prickelbeer“ wartet nur noch darauf, der Öffentlichkeit vorgestellt zu werden. Am Samstag, 17 Uhr, tut das die FÖG im Naturfreundehaus in Steinbach am Glan und lädt alle Interessierten dazu ein.