Ramstein-Miesenbach
Erstes Mittelalter-Spektakulum kommt gut an
In mittelalterlichen Städten bildete der Marktplatz den Mittelpunkt der Ansiedlung. Hier lag auch das Rathaus. Am Markttag kamen nicht nur die Bewohner aus der eigenen Stadt, sondern auch Bauern, Handwerker, Händler und Käufer von nah und fern. Um diese Epoche für ein paar Tage wieder aufleben zu lassen und vielen Besuchern Freude zu bereiten, hatte die Stadt Ramstein-Miesenbach mit Unterstützung von Billis Drachenliköre von Freitagabend bis Sonntag in die Innenstadt zum Mittelalter-Spektakulum eingeladen.
Messer und Fackeln
„Wollt ihr mehr?“, rief Gaukler Timolino in die Runde. „Ja!“, schallte es zurück. „Wollt ihr etwas Gefährliches sehen?“ Aus dem Jonglieren mit sechs Bällen und einer Kugel wurde schnell ein Jonglieren mit Messern und brennenden Fackeln. Dichtgedrängt und bestens gelaunt standen die zahlreichen Zuschauer am Samstagnachmittag auf dem Prometheusplatz in der Ramsteiner Innenstadt. Es war den Besuchern deutlich anzumerken, dass sie großen Spaß hatten. „Das eine ist ein Burgfräulein“, erklärte eine Mutter ihrer kleinen Tochter und deutete auf zwei große Figuren aus Strohballen. Ein Ritter mit Holzschwert und seine Gefährtin wiesen den Gästen den Weg hinein ins mittelalterliche Geschehen mit rund 40 Ausstellern.
Bei Holzschwertern blieb es bei Frank Huck, alias d’Messerjocke, aus Germersheim nicht. „Erst fragen, dann grapschen“, stand auf den Hinweisschildern an seinem Verkaufsstand für Messer aller Art. Manch einer greife zu unbedarft zu, wenn er sich aus Neugierde den kleinen und größeren Schätzen mit den scharfen Klingen und den Griffen aus Holz oder Horn nähere, erzählte Huck. „Ich liebe Messer!“, bekannte er, der Messerschmied zu seinem Beruf gemacht hat.
Zahme Falken
Im Gegensatz zu den scharfen Klingen waren Franzl und Daisy zum Anfassen da. Die kleinen Buntfalken aus der Falknerei von Daniel und Elisabeth Jex aus Bruchsal setzten sich ohne zu zögern auf die Arme von Gudrun und Alois Lenhart aus dem Ortsteil Miesenbach. „Wir lieben Vögel“, meinte das Paar fasziniert. „Seit über 20 Jahren betreiben wir eine Falknerei“, erklärte Elisabeth Jex. Als Bildungsauftrag zu Greifvögeln sehen sie ihr Herumreisen – vornehmlich auf Mittelaltermärkten. Gerne standen sie Interessierten Rede und Antwort zu den Besonderheiten dieser Tiere.
Derweil füllten die fünf Musiker von Stellarys aus Waldfischbach-Burgalben die Luft mit hämmernden Drums, fetzigem Gesang und zarten bis harten Dudelsackmelodien. Im Wechsel mit der Mittelalterband Unvermeydbar aus der Nähe von Kassel bekamen die Besucher mächtig Klang auf die Ohren. Viele Familien mit Kindern und zahlreiche amerikanische Besucher flanierten am Samstag bei schönem Frühlingswetter zwischen Prometheus- und Marktplatz auf und ab.
Mit Drachenlikören dabei
Wer es horrormäßig mag, der war bei den Orks aus Sembach an der richtigen Adresse. Matthias und Juana Eisemanns Hobby ist Live Action Role Playing (LARP) – dabei spielen sie Fantasy-Figuren. Behängt mit Brustschildern aus Leder oder Eisen, Ketten, Gesichtsmasken, menschlichen und tierischen Totenschädeln und Körperteilen sorgten sie mit ihrer sechsköpfigen Truppe für den Gruselfaktor. Wer hingegen etwas zum Einkuscheln suchte, konnte bei der Fellerey Ulrike Groschwitz aus Biebesheim am Rhein fündig werden. Felle von Kojoten, Füchsen, Schafen, Nutrias, Ziegen, Kaninchen und mehr waren an ihrem Stand zu bewundern. Aus einem solchen Sortiment sah man viele Besucher mit Überwürfen vorbeispazieren.
Natürlich waren auch Billi Braun und seine Frau Petra aus Ramstein-Miesenbach mit ihren Drachenlikören zur Stelle. Das Ehepaar ist in der Mittelalterszene daheim. Von ihm war die Initiative ausgegangen, ein solches Spektakulum in Ramstein-Miesenbach zu veranstalten. Lisa-Marie Braun, Merli Ring und Denis Zellser gingen derweil mit einer Spendendose sammeln. „Wir verlangen keinen Eintritt. Wenn die Unkosten der Stadt gedeckt sind, geht der Überschuss als Spende an das hiesige Mehrgenerationenhaus“, erklärte Petra Braun. Billi Braun kann sich zukünftig eine solche Veranstaltung alle zwei Jahre – in Verbindung mit einem verkaufsoffenen Sonntag – vorstellen.
Auf „Huld, Huld, Huld“ folgt „Jubel, Jubel, Jubel“
„Dafür, dass der Mittelaltermarkt hier zum ersten Mal stattfindet, ist er super organisiert“, lobten die Musiker Johannes und Benedikt Lambert sowie Timea Kovacs von Unvermeydbar das quirlige Geschehen. Unvermeydbar hatte bereits am Freitagabend bei der Eröffnung des Spektakulums aufgespielt. Joachim Felka von der Eventplanung Felka und Burgel Stein, Vorsitzende des Ramstein-Miesenbacher Werberings, blickten schmunzelnd auf Freitagabend zurück. Als König zu Rabenstein eröffnete Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) mit „Huld, Huld, Huld“-Rufen die Veranstaltung während das Volk „Jubel, Jubel, Jubel“ zurückrief. „So wird nun wohl zukünftig jede Stadtratssitzung beginnen“, flachste Ratsmitglied Joachim Felka.