Steinbach am Glan
Erster Birnenschaumwein-Jahrgang der Westpfalz schmeckt
Da stehen sie also, die ersten Sektflaschen mit dem birnigen Inhalt und diesem auffallend anziehenden Etikett, das eine stilisierte Birne zeigt, die gerade ihren köstlichen Saft hergibt. So sieht es nicht jeder, aber allen gefällt es ausgesprochen gut. Viel wichtiger noch: Die zahlreichen Gäste waren sich bei der Vorstellung samt Verkostung absolut einig, dass der „Prickelbeer“ hervorragend schmeckt. Selbst wer den Geschmack nicht mit Worten kommentierte, konnte seinen zufriedenen Gesichtsausdruck ob des Genusses nicht verbergen, und das sagte mehr als Worte.
Insgesamt 1000 Flaschen wurden abgefüllt
Der Weg bis zu diesem frischen Prickeln auf der Zunge, bis zu dem in insgesamt 1000 Flaschen abgefüllten Birnenschaumwein, war nicht leicht, aber wichtig. Das sagt zumindest die Fördergemeinschaft Streuobst Pfalz (FÖG). Nicht weniger als der Erhalt der Charakterbäume der Westpfalz, der Erhalt dieser großen alten Birnenbäume, die noch überall in der Westpfalz zu finden sind, steckt quasi im ersten Jahrgang „Prickelbeer“, der selbstverständlich weitere Jahrgänge nach sich ziehen soll. Jahrgang zwei wird es allerdings erst im Jahr 2022 geben und auch nur dann, wenn die Natur in diesem Jahr die Birnen an den Bäumen reifen lässt. 2019 fiel die Ernte witterungsbedingt nämlich aus, heißt, 2021 gibt es keinen neuen Birnenschaumwein.
Der Verkaufserlös soll helfen, alte Birnbäume zu erhalten
Die FÖG hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um diesen mächtigen – oft solitären Birnbäumen – eine Chance zum Überleben oder sogar auf Neupflanzungen zu geben. Es wurde lange diskutiert, wie die Früchte einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden könnten. „Gut 1000 dieser Charakterbäume sind in der Westpfalz kartiert, wir gehen allerdings davon aus, dass hier mindestens 1500 stehen“, sprach Harald Leixner, FÖG-Vorsitzender, die Anzahl der Bäume an, um die es in erster Linie geht. Es sind aber wohl ein paar Bäume zuviel, um all die Birnen in Form von Marmelade oder Schnaps unter die Menschen zu bringen. Diese Nutzungsart schied für die FÖG somit aus.
Birnenschaumwein soll Verkaufserfolg werden
„Wir waren auf der Suche nach einem Produkt, das in die Zeit passt“, formulierte Leixner, warum am Ende der Birnenschaumwein das Rennen machte. Mit der Birnenernte 2018 nahm das Vorhaben Birnenschaumwein dann Fahrt auf. Nach der zweiten Gärung waren die Gaumen des Vorstands gefordert und die Kreativität natürlich auch. Das Tröpfchen musste schließlich einen Namen erhalten. Name und Etikett erdachte und entwarf Vorstandsmitglied Susanne Ecker aus Fischbach bei Hochspeyer.
„Der Prickelbeer ist unser zweites Kind. Nachdem der Appel-Trittch mit inzwischen 22 Jahren nun so richtig erwachsen ist, soll mit dem Birnenschaumwein unser zweiter Zögling das Laufen lernen“, sprach Leixner nicht ohne Stolz die FÖG-Erfolgsgeschichte des Apfelsaftes aus ungespritztem Pfälzer Streuobst an, der seit Jahren als Appel-Trittch auf dem Markt gut nachgefragt werde.
Bei der Vorstellung des „Prickelbeer“ im Naturfreundehaus in Steinbach am Glan (Kreis Kusel) ließ das birnig-perlende Getränk aus den Sektflaschen keinerlei Zweifel daran: Ein Ladenhüter wird das nicht. „Schmeckt individuell, prickelt angenehm, die Birne lässt sich rausschmecken, richtig lecker“, beschrieb Ralf Leßmeister, Landrat des Kreises Kaiserslautern, das, was da gerade durch seine Kehle lief. Sein Kuseler Landratskollege Otto Rubly sprach von einem „runden prickelnden Erlebnis“ und davon, dass das Aroma der Birne komme, sobald das Getränk ein wenig wärmer werde.