Kottweiler-Schwanden / Rehweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Erinnerungen an die Hosenfirma Westrich

Freut sich auf das Treffen mit den anderen ehemaligen Hosennäherinnen: Emmi Löhr war Ende der 1950er Jahre Bandleiterin bei der
Freut sich auf das Treffen mit den anderen ehemaligen Hosennäherinnen: Emmi Löhr war Ende der 1950er Jahre Bandleiterin bei der Firma Westrich in Ramstein.

Die Hosenfirma Westrich, die einst in Ramstein-Miesenbach ihren Hauptsitz hatte, gibt es schon seit über 30 Jahren nicht mehr. Aber einige der Näherinnen, die dort in der Hochzeit des Unternehmens in den 1960er Jahren beschäftigt waren, leben noch und erinnern sich und andere gerne an die Zeit – so wie Emmi Löhr aus Kottweiler-Schwanden.

Über 400 Angestellte hatte die Firma Westrich in Ramstein-Miesenbach in ihrer Blütezeit, kurz nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Eine davon war Emmi Löhr, die damals noch Emmi Scherne hieß. Hauptsächlich Hosen liefen bis Ende der 1980er Jahre in der 1922 von Franz Westrich gegründeten Fabrik von den Bändern. Für eine dieser Produktionsstraßen war Löhr ab 1958 verantwortlich. Arbeitskleidung für Bauern und Feuerwehrleute sei unter anderem an ihrem Band, dem mit der Nummer 5, hergestellt worden, erinnert sich die heute 85-Jährige. Außerdem sei ihres das „Abfallband“ gewesen: „Da haben sie mir morgens immer die Mädchen weggeholt, damit die anderen Bänder voll besetzt waren.“ Als Bandleiterin habe sie dann immer schauen müssen, wie sie zurechtkomme. Eine Herausforderung, die sie offenbar gut gemeistert hat, denn 1959 wurde sie in die neu eröffnete Filiale in Thallichtenberg versetzt und erhielt dort eine leitende Funktion.

Nur Frauen an den Bändern

Dabei war Damenschneiderin nicht ihr Traumberuf. Handarbeiten hätten ihr zwar gelegen, aber eigentlich wäre die junge Emmi Czerny gerne noch länger in die Schule gegangen. Als das nicht möglich war, habe sie Friseurin werden wollen. Dann aber machte die gebürtige Kottweiler-Schwandenerin doch eine vierjährige Hauswirtschafts- und Schneiderausbildung in Landstuhl. „Ich möchte diese Zeit nicht missen“, in der sie im Kinderheim Sankt Nikolaus wohnte und die neu eröffnete Berufsschule besuchte, sagt sie rückblickend. In Kaiserslautern fand sie danach Arbeit, ehe sie von der Firma Westrich abgeworben wurde.

Es war ein Schritt, den sie ebenfalls nicht bereut hat. Für die Frauen, die aus der ganzen Umgebung und viele aus dem Kreis Kusel kamen, sei es gut gewesen, dass es in Ramstein eine solche Firma gegeben habe. Denn die Arbeitenden an den Bändern seien allesamt weiblich gewesen. „Die Frauen konnten so ein bisschen Geld verdienen“, sagt Löhr. Die Chefetage hingegen sei fest in Männerhand gewesen – daran habe sich bis heute übrigens noch zu wenig geändert, findet sie. Allerdings sagt sie von Hans Kühn, dem Ehemann der Firmenerbin Maria Westrich, dass er ein sehr netter Mann gewesen sei.

Nicht schlecht verdient

Und verdient habe sie ebenfalls nicht schlecht, auch wenn sie die genaue Höhe des Lohns nicht mehr benennen kann. Zu einem Grundgehalt sei jedenfalls noch Akkordlohn hinzugekommen. „Das Band war ein Taktband“, berichtet die 85-Jährige. Alle eineinhalb Minuten lief es weiter. In dieser Zeit musste jede der Frauen, die daran saß, ihren Teil der Arbeit erledigt haben, zum Beispiel eine Tasche einnähen. „Jede hat etwas anderes gemacht, am Ende ist eine fertige Hose herausgekommen“, erläutert Löhr das Prinzip. Habe es irgendwo Probleme gegeben, habe etwa eine Nähmaschine geklemmt, sei sie als Bandleiterin gefragt gewesen. „Ich habe dann geholfen oder bin auch mal für eine Frau eingesprungen.“

1961 war damit für Löhr allerdings Schluss, denn nach ihrer Heirat zog sie mit ihrem Mann für ein paar Jahre ins Rheinland. Allerdings habe sie in Oberhausen die Luft der Hochöfen so schlecht vertragen, dass die Familie wieder in die Pfalz und in Löhrs Geburtsort zurückging. Dort kümmerte sie sich zunächst um ihre vier Töchter und den Haushalt, ehe sie 1972 noch einmal für fünf Jahre zur Firma Westrich zurückkehrte. „Ich habe Musterhosen genäht, die die Firma mit auf Messen genommen hat.“ Später habe sie dann noch einmal die Schulbank gedrückt und sich zur Hauswirtschaftsmeisterin weiterbilden lassen und anschließend beim Landfrauenverband Kurse gehalten.

Dem Nähen treu geblieben

Dem Nähen aber ist sie privat stets treu geblieben – unter anderem in der 1998 von ihr mitgegründeten Patchworkgruppe der katholischen Frauengemeinschaft – auch wenn die Nähmaschine heute weggepackt in einem Zimmer ihres Elternhauses steht. Und auch an die schöne Zeit bei der Firma Westrich erinnert sie sich immer wieder gerne. Daher freut sie sich auf den Austausch mit anderen Ehemaligen, der Anfang April wieder stattfinden soll (siehe Terminhinweis). 2016 hatte Edith Becker das erste dieser Treffen organisiert, seitdem haben sich die früheren Hosennäherinnen – außer während der Pandemiezeit – regelmäßig zusammengefunden. Zwölf bis 15 Frauen nutzten nach wie vor die Möglichkeit, sich an die alten Zeiten zu erinnern. „Wir hoffen, dass auch diesmal wieder viele Lust und Zeit haben, zu kommen“, sagt Emmi Löhr. Sie wird jedenfalls dabei sein.

Termin

Die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der früheren Firma Westrich in Ramstein treffen sich wieder einmal im „Scheunenkaffee“ in Rehweiler am Dienstag, 4. April, um 14.30 Uhr. Ein Tisch im „Café Zur Scheune“, Hauptstraße 3, ist für die Gruppe reserviert. Die Teilnehmer werden dennoch gebeten, sich im Café direkt anzumelden, Telefon 06383-925700, damit die genaue Personenzahl ermittelt werden kann. Rückfragen beantworten Emmi Löhr in Kottweiler-Schwanden, Telefon 06371 51850, und Helga Fischer in Wahnwegen, Telefon 06384 1501.

Wiedersehen nach über 50 Jahren: 2016 trafen sich die ehemaligen Westrich-Mitarbeiterinnen erstmals in Rehweiler wieder.
Wiedersehen nach über 50 Jahren: 2016 trafen sich die ehemaligen Westrich-Mitarbeiterinnen erstmals in Rehweiler wieder.
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