Hochspeyer RHEINPFALZ Plus Artikel Endlich freie Fahrt: Wie die Bürger den Ausbau der Ortsdurchfahrt erlebt haben

Hoher Besuch bei der Verkehrsfreigabe: Auch Staatsministerin Daniela Schmitt (Bildmitte) kam aus Mainz für diesen symbolischen A
Hoher Besuch bei der Verkehrsfreigabe: Auch Staatsministerin Daniela Schmitt (Bildmitte) kam aus Mainz für diesen symbolischen Akt.

Die knapp dreijährige Bauzeit hat die Nerven der Hochspeyerer stark strapaziert. Die Freigabe der Ortsdurchfahrt wurde am Samstagnachmittag daher gebührend gefeiert.

Den Kleinsten wird die Ehre zuteil, mit ihren Bobbycars den neuen Kreisverkehrsplatz als Erste zu befahren. Ungeachtet der Richtung geben die Kinder „Vollgas“ und drehen Runde für Runde. Zuvor hat hoher Besuch den Kreisel offiziell freigegeben: Staatssekretär Christian Hirte, Staatsministerin Daniela Schmitt, Landrat Ralf Leßmeister, Bürgermeisterin Silke Brunck, Ortsbürgermeister Michael Haberer sowie vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) der rheinland-pfälzische Geschäftsführer Franz-Josef Theis und der stellvertretende Lauterer Dienststellenleiter Volker Priebe vollziehen den symbolischen Banddurchschnitt nach Abschluss des gemeinschaftlichen Projekts – ein Akt, den viele Bürger verfolgen.

Die Hochspeyerer atmen auf

Dass die Sanierung der Ortsdurchfahrt notwendig war, darüber sind sich zwar alle einig. Dennoch ist am Samstag die Erleichterung über das Ende der Bauphase überall zu vernehmen: „Wenn man schimpft, geht’s auch nicht schneller“, meint Roland Scheen, dessen Familie gleich doppelt betroffen war. Zum einen musste sie, um zur Arbeit zu gelangen, den Umweg über die Umgehung auf der B37 nehmen. Dazu kam, dass die ansonsten ruhige, kleine Straße in der Ortsmitte, in der die Scheens wohnen, als Ersatzstraße für Umleitungen fungierte, was zu mehr Lärm und Verkehr führte. „Das war schon eine Herausforderung“, gesteht Scheen. Den neuen Kreisverkehr hält er für eine gute Lösung: „Ich erhoffe mir davon einen geschmeidigeren Verkehr.“

Vier ältere Männer stehen am Straßenrand beisammen und lassen die fast dreijährige Bauzeit Revue passieren. „Es war Zeit, dass uffgemacht werd’“, sagt einer der Rentner. Da sein Sohn auf der anderen Ortsseite wohne, habe er aufgrund der Sperrung immer „eine halbe Weltreise“ zu ihm machen müssen. Sein Kamerad Heinz Jutzi hingegen freut sich, dass er zukünftig „nicht mehr um 5 Uhr durch Berufsverkehr geweckt“ werde, da seine Straße nun nicht mehr als Ausweichstraße herhalten müsse. Kritisch sieht Jutzi aber den neuen Kreisel, befürchtet er doch, dass dessen Überquerung gerade für Kinder unsicherer sei.

Bis zum nächsten Kreiselbau dauert es noch

Eine Frage beschäftigt die vier Rentner: Man munkele, dass die Zufahrt am Ortsausgang Richtung Fischbach nur einen Tag frei sein werde, um dann direkt wieder wegen des Kreiselbaus gesperrt zu werden. Dieses Gerücht kann LBM-Mann Volker Priebe aus der Welt räumen: „Zwar ist auch dort tatsächlich noch ein Kreisel geplant, aber bis zum Start der Bauarbeiten werden noch rund zwei Jahre ins Land gehen.“

Auch für Gewerbetreibende im betroffenen Bauabschnitt waren die vergangenen drei Jahre kein Zuckerschlecken. Zum Beispiel für Andrea Becker. Sie sah keine andere Möglichkeit als die Flucht aus Hochspeyer, wie sie berichtet. Ihr Blumen- und Dekoatelier „Floristeria Andrea“ befand sich direkt an der Hauptstraße am Kreisel und wäre sowohl für Kunden wie auch für die Anlieferung von Pflanzen nur schwer erreichbar gewesen. „Ich habe sehr um meine Existenz gebangt“, bekennt sie. Nach einem Umzug in eine Gärtnerei im Donnersbergkreis, wo die Geschäfte nicht wie erhofft liefen, ist Becker mittlerweile wieder in Hochspeyer ansässig – „sehr zur Freude meiner Kunden, die mich immer unterstützt haben“, bedankt sie sich. Ihr neuer Verkaufsraum im früheren Postamt sei letztendlich nun sogar der bessere Standort, findet sie.

Fünf Millionen Euro investiert

Von den Schwierigkeiten während der Bauphase berichten Michael Marques Alves und Tobias Oester von den Verbandsgemeindewerken. Trotz guter Abstimmung im Vorfeld und konstruktiver Zusammenarbeit könne es immer zu Verzögerungen kommen. „Je weiter es in den Ortskern ging, desto schwieriger wurde der Untergrund und es kamen Altlasten zutage“, beschreibt Oester. „Wenn man den Bürgern die Gegebenheiten vor Ort erklärt hat, haben sie aber Verständnis gezeigt“, ergänzt Marques Alves.

In den Ansprachen geht es um die Eckdaten der Sanierung: 4,5 Millionen Euro flossen in die Ortsdurchfahrt, die auf einer Länge von 1,1 Kilometern erneuert wurde, berichtet Staatssekretär Christian Hirte. Neben der neuen Fahrbahn wurden Gas- und Wasserleitungen ausgetauscht, ein zusätzliches Teilstück des Radwegs geschaffen sowie der Einmündungsbereich B48/Hauptstraße zu einem modernen Kreisverkehr umgebaut. „Mit dem Ausbau stärken wir die Verkehrssicherheit“, betont Staatsministerin Daniela Schmitt, die die Bedeutung intakter Verkehrsinfrastruktur insbesondere für den ländlichen Raum hervorhebt: „Unser Straßennetz bleibt ein zentraler Standortfaktor. Auch wenn wir den öffentlichen Nahverkehr konsequent weiterentwickeln: Viele sind im ländlichen Raum weiterhin aufs Auto angewiesen. Umso wichtiger ist der gute Zustand von Straßen und Brücken.“

Von den 4,5 Millionen Euro Gesamtkosten trägt der Bund rund zwei Millionen Euro. Und er sponsert am Samstag auch die Bewirtung der Gäste: An Gingers Kuchenstand, beim Getränkeausschank von „Rathaus“-Wirt Theo Papadopoulos und am Pizzastand von „Da Rosario“ sind die Nöte der vergangenen drei Jahre dann relativ schnell vergessen.

Nach dem Bandschnitt durften die kleinen Besucher mit ihren Bobbycars den neuen Kreisel einweihen.
Nach dem Bandschnitt durften die kleinen Besucher mit ihren Bobbycars den neuen Kreisel einweihen.
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