Kreis Kaiserslautern
Empörung und „Abwärtsspirale“: Personalabbau bei Sparkassen-Filialen sorgt für Frust
Bislang war die Sparkasse Kaiserslautern noch an 42 Standorten in Stadt und Landkreis Kaiserslautern mit Personal vertreten und hielt damit nach eigener Aussage das dichteste Filialnetz in ganz Rheinland-Pfalz vor. Das ändert sich nun zum 11. Oktober: Die Sparkasse zieht die Mitarbeiter aus 27 Filialen, viele davon im Landkreis, ab. Künftig sind im Kreis nur noch die Beratungscenter Enkenbach, Landstuhl, Otterberg, Ramstein und Weilerbach sowie die Filialen Bruchmühlbach, Hochspeyer, Otterbach, Queidersbach, Rodenbach und Trippstadt mit Mitarbeitern besetzt. Alle anderen sind in Zukunft Selbstbedienungsfilialen mit Geldautomaten und SB-Geräten.
Weite Wege zur nächsten Sparkasse
Eine der betroffenen Gemeinden ist Niederkirchen, wo in der Geschäftsstelle bislang einmal pro Woche ein Mitarbeiter vor Ort war, wie Ortsbürgermeister Wolfgang Pfleger berichtet. „Dass die Filiale nun geschlossen wird, trifft gerade die älteren Bürger hart, denn sie sind auf kurze Wege und lokale Dienstleistungen angewiesen.“ Zur nächsten Sparkassenfiliale in Otterberg seien es rund zwölf Kilometer. Zwar gebe es seitens der Sparkasse die Möglichkeit, vor Ort Termine für Bankgeschäfte auszumachen. „Aber ob die Senioren das nutzen werden, muss man abwarten.“ Viele alte Menschen lebten alleine, weil die Kinder weggezogen seien. „Für diese Senioren ist es sehr schwer, denn sie fühlen sich mit Problemen wie diesen allein gelassen.“
Pfleger fürchtet eine „Abwärtsspirale“. „Es ist wieder ein Schritt in die falsche Richtung.“ Die Schließung verschärfe die ohnehin schon schwierige Situation der nördlichsten Gemeinde im Landkreis mit ihren 1860 Einwohnern, die in vier Ortsteilen nahe der Kreisgrenze leben: „Jeder Verlust an Infrastruktur erschwert unsere Bemühungen, dem hohen Leerstand in Niederkirchen entgegenzuwirken und die Attraktivität des Ortes zu erhalten“, gibt Pfleger zu bedenken. „Ohne lokale Bankfiliale drohen längere Anfahrtswege, weniger Fußgängerfrequenz und damit ein weiterer Rückgang der Lebensqualität“, so der Ortschef der Alte-Welt-Gemeinde.
Empörung auf der Sickinger Höhe
Auch am anderen Ende des Landkreises ist der Ärger groß: „Ich bin stinksauer“, schimpft Peter Palm, Gemeindeoberhaupt von Martinshöhe. „Die Leichtigkeit, mit der die Sparkasse diesen Service von heute auf morgen einfach einstellt und unsere Senioren im Regen stehen lässt, entsetzt mich.“ Die Sparkassen seien dem Gemeinwohl verpflichtet und hätten den öffentlichen Auftrag, die Versorgung mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen sicherzustellen, aber diesem Auftrag werde nicht mehr nachgekommen. „Ihre Gemeinnützigkeit haben sie früher wie eine Monstranz vor sich hergetragen. Doch inzwischen zählt nur noch die Gewinnmaximierung“, regt sich Palm über eine Entwicklung auf, die er schon länger beobachte und die nun in der Schließung der Geschäftsstellen gipfele, „für die es angeblich keinen Bedarf mehr gibt“.
Der Unmut darüber sei in dem 1372-Seelen-Dorf auf der Sickinger Höhe sehr groß. „Wir hatten am Mittwoch Seniorencafé. Da haben sich viele deswegen bitter bei mir beklagt.“ Der Geldautomat sei zwar weiter zugänglich, nicht jedoch der Kontoauszugsdrucker. Dieser steht im Flur des Rathauses und konnte bisher genutzt werden, wenn die Filiale mittwochmorgens besetzt war oder wenn der Ortsbürgermeister Sprechstunde hatte. „Doch viele haben auch noch Geld am Schalter abgehoben“, weiß Palm, dass dies auch ein wichtiger sozialer Kontakt für die betagten Menschen war. In Martinshöhe lebten viele alleinstehende Senioren, „die mit Automaten und Karten auf Kriegsfuß stehen und Angst vor Cyberkriminalität haben“. Die Kinder dieser Senioren wohnten teilweise weit entfernt. „Um diese Menschen mache ich mir Sorgen.“ Auch das Ersatzangebot der Sparkasse, Überweisungen künftig am Telefon zu tätigen, findet Peter Palm nicht gut: „Gerade wegen der Verifizierung sehe ich das sehr, sehr kritisch.“
Andere Stimmungslage in Kindsbach
Eine andere Stimmungslage zeigt sich in Kindsbach. „Bislang ist keine einzige Beschwerde bei mir eingegangen“, gibt Ortsbürgermeister Michael Müller Auskunft. „Als mich der Bankvorstand darüber informiert hat, galt mein erster Gedanke den älteren Semestern im Ort, die keinen Computer haben und auch mit Onlinebanking oft nicht zurechtkommen.“ Aber die Sparkasse habe ihm versichert, dass man sich um diese Senioren kümmern werde. Auch die Räume der Sparkasse werde die Bank behalten, um dort bei Bedarf Beratungsgespräche anbieten zu können. Der Geldautomat sei ohnehin gut frequentiert, schon aufgrund seiner zentralen Lage direkt an der Kaiserstraße. „Die Geschäftsstelle war ja schon bisher nicht mehr täglich geöffnet. Durch das zunehmende Onlinebanking war es ja irgendwann zwangsläufig, dass so etwas kommt“, meint er.
Trotzdem bedauert auch Müller den Verlust an Infrastruktur. „Das ist zwar nur ein kleines Zahnrädchen. Aber ein Zahnrädchen greift in das andere und irgendwann gibt es dann womöglich gar keine Infrastruktur mehr in den Dörfern“, so seine Befürchtung. Er geht davon aus, dass die Maßnahme, keinen Vor-Ort-Service mehr anzubieten, auch Kündigungen bei der Sparkasse nach sich ziehen werde. „So mancher geht dann vielleicht zu einer anderen Bank mit günstigeren Konditionen.“
Bürgerbus fährt nach Bruchmühlbach
Die Aufregung darüber, dass die Geschäftsstelle in Miesau künftig nur noch SB-Service bietet, hält sich in Bruchmühlbach-Miesau ebenfalls in Grenzen: „Wegen der besseren Öffnungszeiten nutzen jetzt schon viele Miesauer die Geschäftsstelle in Bruchmühlbach“, berichtet Gerald Stempinski von der Arbeiterwohlfahrt und kann dies auch mit Zahlen untermauern: „Unser Bürgerbus hat 2024 die Bruchmühlbacher Filiale 39 Mal angesteuert, die Miesauer nur neun Mal.“
Auch bei Ortsbürgermeister Rüdiger Franz hat sich bislang niemand über die Schließung der Filiale beschwert: „Als die beiden Geschäftsstellen in der Coronazeit auf Notbetrieb gingen, war das noch ganz anders“, erinnert sich der SPD-Politiker. „Aber jetzt: keine Reaktion. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir in Miesau genau gegenüber der Sparkasse noch die VR-Bank Glan-Münchweiler haben, die an jedem Wochentag Schalterzeiten anbietet“, mutmaßt er.
Natürlich bedauere auch er den Verlust lokaler Infrastruktur, betont Franz. Doch dass es in Miesau keine Postagentur mehr gibt, schmerzt ihn mehr. „Das wird auch in der Bevölkerung sehr bedauert.“ Zumal mit der Schließung der Post auch der Briefkasten abgebaut wurde. „Die Post hat Ersatzstandorte gesucht und ist derzeit dabei, die Modalitäten zu klären.“