Kreis Kaiserslautern Eine Reise in die Vergangenheit

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Als Glaubensflüchtlinge waren sie aus der Schweiz gekommen, in der Pfalz fanden sie ein neues Zuhause: Die Mennonitenfamilie von Hans Heinrich Lattschar samt Frau und dreizehn Kindern gründete im Jahr 1715 den Kühbörncheshof. Damit blickt die Mennonitengemeinde auf dem Kühbörncheshof auf 300 Jahre zurück. Grund für eine dreitägige Feier samt einem ganz bemerkenswerten Bauermarkt am Samstag.

Schon die Ankunft oben auf dem Berg hat Charme. Freundliche Menschen weisen die Autos ein, Schafe lümmeln auf der Weide, warten auf ihren Auftritt mit den Hütehunden. Pferde staunen ob des vielen Besuches. Musik erklingt. Umlagert von einer Menschenmenge beweist der Sängerchor Katzweiler, wie das Dengeln der Sense zum Vergnügen wird – jedenfalls für die Zuschauer, wohl kaum für die Sense; der wird mit dem Hammer ordentlich was drauf gegeben, damit sie scharf wird. Um die Ecke schwitzt der Schmied. Kein Wunder, das Feuer in der Esse ist geschürt und der schwere Hammer, der immer wieder auf dem rotglühenden Eisen landet, kein Leichtgewicht. Es sind nicht die einzigen Handwerke, die es zu sehen gibt. Wie zu Urzeiten werden Seile gedreht und es wird ordentlich gesponnen – mit Rad und Wolle. Der Drechsler zeigt, was ein rechter Handwerker dem Holz alles entlocken kann. Sein hölzerner Betzeteufel ruft bei einer Gruppe Amerikaner reinste Jubelarien hervor. Das Bäckerhandwerk kann nicht bestaunt, dafür das Ergebnis probiert werden – und das kommt an. „Was für ein Brot“, zeigt sich ein Junge an der Hand der Oma begeistert ob der Ausmaße des Musikantenbrotes, angeboten von der Reichenbach-Steegener Bäckerei Kissel. Ob es schmeckt? Die Antwort kommt genüsslich nickend. Reden geht gerade nicht wegen des Butterbrots. Gut gestärkt zieht es ihn zum Ponyreiten. Oder sagen wir, er zieht die Oma zu den Ponys, die normalerweise in Katzweiler auf der Bonanza-Ranch wohnen. Die Anreise von Annerose Eymann bis zum Kühbörncheshof war etwas weiter. Die Puppenmacherin kommt aus Reichelsheim im Odenwald und zeigt aus Naturmaterialien handgefertigte Puppen. Gut vorstellbar, dass die Kinder vor 300 Jahren mit ähnlichen Puppen spielten. Genauso ist es vorstellbar, dass die Mennoniten auf dem Kühbörncheshof auch früher schon einen solchen Prachtgarten ihr Eigen nannten, wie er heute am Ende des Hofes zu sehen ist. Da wachsen Kartoffeln, Bohnen, Salat, Beeren, Kräuter – einfach alles. Der Garten gehört zwar nicht direkt zum Bauernmarkt, entlockt den Besuchern, die bewundernde Blicke hineinwerfen, aber immer wieder den Satz „Was für ein Garten!“. Eingebunden in den Bauernmarkt ist der Weg auf den alten Friedhof, der Zeugnis über die Menschen vergangener Tage ablegt. Auch der Gang in die Gemeindekirche gehört dazu. Ein Gang in die Vergangenheit, aufbereitet mit alten Fotos, Dokumenten und Geschichten der letzten 300 Jahre. Deutlich älter sind die zur Kunst verarbeiteten Fossilien, die Annesuse Raquet aus Sulzbachtal auf dem Bauernmarkt anbietet. Ganz frisch ist dagegen die Honigseife vom Imker, absolut köstlich sind die Kuchen der Katzweilerer Landfrauen. Was wäre ein Bauernmarkt ohne Schlemmereien? Grieweschmalzbrot, Biersuppe oder Waffeln – die Organisatoren haben für jeden Geschmack etwas besorgt. Im „Hoflädchen“ trifft man auf Kräuterableger. Und nicht nur die sind zu kaufen, da lockt auch Marmelade, „Rote Zwiebel-Konfitüre“ und selbstgemachter Sirup. Da steckt eine Menge Arbeit der Kühbörncheshöfler drin. „Wir gehören zwar nicht alle zur Gemeinde, aber wir gehören alle zum Hof“, bringt es Gabriele Pfeifer-Keuthen auf den Punkt, dass hier auf dem Kühbörncheshof die Menschen noch miteinander und nicht nur nebeneinander leben. Das wäre wohl im Sinne von Hans Heinrich Lattschar, dem Begründer des Hofes. (thea)

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