Trippstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Wunder an der Bushaltestelle bei Trippstadt: Die Geschichte von Urmel aus dem Ei

Urmel beim Schlafen.
Urmel beim Schlafen.

Drei rätselhafte Eier an einer Bushaltestelle, eine Tierärztin mit Herz – und 27 Tage später schlüpft Urmel. Nun sucht die kleine Gans Gesellschaft.

An Bushaltestellen gibt es außer dem Fahrplan, Sitzen und manchmal einigen Schmierereien nicht viel zu entdecken. Sassubrina Hayden aus Trippstadt wurde dennoch fündig. Hayden fuhr Anfang Oktober gemeinsam mit ihrer zwölf Jahre alten Tochter Linnea an der Bushaltestelle „Eisenschmelz“ kurz vor dem Café Unterhammer vorbei, als die beiden etwas Seltsames entdeckten. Sie stiegen aus und fanden drei große Eier, die sorgsam in ein T-Shirt eingewickelt waren. Daneben lagen noch ein paar Gummihandschuhe, doch wer die intakten Eier dort abgelegt hatte, war nicht herauszufinden.

Die drei Eier am Fundort an der Bushaltestelle „Eisenschmelz“ bei Trippstadt.
Die drei Eier am Fundort an der Bushaltestelle »Eisenschmelz« bei Trippstadt.

Kurzerhand packten Mutter und Tochter die drei etwa neun Zentimeter großen Eier ein und nahmen sie mit nach Hause. Dort waren die Eier in guten Händen. Denn Sassubrina Hayden ist Tierärztin – spezialisiert auf Pferde – und hält privat Hühner. Ein Blick mit der Taschenlampe zeigte schnell, dass die Eier befruchtet waren. Die Tierärztin packte sie in einen Inkubator.

Google-Suche: Ist ein Krokodil im Ei?

Nun hieß es abwarten. Während zwei der Eier nicht mehr zu retten waren, entwickelte sich das dritte Ei prächtig. Das Ausbrüten sei eine Wissenschaft für sich. Das Ei müsse regelmäßig gewendet und mit Wasser besprüht werden. Natürlich wurde in der Familie gerätselt, was da wohl schlüpfen würde. Eine Google-Suche von Tochter Linnea legte sogar kurzzeitig die Vermutung nahe, es könnte sich um ein Krokodil handeln.

27 Tage später, am 9. November, stand des Rätsels Lösung fest: „Urmel“ schlüpfte. Dabei handelte es sich nicht um ein Krokodil, sondern um eine Gans – deren Geschlecht steht noch nicht fest. Ungeachtet des Tieres, das letztlich das Licht der Welt erblickte, wurde das Leben von Familie Hayden gehörig auf den Kopf gestellt.

Urmel wächst prächtig

Für Urmel wurde die alte Kindertrage hervorgeholt. Darin tragen Sassubrina und Linnea Hayden das Tier nun viel mit sich herum. Da aufgrund der Vogelgrippe aktuell Stallpflicht herrscht, wohnt Urmel, dessen gelber Flaum langsam Federn weicht, im Haus. „Urmel ist sehr stark auf meine Tochter geprägt“, berichtet Hayden. Das Gänseküken schläft sogar in einem gemütlich ausgekleideten Karton neben dem Bett der Zwölfjährigen. Auf dem Speiseplan des Tieres steht ein Brei aus Entenkükenfutter, Haferflocken und Karotten, der begeistert gefressen wird.

Sassubrina Hayden, Tochter Linnea und Urmel.
Sassubrina Hayden, Tochter Linnea und Urmel.

Wahrscheinlich wird Urmel bei Familie Hayden bleiben. Eine Alternative wäre der Einzug in Linnea Haydens Schule, die Waldorfschule in Otterberg. Dort wurde kürzlich ein Enten- und Gänsestall gebaut. Damit Urmel auch eine artgerechte Prägung erhält, sucht die Familie nach tierischer Gesellschaft für Urmel – und zwar eine junge, weibliche Gans. „Die Suche gestaltet sich schwierig“, so Hayden. Wer helfen kann, soll sich per Mail an praxis@pferdetierarzt-hayden.de melden.

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