Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Trümmerfeld als ernster Hundespielplatz

Wollen einen Beitrag zum Katastrophenschutz leisten: Michael Kern, Hündin Dana und Sabine Weinkauff.
Wollen einen Beitrag zum Katastrophenschutz leisten: Michael Kern, Hündin Dana und Sabine Weinkauff.

In Ramstein etabliert sich der Rettungshundestützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland. Dahinter steckt der Hundeverein Ramstein, der zum Ziel hat, Teil der Katastrophenschutzeinheit des Landkreises Kaiserslautern zu werden.

Auf dem Hundeplatz in Ramstein, dort, wo weithin sichtbar der Schriftzug Schäferhundeverein prangt, tut sich was. Zwar werden hier noch immer Schäferhunde trainiert – auch der Vorsitzende des Hundevereins Ramstein, Michael Kern, und seine Partnerin, Sabine Weinkauff, haben Schäferhunde an ihrer Seite, sogar ziemlich erfolgreiche –, aber auf dem Platz wird längst mit allen Rassen gearbeitet. Und auch mit den Quergerassten, sagt Kern, der auf 42 Jahre Hundeausbildung zurückblickt.

Eigentlich widme er sich eher den Menschen, betont er. Die Menschen müsse er formen und so den Hund auf einen guten Weg bringen. Vom Schutzhund über den Fährtenhund, den Mantrailer, bis hin zum Rettungshund und natürlich auch einfach „nur“ für den gehorsamen Familienhund, Kern fühlt sich für alle verantwortlich.

Neue Herausforderung gegen die Langeweile

„Wenn zwischen dem Team Hund/Mensch eine Kommunikation ohne Worte funktioniert, dann passt alles“, stellt er lachend fest. Was dann dabei herauskommen kann, beweist Dana vom Sickinger Moorweg. Die siebenjährige Schäferhündin ist an der Seite ihrer Teampartnerin Sabine Weinkauff 2019 Bundesmannschaftsmeisterin im Hundesport auf dem Trümmerfeld geworden. Gemeinsam mit zwei weiteren Hunden und unter der Leitung von Michael Kern, hat Dana gezeigt, dass sie für ihren Spielball einfach alles macht. „Ihr war die Arbeit auf dem Hundeplatz langweilig“, erzählt Weinkauff davon, dass sie mit ihrer Hündin, die eine hohe Schutzhundeprüfung hat, zur Abwechslung ins Rettungshundewesen eingestiegen sei. „Das war am Anfang selbst für meinen gut trainierten Hund ziemlich anstrengend. Dana war nach 15 Minuten platt!“ Das unwegsame Gelände, der intensive Einsatz der Nase, das sei eine Herausforderung für jeden Hund. Wer sich aber darauf einlasse und immer positiv bleibe, der erlebe einen freudig arbeitenden Hund. Weinkauff hat sich eingelassen, es gab den Meisterpokal, der noch immer bei ihr und Kern im Regal steht. Wegen Corona gab es bislang keine weitere Meisterschaft.

Dass nun die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Rettungshundeführer Rheinland-Pfalz und Saarland ihren Stützpunkt nach Ramstein verlegt hat, ist allerdings nicht nur der Tatsache geschuldet, dass Kern auch Landesvorsitzender dieser BAG ist. Es war die Katastrophe im Ahrtal, die ihn hat umtriebig werden lassen.

Hinterm Wasserturm wird trainiert

„Wir waren mit den Hunden im Ahrtal und haben gemerkt, es gibt zu wenige Rettungshunde“, blickt er zurück auf seinen Antrieb, mehr zu bewegen. Damit hat er in Ramstein offene Türen eingerannt. Die Gemeinde hat im Gewerbegebiet hinterm Wasserturm ein Gelände zur Verfügung gestellt, auf dem die Arbeit der Rettungshunde im Trümmerfeld vorangebracht werden soll. Zehn bereits ausgebildete Rettungshunde trainieren dort aktuell, acht weitere Hunde sind derzeit als Rettungshundeazubis dabei.

Reger Austausch mit anderen Vereinen

„In den Trümmern werden zu 98 Prozent Leichen gefunden“, erläutert Kern, dass er die Hunde genaugenommen zu Leichensuchhunden ausbildet. Gesucht werde dabei immer nur nach kleinsten Geruchspartikeln, das reiche aber. Auch fahren die Hunde in andere Trümmerfelder, um sich dort mit immer neuen Situationen vertraut zu machen. „Wir sind inzwischen ganz gut vernetzt und trainieren unter anderem in Lahnstein, Gera oder Roßtal.“ Bei Workshops, die Kern in Ramstein anbietet, kommen dann auch Teams aus anderen Bundesländern dazu. Der nächste Workshop auf dem Hundeplatz in Ramstein ist von Christi Himmelfahrt, 26. Mai, bis Sonntag, 29. Mai, vorgesehen.

Michael Kern hat aber noch viel mehr vor. Er will mit den Rettungshunden auch in die Schulen gehen, um über die wichtige Arbeit, die diese Tiere leisten, zu reden. Auch will sich der Hundeverein Ramstein mehr in der Gemeinde einbringen. Vor allem aber ist das nächste Ziel, eine Einheit im Katastrophenschutz zu werden.

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