Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Ehepaar bringt am Stammtisch Amerikaner und Deutsche zusammen

Bianca und Will Pfannenstiel haben den deutsch-amerikanischen Stammtisch ins Leben gerufen.
Bianca und Will Pfannenstiel haben den deutsch-amerikanischen Stammtisch ins Leben gerufen.

Die Amerikaner und wir: Missverständnisse, Vorurteile, Sprachschwierigkeiten – die Liste der Probleme, die zwischen US-Amerikanern und Deutschen auftreten können, ist lang. Warum nicht alle an einen „Tisch“ setzen, hat sich daher das Ehepaar Pfannenstiel aus Ramstein-Miesenbach gedacht.

Dass das Verhältnis zwischen den Angehörigen beider Nationen nicht immer ungetrübt ist, haben Bianca und Will Pfannenstiel erkannt. Um dem entgegenzutreten, gründete das deutsch-amerikanische Paar vor vier Jahren einen Stammtisch und holte den Verein Atlantische Akademie Rheinland-Pfalz mit ins Boot. „Wir wollten Deutschen und US-Amerikanern die Möglichkeit geben, sich über lockere Gespräche kennenzulernen, neue Leute zu treffen und auch mal gemeinsam etwas zu unternehmen“, erläutern Pfannenstiels ihre damaligen Überlegungen, wie das Überwinden kultureller Unterschiede gelingen könnte. Vorausgegangen waren eigene Erfahrungen und der Eindruck, dass sich das Verhältnis verschlechtert hatte. Sie waren überzeugt: „Wenn man mehr über einander weiß, kann sich das Miteinander verbessern.“

Sprachbarrieren überwinden

Dass unterschiedliche Sprachen eine Barriere bilden können, haben die Pfannenstiels selbst erfahren, aber auch, dass diese Barriere überwunden werden kann. Die gebürtige Hessin hatte es Ende der 1990er Jahre für ihr Lehramtsstudium nach Mainz getrieben. An ihrem damaligen Wohnort Wiesbaden gab es einen deutsch-amerikanischen Freundschaftsklub, der einmal im Montag zusammenkam. Die damals 30-Jährige begleitete ihre Freundin dorthin, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern. „Das war eine tolle Truppe“, blickt sie gerne zurück. Dort lernte sie auch ihren Ehemann, einen US-Amerikaner, kennen. Sechs Monate später, im August 1999, gab sich das Paar das Jawort.

„Ich konnte anfangs kaum Deutsch“, gesteht Will Pfannenstiel ein, dass die Gespräche zunächst meist auf Englisch geführt wurden. Das hat sich mittlerweile geändert, denn während sich das Englisch seiner Frau verbesserte, übte er fleißig ihre Muttersprache. Die beiden Kinder, Gavin (21) und Joanna (15), wuchsen zweisprachig auf. In der Familie wird munter zwischen beiden Sprachen hin- und hergewechselt.

Vom Militär ins Lehramt

Mit einem Militärangehörigen als Mann und Vater kam die Familie in der Welt herum, wohnte aber immer wieder über längere Phasen in der Umgebung von Ramstein-Miesenbach und Landstuhl. „Die Kinder waren hier in den Kindergarten und zur Schule gegangen, und wir hatten hier unser Netzwerk“, erläutert Bianca Pfannenstiel, warum sie sich 2015 entschieden, hier sesshaft zu werden. Wenig später schied ihr Mann aus dem Militärdienst aus und absolvierte an der Universität des Saarlandes ein Lehramtsstudium. Heute unterrichtet er an der Adam-Müller-Realschule plus in Bruchmühlbach-Miesau die Fächer Gesellschaftslehre und Englisch. Bianca Pfannenstiel ist an der Realschule plus in Ramstein-Miesenbach als Lehrerin für Deutsch, Religion und Englisch beschäftigt.

Durch ihre beruflichen und privaten Kontakte in beide Richtungen fiel ihnen auf, dass sich Deutsche und Amerikaner im Miteinander zunehmend schwerer tun. Als sie dann von dem Projekt „Willkommen in Rheinland-Pfalz! Unsere Nachbarn aus Amerika“ erfuhren, das das rheinland-pfälzische Innenministerium initiiert hatte, wandten sie sich mit ihrer Idee, einen Stammtisch zu gründen, an John Constance vom Verein Atlantische Akademie. Bei dem Projektkoordinator stießen sie sofort auf offene Ohren. Er machte das Vorhaben und den ersten Termin am 1. September 2017 in deutschen und US-Medien publik.

„Anlaufstelle für Leute, die Kontakte

knüpfen

möchten“

Etwa 15 Personen seien anwesend gewesen – darunter Paare, Alleinstehende, Deutsche, Amerikaner, Zivilisten und Militärangehörige – erzählen die Pfannenstiels. Um den Austausch zu fördern, aber auch um Informationen zu vermitteln, luden sie wenig später Gastredner ein: Stadt- und Verbandsbürgermeister Ralf Hechler, Michael Geib, Leiter des Docucenters Ramstein, den Chef der Militärpolizei, Vertreter der Internationalen Schule Westpfalz oder auch ein Landwirt mit Hofladen stellten sich und ihre Arbeit in Kurzvorträgen mit anschließender Gesprächsrunde vor. Außerdem organisierten sie viele weitere Aktivitäten.

„Wir sehen uns als Bindeglied zwischen Deutschen und Amerikanern und als eine Anlaufstelle für Leute, die Kontakte knüpfen möchten“, beschreiben Pfannenstiels ihre Rolle. Dabei reicht die Spannbreite vom Kochen von Pfälzer Gerichten mit den Landfrauen bis hin zur Unterstützung beim Einkauf an der Metzgereitheke. Waren es meist zwischen 20 und 40 Teilnehmer, kamen zum einjährigen Bestehen 80 Gäste vorbei. „Aber gerade als der Stammtisch volle Fahrt aufgenommen hatte, kam Corona dazwischen. Das hat uns unheimlich getroffen“, bedauern die Initiatoren. Das Jahr 2020 sei komplett durchgeplant gewesen – unter anderem mit Ausflügen in den Nato-Bunker in Kindsbach, einer Weinprobe und Stadtführungen. Zwar gebe es eine WhatsApp- und eine Facebook-Gruppe, aber die können den persönlichen Kontakt nicht ersetzen.

Am ersten Dienstag des Monats

Nun hoffen Pfannenstiels darauf, dass bald wieder ein Stammtisch – wie gehabt am ersten Dienstag des Monats um 18.30 Uhr im Restaurant „Die Bühne“ – stattfinden kann. „Wir werden für den Neustart verstärkt die Werbetrommel rühren“, kündigen sie an.

Info

Weitere Informationen zu dem Stammtisch sind über die Atlantische Akademie Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern, Telefon 0631 3661017, Homepage www.atlantische-akademie.de, zu erfahren.

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