Sembach RHEINPFALZ Plus Artikel Dreilich Edelstahlverarbeitung: Wie bei Apple beginnt die Firmengeschichte in einer Garage

Geschäftsführer Benjamin Dreilich mit seiner Mutter Sabine Dreilich, der Firmengründerin, im Bürotrakt in Sembach.
Geschäftsführer Benjamin Dreilich mit seiner Mutter Sabine Dreilich, der Firmengründerin, im Bürotrakt in Sembach.

Edelstahlprodukte der Sembacher Firma Dreilich finden sich überall, sogar auf Kreuzfahrtschiffen und im Berliner Olympiastadion. Begonnen hat die Produktion jedoch in einer engen Garage.

Hell, freundlich, temperiert, irgendwo läuft Musik. In der Produktionshalle der Firma Dreilich Edelstahlverarbeitung in Sembach herrscht eine angenehme Atmosphäre. Die „Diva“ – so wird hier die Laserschneidemaschine genannt – legt gerade eine Pause ein. Auch der Schweißroboter hält seinen Arm still, obwohl vor ihm einige Produkte stehen und auf Schweißnähte warten. Die Maschine muss aber zuerst mit Wissen gefüttert werden.

„Es braucht trotz all der Technik die Erfahrung und das Wissen der Fachleute“, erläutert Geschäftsführer Benjamin Dreilich. Die hohe Qualität, auf der die Firma gründe, sei nur dank der 15 Mitarbeiter zu realisieren. Die Dreilich Edelstahlverarbeitung hat eine große Bandbreite an Edelstahlprodukten: Waschrinnen, Arbeitsbecken, Papierkörbe, Handtuch- und Seifenspender in unterschiedlichen Ausführungen und vieles mehr. Wie viele Produkte es letztendlich wirklich sind? Benjamin Dreilich kann es nicht sagen. Die reine Produktpalette hat bei ihm keine feste Zahl, weil „wir individuell auf die Bedürfnisse des Kunden eingehen und fertigenkönnen“.

Produktion in der Garage

Es war seine Mutter Sabine Dreilich – die bis heute Teil des Betriebs ist –, die im Winter 1994 die Firma auf den Weg gebracht hat. Absehbar war das für die Berlinerin erst einmal nicht. Sie war Angestellte in einem Fachbetrieb für Sanitärausstattung, allerdings verkannte ihr damaliger Berliner Chef ganz offensichtlich den Biss, den Willen und das Macher-Gen seiner Mitarbeiterin. Sie ging, zog nach München und von dort nach Gernsheim im Odenwald – immer als Angestellte für Produkte im Sanitärbereich.

Dann ging es für Sabine Dreilich, angelockt durch die Weinfeste und die fröhlichen Menschen, nach Rheinhessen. Dort wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Die von ihr designten, gebogenen Handtuchstangen aus Edelstahl verkaufte sie nun im eigenen Namen, ließ produzieren, montierte daheim. Doch dann sprang der Produzent ab. Dreilich ließ sich jedoch nicht entmutigen, kaufte Werkzeug und produzierte in der engen Garage.

Neue und alte Maschinen

1999 wurde die Produktion ausgeweitet, eine Halle in Alzey-Heimersheim angemietet. Sohn Benjamin, der schon lange mitarbeitete, begann eine Lehre als Modellbaumechaniker bei Gienanth in Eisenberg. „Eigentlich war mein Traum, als Geselle durch die Welt zu tingeln und dort zu arbeiten, wo ich gefragt bin“, erzählt Benjamin Dreilich. Gefragt ist er dann vor allem in der Firma der Mutter. Er bleibt und übernimmt 2009, inzwischen als Metallbaumeister, die Geschäftsführung der Firma Dreilich. Seinem einstigen Traum weine er nicht nach. „Es ist einfach meine Berufung“, sagt Benjamin Dreilich, der mit niemandem tauschen möchte.

2016 zieht die Firma nach Sembach, die Laserschneidemaschine „Diva“ und der Schweißroboter ziehen ein. Aber, und das ist Benjamin Dreilich wichtig, auch einige Maschinen der ersten Stunde stehen jetzt in Sembach, etwa eine Biegemaschine oder auch der „Opa“, eine Horizontalfräsmaschine, Baujahr 1951. „Die wurde damals gebraucht gekauft“, stellt Dreilich den „Opa“ vor, der glänzend dasteht und dank guter Pflege selbstverständlich funktioniert.

Für „Oskar des Handwerks“ nominiert

„Hier gehören die Maschinen zur Familie, deshalb tragen alle Namen“, erläutert Firmenmitarbeiterin Conny Schwarz, was es mit „Hans“, „Diva“, „Opa“ und auch der Maschine, die für ein „zartes Handgefühl“ an den Blechen sorgt, auf sich hat. Mit zum Firmengefühl gehört auch das von Sabine Dreilich eingefädelte soziale Engagement etwa für Kinder in Haiti, für die Kinderhilfe Organtransplantation und für den Verein der Helfer und Förderer des Technischen Hilfswerks Kaiserslautern.

Vielleicht gehört bald auch der „Oskar des Handwerks“ zur Firma. Bereits zum zweiten Mal in der jüngeren Vergangenheit der 40-jährigen Firmengeschichte wurde Dreilich in diesem Jahr als Hersteller hochwertiger Edelstahlprodukte für den großen Preis des Mittelstandes nominiert.

Der Schweißroboter der Firma Dreilich bei der Arbeit.
Der Schweißroboter der Firma Dreilich bei der Arbeit.
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