Kreis Kaiserslautern Drei Briefe zur Scheidung ohne Hochzeit

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Rund zehn Monate haben sie über ihre anstehende Trauung verhandelt, die Volksbanken Glan-Münchweiler und Lauterecken, die auch etliche Filialen im Kreis Kaiserslautern betreiben. Seit Dienstag sind sie noch vor dem Gang zum Fusions-Altar geschiedene Leute. Das Brautpaar konnte sich nicht über die Hochzeitsbeigaben in Form von Garantien einigen.

Am Ende waren es zwei Punkte, die zum Fusionsglück fehlten: Die Genossen in Lauterecken wollten verbindliche Erklärungen, dass erstens unbefristet nicht am Filialnetz gerüttelt und zweitens die Anzahl der Mitarbeiter in Lauterecken dauerhaft auf dem jetzigen Stand (48) festgeschrieben wird; und sollte aus betrieblichen Gründen ein Stellenabbau bei der neuen Volksbank Glan-Münchweiler Lauterecken nötig werden, erfolge dieser anteilig nach Standortgröße. „Für uns war das Ziel, den Standort Lauterecken dauerhaft zu sichern“, begründet der Lauterecker Vorstand Klaus Gerber. „In der heutigen Zeit kann man solche langfristigen Garantien nicht geben“, hält Sabine Mack aus Glan-Münchweiler entgegen. Um das überraschende Scheitern zu verstehen, muss man ein Stückchen zurückgehen. Vor einigen Monaten hat Walter Hoffmann, Macks Vorstandskollege in Glan-Münchweiler, auf Nachfrage der RHEINPFALZ gesagt, dass sein Institut am Hauptsitz Raumprobleme hat; und dass die Volksbank sich natürlich für das derzeitige Glan-Münchweilerer Rathaus interessieren würde, wenn im Zuge der Verbandsgemeinde-Fusion dieses zum Verkauf stehen würde. Mack hat gestern gegenüber der RHEINPFALZ argumentativ nochmals nachgelegt: Schon jetzt sei die Situation eigentlich nicht zumutbar für die Mitarbeiter. Das Rathaus stehe ja in unmittelbarer Nähe zur Volksbank, sei sogar deren Ursprung gewesen. Und: Die Volksbank habe ein Vorkaufsrecht. Wenn es also zur Verfügung stehe und vor allem wenn der Preis stimme, dann werde die Volksbank das Rathaus kaufen. Mit der Verbandsgemeinde habe man darüber schon unverbindlich gesprochen. Zurück nach Lauterecken. Dort kam Hoffmanns bekundetes Interesse am Glan-Münchweilerer Rathaus offenbar nicht gut an. Es nährte die Sorge, Glan-Münchweiler wolle neue Räume schaffen, um nach der Fusion Zug um Zug das Personal aus Lauterecken nach Glan-Münchweiler zu versetzen und den künftigen Zweitsitz im Norden ausdünnen. Die Konsequenz: Der Druck von Kunden und Genossen auf den Vorstand stieg, was diesen schließlich dazu veranlasste, in der – ausnahmsweise nichtöffentlichen, um offen diskutieren zu können – Vertreterversammlung eine Probeabstimmung über die Fusion zu starten. Schon zuvor muss es nach RHEINPFALZ-Informationen hoch hergegangen sein in der Versammlung. Sabine Mack als Gastrednerin musste sich allerhand Zweifel und Kritik anhören und räumt heute ein, die Versammlung hätte sie lieber so nicht miterleben wollen. Das Ergebnis der Probeabstimmung ist bekannt: Mit nur einer Stimme Puffer schaffte die Fusion die notwendige Mehrheit von 75 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder. Das war Vorstand und Aufsichtsrat in Lauterecken zu wenig, um optimistisch über die Fusion weiterzuverhandeln, die in wesentlichen Punkten schon ausgehandelt war. Um die Kritiker der Fusion ihrer Zweifel zu entheben, sollten Garantien her. Punkt eins: Das Lauterecker Filialnetz sollte zehn Jahre lang unangetastet bleiben; am ehesten Wackelkandidaten wären Becherbach, Kreimbach-Kaulbach und Olsbrücken gewesen. Punkt zwei: Unbefristet sollte garantiert werden, dass die Anzahl der Mitarbeiter in Lauterecken selbst gleichbleibt. Einzige Ausnahme: Sollte ein Arbeitsplatzabbau im fusionierten Institut notwendig werden, dann anteilig nach Größe der Standorte in Glan-Münchweiler und Lauterecken. Im Gegenzug sollten, falls das Institut neue Arbeitsplätze schafft, diese allesamt in Glan-Münchweiler entstehen können. Diese beiden Bedingungen fassten Vorstand und Aufsichtsrat in Lauterecken in einen Brief nach Glan-Münchweiler. Dort jedoch sahen Vorstand und Aufsichtsrat sich nicht in der Lage, eine solch langfristige Garantie zu geben. „Was wissen wir, was in ein paar Jahren ist? Da kann doch keiner eine solche Garantie geben“, sagte Mack gestern. Das fassten die Glan-Münchweilerer in einen Brief nach Lauterecken. Die Konsequenz war ein letzter, ein endgültiger Brief, diesmal wieder von Lauterecken nach Glan-Münchweiler. Inhalt: Da es die geforderten Garantien nicht gibt, sind die Fusionsgespräche erfolglos beendet. Beide Bankvorstände betonten gestern, das Ende der Fusionsbemühungen sei kein Weltuntergang. Gerber wie auch Mack hoben hervor, ihrem jeweiligen Institut sei vorab vom Dachverband attestiert worden, gut genug aufgestellt zu sein, um auch selbstständig bleiben zu können. Und man werde auch in Zukunft miteinander kooperieren. Gerber verweist betont sachlich darauf, man werde nun nicht noch mehr Zeit und Geld in eine Fusion investieren, deren Zustandekommen weiterhin fraglich gewesen wäre – was beispielsweise die Machbarkeitsstudie zur Fusion im vergangenen Jahr gekostet hat, will er nicht sagen. Seiner Kollegin Mack hingegen ist die Enttäuschung anzuhören. Immerhin sei Lauterecken mit der Fusionsidee auf Glan-Münchweiler zugekommen, nicht umgekehrt.

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