Kottweiler-Schwanden
Dorfspaziergang: Gute Gemeinschaft, aber keine Einkaufsmöglichkeit
Der schmale Pfad führt über eine kleine Brücke erst durch wogende Wiesen, bevor er in das kleine Waldstück mündet. Immer am leise gluckernden Sulzbach entlang, der sich hier und da zu größeren Tümpeln weitet. In der Generation ihrer Großeltern hat es dort – am Bärenloch, wie die Gemarkung heißt – sogar einmal einen Löschteich gegeben, in dem die Kinder im Sommer gerne gebadet haben, erinnern sich einige Teilnehmerinnen des Dorfspaziergangs. Heute ist hier ein Vogelschutzgebiet entstanden. Der Kottenweg, von dem wir ein kleines Stück gehen, wurde vor vier Jahren mit Hilfe eines EU-Programms zur Stärkung ländlicher Räume geschaffen. Er bietet ein zauberhaftes Naturerlebnis.
Eine weitere Besonderheit ist, dass in seinem Verlauf auf 30 Tafeln alte Flurnamen erklärt werden. „Diese sind heute in Vergessenheit geraten. Früher, als auf dem Feld gearbeitet wurde, wusste jeder somit den genauen Standort“, so Ortsbürgermeisterin Gabriele Schütz. Auf jeder Tafel gibt es übrigens auch einen QR-Code, der per Link zur englischen Übersetzung der Beschreibung führt. Dazu habe es viele positive Rückmeldungen von amerikanischen Mitbürgern gegeben, erzählt die Bürgermeisterin. Da sich die Amerikaner nicht anmelden müssen, ist ihre genaue Anzahl in Kottweiler-Schwanden nicht bekannt. Etwa 250 leben in der Gemeinde, die insgesamt 1255 Einwohner zählt, schätzt die Ortschefin. Leerstände bei Häusern und Wohnungen gebe es keine, da auch viel an die Amerikaner vermietet werde. Eine erfreuliche Entwicklung: Weil es derzeit keine freien Bauplätze mehr in der Gemeinde gibt, interessierten sich auch junge Leute dafür, ältere Häuser in der Ortsmitte zu renovieren, erklärt Schütz.
Ehemaliges Wirtshaus der „Schandfleck“
Immer ist dies jedoch nicht möglich, das ehemalige Wirtshaus in Schwanden etwa ist vermutlich nicht mehr zu retten. „Das ist der Schandfleck von Schwanden“, sagt die 75-jährige Henny Feil, und ihr Mann Willi sowie Gunther Geib stimmen ihr zu. Denn das Sandsteinhaus verfällt seit Jahren. Mittlerweile ist es so baufällig, dass der Bürgersteig davor abgesperrt ist. Ein Schild an den rot-weißen Barken weist auf Lebensgefahr für Passanten hin, die Holzbalken vor der Eingangstür sind zusätzlich abgestützt. Der Niedergang des an und für sich sehr ortstypischen und schön gestalteten Gebäudes habe mit dem Tod der Wirtsleute begonnen, berichtet Schütz. Der Sohn wohne weit entfernt, niemand kümmere sich. „Wahrscheinlich wird es irgendwann abgerissen“, vermutet die Ortsbürgermeisterin, die das bedauert.
Schön findet sie hingegen, dass die Schwandener rund um den Hagischen Brunnen ein eigenes kleines Zentrum in ihrem Ortsteil haben. Ein Höhepunkt für alle ist laut Ria Müller (68 Jahre) und Doris Schöne (70) der Beginn der Adventszeit, der dort mit dem Aufstellen eines Weihnachtsbaums zelebriert wird. Am Vorabend des ersten Adventswochenendes findet auf dem Platz aus diesem Anlass seit 20 Jahren eine kleine Feier statt, erzählt Werner Hektor, den das Ehepaar Feil augenzwinkernd den „Bürgermeister von Schwanden“ nennt. Rund um den Weihnachtsbaum werde dann musiziert und gemeinsam die Vorweihnachtszeit eingeläutet. Zuvor würden Brezelrohlinge im Ort verteilt, die von den Bürgern gebacken und über den Abend verteilt vorbeigebracht würden, dazu gebe es von einem Anwohner des Platzes gekochten Glühwein. „Das ist halt Dorf“, sagt der 76-jährige Hektor, der hofft, dass solche Bräuche auch in Zukunft von den Jüngeren weitergeführt werden.
Zwei verschiedene Gerichtsbezirke
Direkt neben dem Ortsteilzentrum gibt es auch einen kleinen Kinderspielplatz sowie eine Sandsteinbank, neben der der Brunnen leise vor sich hin gurgelt. Wer würde heute vermuten, dass sich an diesem idyllischen Plätzchen in früheren Zeiten die Welt geteilt hat? Zwei Straßenschilder weisen linkerhand auf die „Keesgaß“ und rechterhand auf die „Hagisch Seit“ hin. Im 18. Jahrhundert war der Ort an dieser Stelle in zwei Gerichtsbezirke geteilt. Alles jenseits der „Hagisch Seit“ gehörte zum Gerichtsbezirk Lauterecken und alles jenseits der „Keesgaß“ zum Gerichtsbezirk Steinwenden, erläutert die Ortsbürgermeisterin.
Diese Zeiten sind zum Glück überwunden. Heute schätzen die Dorfspaziererinnen Müller und Schöne „den Zusammenhalt, das Vereinsleben, dass jeder jeden kennt“. Beide Frauen sind in Kottweiler-Schwanden geboren und leben seitdem in der Gemeinde. „Wir wohnen hier so schön. Der Wald, die herrliche Natur! Das ist sehr viel wert“, schwärmt Schöne.
Auch andere Teilnehmer des Rundgangs stellen immer wieder die gut funktionierende Dorfgemeinschaft heraus, wie Kreativteam-Leiterin Marion Borger-Urschel: „Das klappt in Kottweiler-Schwanden“ sagt die Mittsiebzigerin. Wenn zu einem Arbeitseinsatz gerufen werde, kämen die Leute. Zudem gebe es ein reiches Vereinsleben, sind sich alle einig. Und von den Erlösen, die die Vereine wie das Kreativteam zum Beispiel durch Verkäufe am Oster- oder Weihnachtsmarkt erzielen, profitiere wiederum der Ort, weil das Geld gespendet werde. So sei zum Beispiel die Renovierung der Leichenhalle finanziell unterstützt worden.
Gleiches gilt für den Aufzug im Robert-Schuman-Heim, dem katholischen Versammlungshaus direkt neben der St.-Elisabeth-Kirche. Dass er 2015 eingebaut werden konnte, geht maßgeblich auf ehrenamtliches Engagement zurück. Der Fahrstuhl trägt dazu bei, dass einer der Höhepunkte für die Senioren der Gemeinde, der monatliche Treff im Robert-Schuman-Heim neben der katholischen Kirche, stattfinden kann. Denn die Treppe zwischen Toilettenanlage und Versammlungsraum war für manch einen ein unüberwindliches Hindernis und daher ein Grund, nicht zu kommen. Deshalb wurden mehrere Flohmärkte vom Förderverein St. Elisabeth veranstaltet. Ein großer Teil des erforderlichen Geldes konnte so erlöst werden, andere Vereine und Einzelpersonen spendeten ebenfalls.
Übrigens: Auch wenn der Aufzug schon lange installiert ist, gibt es die Flohmärkte weiterhin. Borger-Urschel ist auch hier an vorderster Front dabei: Die Organisatorin freut sich, dass sich die Veranstaltung, bei der ausschließlich gespendete Dinge verkauft werden, mittlerweile herumgesprochen hat. Wenn jemand einen Haushalt aufzulösen habe, meldeten sich die Leute beim Flohmarktteam, das die Sachen dann abhole.
Ein Rasen- und ein Kunstrasenplatz
Der größte Club im Ort ist mit seinen Fußballmannschaften und vielfältigen Breitensport-Angeboten für jedes Alter von Leichtathletik bis Zumba allerdings der Sportverein. Er sei auch der größte Sportverein in der gesamten Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach, sagt Ortsbürgermeisterin Schütz. Auch dass der SV über zwei Plätze – einen Rasen- und einen Kunstrasenplatz – verfügt, sei etwas Besonderes. Dem stimmt John Hemm zu. Er ist als Erster Beigeordneter der Gemeinde nicht nur Schütz’ Vertreter, sondern engagiert sich auch im SV. Dort kümmert er sich an den Spieltagen um die Bewirtung im Sportheim. Damit in der gesamten Saison und auch abends auf den Plätzen gespielt werden kann, hat der Verein eine neue, energiesparende LED-Flutlichtanlage am Kunstrasenplatz installiert. Die alte Anlage beleuchtet nun den Rasenplatz. Auch beim Bewässern setzten die Sportler auf Nachhaltigkeit: Regenwasser werde seit zwei Jahren in großen Tanks unter dem Rasenplatz gesammelt, berichtet Hemm, und zur Beregnung genutzt. „So brauchen wir kein Frischwasser aus dem Netz“, freut sich der Abteilungsleiter für den Wirtschaftsdienst.
Hemm erzählt außerdem, dass der SV bei Amerikanern sehr beliebt sei. Vor allem in den in Kottweiler-Schwanden stark vertretenen Mädchen- und Frauenfußballmannschaften spielten viele US-Girls mit. Sie schätzten das deutsche Vereinssystem, das es so in den USA nicht gebe. „Dort ist der Sport für viele zu teuer“, weiß Hemm.
Die rund ein Dutzend Dorfspazierer haben also viel Lob für ihre Gemeinde übrig. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Einen Physiotherapeuten gibt es noch im Ort. Daneben aber keinen Arzt, keine Apotheke und keine Geschäfte, um Lebensmittel einzukaufen. Dazu müsse man in die umliegenden Ortschaften fahren. „Für Ältere, die kein Auto haben, ist das schwierig“, so Müller.
Dorfplatz in Kottweiler wird umgestaltet
Letzter Punkt des Dorfrundgangs ist der Dorfplatz im Ortsteil Kottweiler. Der kleine Park mit seinem Weiher und Spielplatz soll umgestaltet werden und ist laut Ortsbürgermeisterin das erste Projekt, das innerhalb der Dorferneuerung in Angriff genommen wird. Ein Platz zum Zusammenkommen soll es werden: So ist neben einem Stromverteiler, der für den nötigen „Saft“ bei Veranstaltungen sorgen soll, auch ein Häuschen mit Toiletten und einem Küchentrakt mit einer Spülmaschine geplant. Die Umrandung des Weihers werde hergerichtet und dort würden auch Ruhebänke aufgestellt, um die Enten, die dort ihre Kreise ziehen, beobachten zu können. Die Planung stehe. Schütz: „Wir warten nur noch auf die Förderzusage.“