Kreis Kaiserslautern
Diskussionen um Kaiserslauterer Rettungshubschrauber gehen weiter

Seit der ADAC-Hubschrauber im Rettungsdienstbereich Kaiserslautern unterwegs ist, haben sich die Einsätze im Vergleich zur Zeit des Johanniter-Helikopters verändert. Und nicht zugunsten der Region, sagt der Lauterer Landrat. Der ADAC und das Ministerium kritisieren teils offen, teils unterschwellig die Kritik des Landrats, der betont, sich für seine Region einzusetzen.
Seit dem 2. September ist „Christoph 66“ des ADAC vom Standort Eßweiler im Kreis Kusel für den Lauterer Rettungsdienstbereich im Einsatz. Er wurde per Ausschreibung vom Innenministerium für eine Interimszeit ausgewählt und löste damit den roten Hubschrauber der Johanniter Lufthilfe ab, der ab Oktober 2018 von Sembach aus den Bereich versorgt hatte.
Jener war als Intensivtransporthubschrauber (ITH) gestartet, um Patienten zwischen den Standorten des Westpfalzklinikums zu transportieren. Existiert jedoch ein Hubschrauber, muss er im Notfall eingesetzt werden – was ausgiebig geschah. „Und so belegte er deutlich den Bedarf“, betont Wolfgang Hoffmann, der Ärztliche Leiter Rettungsdienst in Kaiserslautern, dass er froh ist über die Luftversorgung.
Ministerium und ADAC zeigen sich verwundert über Kritik
Dass jener zusammen mit Landrat Ralf Leßmeister (CDU) und der für den Rettungsdienst zuständigen Kreisbeigeordneten Gudrun Heß-Schmidt (CDU) nun bemängelt, dass der ADAC-Hubschrauber deutlich weniger für Primär-, also Rettungseinsätze als für Patientenverlegungen unterwegs ist als zuvor der ITH „Red Nose“, löst bei Rüdiger Neu, Regionalleiter der ADAC-Luftrettung und Pilot, wie auch beim Ministerium Unverständnis aus. „Das Land hat einen Intensivtransporthubschrauber ausgeschrieben“, sagt Neu, „und jetzt ist man verwundert, dass er Sekundäreinsätze fliegt?!“ Auch Ministeriumssprecherin Sonja Bräuer verweist darauf, dass auf die sogenannte „Dual Use“-Funktion Wert gelegt wurde, der Hubschrauber also Rettungs- wie Verlegungsflüge absolvieren soll. „Richtig“, entgegnet Hoffmann, „aber zuvor war er als ITH nur im Rettungsdienstbereich Kaiserslautern eingesetzt!“ Nun jedoch betrage diese Einsatzzeit „nur noch fünf Prozent“.
Zwar habe sich die Anzahl der Einsätze nicht wesentlich verändert, aber die Einsatzzeiten seien sehr wohl anders, betont auch Leßmeister: Knapp die Hälfte der Zeit sei „Christoph 66“ außerhalb des Lauterer Bereichs unterwegs. Was wiederum vom ADAC-Sprecher Jochen Oesterle aus München als „Blödsinn“ tituliert wird, denn „wir machen ja, wozu uns die Leitstelle beauftragt“. Wie begründen also die Lauterer die von ihnen beobachteten Veränderungen?
„Einige Leitstellen haben den Johanniter-Helikopter ignoriert“
Laut ADAC habe der Johanniter-Helikopter genauso weite Patientenflüge absolvieren müssen wie sein Nachfolger. Und auch Staatssekretär Randolf Stich (SPD) hatte betont, dass beide Hubschrauber von umliegenden Leitstellen angefordert worden seien, „genau wie die Leitstelle Kaiserslautern Rettungsmittel der umliegenden Bereiche angefordert hat“. Aber exakt das bezeichnet Leßmeister als „falsch“. Denn „es gab andere Leitstellen, die den Johanniter-Helikopter nicht disponiert haben!“, sagt Hoffmann. Als Grund hätten sie angegeben, dass keine Berechtigung vorliege, da die Johanniter – im Gegensatz zum ADAC jetzt – keinen öffentlich-rechtlichen Auftrag hatten. „Wir hatten eine Interimslösung mit den Kassen und dem Ministerium abgesprochen“, erläutert der Landrat. „Aber wenn die anderen Leitstellen dieses Rettungsmittel ignorieren, dann ist das ja fast schon unterlassene Hilfeleistung“, hält er nicht hinterm Berg. Hoffmann will die besagten Leitstellen nicht namentlich nennen, aber die Ablehnung sei „belegt“. Man habe auch gesehen, dass andere Rettungshubschrauber „über unseren Bereich hinweggeflogen“ seien.
ADAC: „Wir riskieren doch nichts für die Crew oder die Patienten!“
Dass der Standort Eßweiler aufgrund der Höhe wegen Nebel weniger geeignet sei als zuvor Sembach, weist der ADAC von sich. „Sie glauben doch nicht, dass wir für unsere Crew und Patienten etwas riskieren würden!“, meint Oesterle gegenüber der RHEINPFALZ. Mal könne Bodennebel herrschen, mal könnten die Wolken tief hängen. Hoffmann gibt aus einem Gespräch mit dem Leiter des Segelflugplatzes in Eßweiler wieder, dass im gesamten Winter dort für den Verein kein Betrieb möglich sei. „In Sembach war die Maschine in der gesamten Zeit nur einen halben Tag abgemeldet, wegen Schneesturms“, macht der Arzt deutlich. Und zeigt ein aktuelles Foto von Eßweiler, auf dem der Hubschrauber wegen Nebels kaum erkennbar ist.
Konträre Aussagen zum Standort und zu Nachtflügen
Konträre Aussagen gibt es auch zu Nachtflügen – die immer wieder mal von der Öffentlichkeit gefordert wurden. Während ADAC-Regionalleiter Neu betont, „alle unsere Piloten haben eine Nachtflugausbildung und die Maschinen sind technisch dazu in der Lage“, der Nachtflug sei bloß nicht Teil der Ausschreibung gewesen, setzt Hoffmann dem entgegen: „Aktuell ist die Maschine nachtflugtauglich, die Mannschaft ist es hingegen nicht“, da Personal fehle.
Auch bei Spezialtransporten wie bei Patienten mit hohem Übergewicht oder Herzproblemen stehen Vorwürfe im Raum. Hoffmann berichtet von drei deshalb abgelehnten Flügen, die letztlich ein anderer Hubschrauber übernommen habe. Der ADAC nennt diverse Gründe, die für eine Ablehnung möglich sind; technisch sei die Maschine dazu in der Lage, aber nicht alles, was möglich sei, sei auch erlaubt. Eine „Wildwest-Manier“, wie er es nennt, will Hoffmann jedoch nicht unterstellt wissen: „Ich bin da schon mitgeflogen, die Rechtsnorm wurde immer eingehalten!“
Leßmeister sei es „egal, ob der Hubschrauber gelb, rot oder grün ist: Wir wollen nur, dass er im Rettungsdienstbereich Kaiserslautern bleibt und den weißen Fleck abdeckt“. Auch Heß-Schmidt erkennt kein „zerschlagenes Personal“, wie der ADAC-Sprecher meint: „Wir setzen uns nur für die Region ein.“