Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die Zitterpappel ist eine Anpassungskünstlerin und Allrounderin

In der Böschung nahe des Antonihofs ragen junge Zitterpappeln in den Himmel.
In der Böschung nahe des Antonihofs ragen junge Zitterpappeln in den Himmel.

Die Zitterpappel ist eine eher unspektakuläre Baumart. Jetzt macht sie aber von sich reden, denn sie ist zum Baum des Jahres 2026 gekürt worden. Was das Besondere an ihr ist.

Die Zitterpappel (Populus tremula), auch Espe oder Aspe genannt, ist ein einheimischer Laubbaum aus der Familie der Weidengewächse. Die meisten Menschen haben sie sicher schon gesehen. Ob sie den Baum auch bewusst wahrgenommen haben, steht auf einem anderen Blatt. Die Zitterpappel umgibt sich schließlich nicht mit der Aura einer Eiche, hat keine unverkennbaren Blätter wie der Ahorn und erst recht keine charakteristisch rötlich-braune, im Sonnenlicht reflektierende Rinde wie eine Waldkiefer.

Mit etwa 25 Metern Höhe wird die Espe auch nicht gigantisch hoch, und mit einem maximal 100-jährigen Baumleben schafft sie es wohl schwerlich, den Status eines viel bewunderten Baummethusalems zu erreichen. Noch nicht mal das Forstliche Genressourcenzentrum Rheinland-Pfalz mit Sitz am Antonihof beerntet die Zitterpappel, ist vom Leiter Patrick Lemmen zu erfahren. Und doch ist dieses heimische Gewächs ein wahrer Schatz, gar ein Baum für den Wandel, einer, der dem Klima trotzt, obendrein als eine der wichtigsten Nahrungspflanzen für Insekten gilt und dabei noch anderen Baumkollegen den Boden bereitet.

Zentrale Rolle in der Waldentwicklung

„Die Espe wird als ein von Natur aus sich selbst vermehrendes Pioniergehölz überall im Forst gerne im ,Naturwald Plus’ übernommen, hilft auf Sukzessionsflächen, den Boden zu erschließen und zu aktivieren, deckt selbigen gegen Verdunstung ab und bereitet unterschiedlichen Nachfolgern die Möglichkeit zum Ansiedeln vor“, beschreibt Lemmen, was die Espe kann. Die Espe spiele als Pionierbaum eine zentrale Rolle in der natürlichen Waldentwicklung.

Hat ein Sturm für einen Kahlschlag im Wald gesorgt, ist durch den Borkenkäfer verursacht nur noch Ödnis statt Wald vorhanden oder hat ein Brand nichts als Asche hinterlassen, dann ist die Zitterpappel oft die erste Baumart, die zurückkehrt. Durch ihr weit verzweigtes Wurzelsystem kann sie sich vegetativ vermehren, es schießen neue Sprösslinge hoch. Das können pro Baum tatsächlich Hunderte bis Tausende sein. Innerhalb weniger Jahre zeigen sich ganze Pappelhaine, wo zuvor Ödland war. Die Espe macht eine zuvor gestörte Fläche zudem für andere Baumarten erschließbar.

Gedeiht unter schlechtesten Bedingungen

Auch auf trockenen, nährstoffarmen und vollsonnigen Industriebrachen oder an Bahngleisen, also an ziemlich lebensfeindlichen Standorten, ist es die Espe, die erstes grünes Laub verheißt, den Boden beschattet und weiteres Pflanzenwachstum ermöglicht. So flexibel wie die Baumart in der Standortwahl ist, so anspruchslos zeigt sie sich gegenüber der Witterung, nimmt es trocken und heiß genauso wie kalt. Und was sich im Wald oder auch am Waldrand noch ganz gut macht: Rehe und Rotwild stehen nicht wirklich auf frische Espentriebe.

Die Espe ist aber nicht nur Nahrungsgarant für Insekten oder Standortbereiter für andere Pflanzen. Ihr helles, leichtes Holz ist auch wirtschaftlich von Bedeutung und wird gerne zur Herstellung von Spankörben, Spanplatten, Sperrholz und Zellstoff benutzt. Streichhölzer und Zahnstocher waren oft mal eine Zitterpappel. Sogar wenn Menschen vor Kälte heftig „wie Espenlaub“ zittern, hat die Espe ihre Blätter im Spiel – zwar nur sinnbildlich, aber immerhin. Die Espe zeigt ein typisches „zitterndes“ Laub. das hängt mit dem seitlich abgeflachten Blattstiel zusammen. Durch diese Blattaufhängung versetzt bereits ein leichter Wind die Krone des Baums in Bewegung.

Wegen ihrer ökologischen Bedeutung und all der positiven Eigenschaften wurde die Zitterpappel nun von einem Gremium der Dr. Silvius Wodarz Stiftung zum „Baum des Jahres 2026“ gekürt. Die Art stehe sinnbildlich für Widerstandskraft und Artenvielfalt. Die Zitterpappel sei eine wahre Anpassungskünstlerin und Allrounderin unter unseren heimischen Baumarten, begründet die Jury die diesjährige Wahl.

Typisch: Eine Gruppe Zitterpappeln aus der Wurzelbrut.
Typisch: Eine Gruppe Zitterpappeln aus der Wurzelbrut.
x