Mit Krone und Wurzel RHEINPFALZ Plus Artikel Das Zittern der Espen

Namengebende Bewegtheit: Blätter der Zitterpappel im Herbst.
Namengebende Bewegtheit: Blätter der Zitterpappel im Herbst.

Mit Bäumen verbinden sich Redewendungen, hinter denen oft Überlieferungen stecken. Das „Zittern wie Espenlaub“ gehört dazu. Doch die Zitterpappel hat noch mehr zu bieten.

Mit anderen heimischen Pappelarten gehört sie zu unseren am schnellsten wachsenden Bäumen: Die Espe, auch Aspe genannt, findet man stellenweise in der hiesigen Flur, so zum Beispiel im Dürkheimer-Erpolzheimer Bruch oder in der Anlage der Villa rustica bei Wachenheim. Weil sich ihre Blätter schon im leisesten Lufthauch flatternd bewegen, entstand die Redewendung, dass jemand wie Espenlaub zittert. Auch bekam der Baum wegen dieses Phänomens den Namen Zitterpappel, lateinisch Populus tremula.

„Populus“ bedeutet als Maskulinum Volk, Menge oder Publikum. Laut einer gängigen Erklärung wurde der Begriff deshalb zum Namensgeber der gesamten Pflanzengattung der Pappeln. Das Geräusch ihrer tänzelnden Blätter soll an das Reden und Raunen in den Zuschauerrängen römischer Arenen erinnern.

Oder aber die Blätter der Espe symbolisieren unaufhörliche Bewegtheit und Unruhe – Eigenschaften, die dem Volk zugeschrieben wurden.

Dagegen bezieht sich die feminine Auslegung von „populus“ seit der Beschreibung durch den römischen Schriftsteller Cato direkt auf die „Pappel“. Wie auch immer man den Gattungsnamen erklären mag: Wer an Pappeln vorbei geht, während sie in der Vegetationsphase Blätter tragen, der kann besonders an Espen ihr Zittern nicht übersehen.

Auch die Mona Lisa lächelt auf Pappelholz

In der Villa rustica nahe Wachenheim sieht man das schöne Laub über den alten Sarkophagen im Wind tanzen. Rundlich geformte Espenblätter sitzen an besonders langen Stielen, noch dazu sind diese Stiele seitlich abgeflacht. Dadurch geraten sie in wirbelnde Bewegung, sobald ein Luftzug durch die Baumkrone geht. Man hört sie sogar leise einander berühren. Im Herbst färbt sich das Laub dann leuchtend goldgelb. Fallen die Blätter, zeigen sie von Rot bis Schwarz vielfältige Farbflecken.

Das helle und leichte Holz der einzelnen Pappelarten lässt sich nur schwer voneinander unterscheiden, wobei das Holz der Espen für bestimmte Verwendungsarten bevorzugt wird. Ihr Kernholz hebt sich farblich kaum ab. Mehrere Populus-Arten werden für die Herstellung von Musikinstrumenten genutzt. Oft besteht der Korpus von Streich- und Zupfinstrumenten an Zargen und Boden aus Pappelholz.

In der Malerei der italienischen Renaissance hat man die Bildträger besonders gern aus Pappelholz gefertigt. Auch der Malgrund eines weltberühmten Frauenporträts war zuvor als Baum der Gattung Populus gewachsen: Anfang des 16. Jahrhunderts malte Leonardo da Vinci auf dünnes Pappelholz seine leise lächelnde Mona Lisa.

Unsere Serie

In der menschlichen Kultur sind Bäume seit frühesten Zeiten verwurzelt. An lokalen Beispielen erzählt unsere Serie „Mit Krone und Wurzel“ von ihnen.

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