Kreis Kaiserslautern Die Zeichen stehen wieder auf Aufbruch

22 Jahre hat er das Schiff, das sich Gemeinde nennt, gesteuert. Mal durch ruhige Gewässer, mal durch raue See. Nun geht Gregor Glapa, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Otterberg, von der Brücke und einem neuen Lebensabschnitt entgegen.
Einige Schränke sind schon leer geräumt. Hier und da warten kleine Stapel darauf, eingepackt zu werden. Es ist unübersehbar, im Otterberger Pfarrhaus stehen die Zeichen auf Aufbruch. Nicht mehr lange und Pfarrer Gregor Glapa wird es verlassen. Zum 1. Oktober hat er sich von seinen Amtspflichten entbinden lassen. Ein Schritt, der aus Rücksicht auf seine Gesundheit nötig wurde und sein Leben in neue Bahnen lenken wird. Doch vorher kann er in einem Abschiedsgottesdienst am Sonntag, 10 Uhr, noch sein 25. Priesterjubiläum feiern. Der Kirchenmann wurde zwar 1953 in Heidelberg geboren, aufgewachsen ist er aber in Landstuhl und Pirmasens. Dass er einmal die geistliche Laufbahn einschlagen wird, ahnt er als Jugendlicher nicht. Er entscheidet sich fürs Handwerk, hat zwei Gesellenbriefe in der Tasche. „Mein Firmpate war Bäcker. Er hat mich angeregt, diesen Beruf zu ergreifen.“ Nach dem Abschluss der Volksschule absolviert der 14-Jährige die Lehre in Ludwigshafen, wechselt schließlich ins Cáfe Bremer nach Kaiserslautern und lässt sich obendrein zum Konditor ausbilden. Diese kreative Tätigkeit liefert ihm ganz neue Impulse. „Wir haben ständig Neues kreiert, Pralinen, ausgefallene Torten. Das hatte etwas Künstlerisches, das mich begeistert hat.“ Die Kunst wird zu seinem Hobby, er besucht Museen, lässt sich zu immer neuen Ideen inspirieren. Parallel dazu lernt er Menschen kennen, „die einen Glauben hatten, der ihnen so viel Hoffnung gegeben hat. Die kirchliche Gemeinschaft hat mich beeindruckt.“ Mit diesen Begegnungen kommt die Berufung. Ein tiefes Gefühl, stärker als alles bisher Gekannte. Es treibt ihn an, einen neuen Weg einzuschlagen. Den geht er, Schritt für Schritt und schon früh an Selbstständigkeit gewöhnt. „Ich habe am Kolleg in Bad Trifels das Abitur nachgeholt, Latein und Griechisch gelernt.“ Das Theologiestudium führt ihn an die päpstliche Universität in Eichstätt, für zwei Semester auch nach Wien. Immer in der inneren Gewissheit, es mit Gottes Hilfe zu schaffen. Und so wird er 1987 ins Priesterseminar aufgenommen, ein Jahr später zum Diakon und 1989 im Speyerer Dom zum Priester geweiht. „Das haben meine Eltern leider nicht mehr erlebt. Ich war ein spätes Kind.“ Theologie und Philosophie faszinieren ihn so sehr, dass er sogar das Klosterleben erwägt. „Letztlich wollte ich aber doch lieber im Volk stehen“, sagt der 61-jährige. „Gestalten, leiten und führen.“ Das kann er zum ersten Mal in St. Ingbert. Dort wirkt er zwei Jahre als Kaplan, krempelt mit der ihm eigenen kreativen Unruhe so manches um. Immer in dem Bestreben, Gott den Menschen näher zu bringen, führt er die Stadtjugendmesse ein. Mit Erfolg, „die war der Renner“. 1991 wird der junge, draufgängerische Kaplan nach Ramstein versetzt, unter die Fittiche des Dekans. Bei einem Ausflug nach Otterberg erfährt er, dass dort die Pfarrstelle vakant ist. „Ich war so beeindruckt von der Abteikirche, dass ich spontan beschlossen habe, mich um das Amt zu bewerben.“ Als ihm tatsächlich die Zusage aus Speyer ins Haus flattert, „war ich erst mal baff. Denn für die Zeit als Kaplan sind eigentlich vier Jahre vorgesehen und ich hatte gerade mal drei in der Tasche.“ Es ist ein Sprung ins kalte Wasser, als Gregor Glapa die Pfarrstelle antritt. Anfangs zuständig für Otterberg und Schallodenbach, ist er seit 2011 Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Otterberg, mit zwölf Kirchen die zweitgrößte im Bistum Speyer. Damit wachsen die Aufgaben. „In den ersten Jahren musste ich mich erst mal orientieren und verstehen lernen, was es bedeutet, eine Gemeinde anvertraut zu bekommen“, erinnert sich der Seelsorger. Doch er wächst in das Amt hinein, liebt und schätzt es, strebt Neuerungen an. Eine der wichtigsten ist für ihn das Pfarrheim, bei dessen Bau man ihm viel freie Hand gelassen habe. „Es ist ein großes Glück, dass unsere Gemeinde dort ein Zuhause gefunden hat.“ Gleichzeitig ist es ein nachhaltiges Erbe, das er nun hinterlässt. Wenn er die Tür des Pfarrhauses hinter sich schließt, öffnet sich eine neue. Davon ist Glapa fest überzeugt. „So war es immer und so wird es auch jetzt sein. Ich werde wieder eine Aufgabe im Sinne meiner Berufung finden.“ Allerdings in anderem Rahmen, seiner Gesundheit zuliebe. Und so wird er im Abschiedsgottesdienst am Sonntag seiner Gemeinde Danke sagen für all die Begegnungen und Erlebnisse. Aber auch froh sein, selbst einiges bewirkt zu haben – auch in der Ökumene.