Kreis Kaiserslautern „Die sprechende Medizin geht verloren“

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Statistische Erhebungen deuten es gnadenlos an: In vier Jahren fehlt jeder zweite Hausarzt. Auch Eike Heinicke, Hausarzt in Reichenbach-Steegen, wird irgendwann fehlen. Der Mediziner ist gerade 70 geworden, ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Heinicke engagiert sich seit Jahren gemeinsam mit der hausärztlichen Patienten-Initiative Rheinland-Pfalz gegen diese Entwicklung. Am Sonntag lädt er nach Reichenbach-Steegen zur Veranstaltung „Hausärzte auf der Roten Liste“.

„Hausärzte gelten heute im Ökosystem der Medizin als aussterbende Art. Die Generalisten werden von den wuchernd sich ausbreitenden Spezialisten verdrängt“, beschreibt der Arzt die Situation recht drastisch und legt Zahlen nach, die besagen, dass zwischen 2002 und 2011 in Deutschland 7000 Facharztpraxen neu eröffnet wurden und im selben Zeitraum 2000 Hausärzte ihre Praxis altersbedingt verlassen haben, ohne ersetzt worden zu sein. „Es sind die Hausärzte, die den Patienten als ,Ganzes’ kennen. Der Facharzt hat dagegen die Symptome, die Krankheiten seines Spezialgebietes, im Fokus“, kommt der Arzt auf eine Problematik zu sprechen, die seiner Meinung nach durch die Kassenärztliche Vereinigung noch verstärkt wird. „Der Hausarzt begegnet seinem Patienten zunächst grundsätzlich mit sprechender Medizin, also mit eingehender mündlicher Diagnose und Beratung. Der langfristige therapeutische Erfolg hängt schließlich nicht zuletzt von einer ausführlichen und immer wieder auf den neuesten Stand zu bringenden Anamnese, mithin also von einem eingehenden, unmittelbaren Kontakt ab“, listet Eike Heinicke einen zeitlichen Aufwand auf, der in der Abrechnung nicht gewürdigt werde. Bereits an der Uni werde dem Hausarzt schon das Wasser abgegraben. In keinem Lehrstuhl schlage sich der Patient und sein ganzheitlicher Organismus nieder. Die hausärztliche Patienten-Initiative, zu der Heinicke gehört, fordert deshalb für die medizinischen Fakultäten der Hochschulen unabhängige Lehrstühle für Gesundheit. Hier sollten die angehenden Mediziner auch mitnehmen, dass es mitunter auf die sprechende Medizin ankommt, da sich der Patient mit Rezepten und Labor- oder Gerätediagnostik allein nicht immer ernst genommen fühle. Heinicke verweist dazu auf eine Patientenbefragung der rheinland-pfälzischen Patienten-Initiative, die unter anderem auch auf die Herkunft der Neupatienten in einer Hausarztpraxis hin ausgewertet wurde. „16 Prozent kamen enttäuscht vom Krankenhaus, 15 Prozent von anderen Hausärzten, sechs Prozent vom Heilpraktiker und 55 Prozent von Fachärzten“, stellt er die Zahlen aus dem Jahr 2013 nüchtern vor. Bei der kommenden Veranstaltung „Hausärzte auf der Roten Liste“ geht es um Umweltmedizin und sanfte Zahnmedizin „als unverzichtbarer, wichtiger ganzheitlicher Inhalt einer modernen nachhaltigen hausärztlichen Medizin“. Peter Ohnsorge, Vorstandsmitglied der European Academy for Environmental Medicine, Würzburg, sowie Johannes Krebs, ganzheitlicher Zahnarzt aus Herxheim, und Physiotherapeutin Petra Krahl-Leonhard werden sprechen. Im Anschluss an die Vorträge findet eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Krankenkassen, Kommunalpolitikern, dem Verbraucherschutz und der Kassenärztlichen Vereinigung statt. (thea)

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