Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die Selbsthilfegruppe Ilco unterstützt Stomaträger

Katrin Knaack, die Vorsitzende des Landesverbandes der Stomaträger, sieht einen der größten Vorteile des Ilco-Besuchsdienstes da
Katrin Knaack, die Vorsitzende des Landesverbandes der Stomaträger, sieht einen der größten Vorteile des Ilco-Besuchsdienstes darin, dass er von Menschen versehen wird, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben, wie die von ihnen Besuchten.

Gesundheit im Fokus: In Deutschland leben fast 160.000 Personen mit einem künstlichen Darmausgang. Doch was hat es mit einem Stoma auf sich? Die Selbsthilfegruppe Ilco unterstützt Betroffene dabei, den neuen Alltag zu meistern.

„Unser Besuchsdienst ist neben den regelmäßigen Treffen unsere wichtigste Unterstützung, die wir den Betroffenen und ihren Angehörigen geben können. Die in unserer Selbsthilfeorganisation ausschließlich ehrenamtlich Tätigen sind in der Regel der erste Kontakt zu Menschen, die das gleiche Schicksal teilen und gelernt haben, damit zurechtzukommen und ihr tägliches Leben zu meistern“, berichtet Katrin Knaack, die Erste Vorsitzende des Landesverbands Rheinland-Pfalz/Saarland der Deutschen Ilco. Der Name Ilco wird durch die Anfangsbuchstaben von Ileum (Dünndarm) und Colon (Dickdarm) gebildet.

„Eine immense Belastung“

Die Deutsche Ilco ist der Selbsthilfeverband von Menschen mit einem Stoma, einem künstlichen Darmausgang oder einer künstlichen Harnableitung, sowie von Darmkrebsbetroffenen in Deutschland. Ihr gehören rund 7000 Mitglieder an – die meisten sind selbst Betroffene, an Darmkrebs Erkrankte sowie deren Angehörige. Der Verband existiert seit 1972. Seit 2017 ist die Ramsteinerin Katrin Knaack, selbst ehemalige Stomaträgerin, ehrenamtlich für die Ilco tätig. Im vergangenen Jahr wurde sie Vorsitzende des Ilco-Landesverbandes in den beiden südwestdeutschen Bundesländern.

„Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 60.000 Menschen an Darmkrebs oder leiden unter einer chronischen Darmerkrankung wie Morbus Crohn. Obwohl für viele davon das Stoma eine Art Lebensretter darstellt, bedeutet der Eingriff doch eine immense Belastung – nicht nur physisch, sondern insbesondere auch psychischer Natur“, berichtet die 43-Jährige aus eigener Erfahrung.

Mit Empathie und persönlicher Erfahrung

Genau da setzt die Arbeit der im Besuchsdienst ehrenamtlich Tätigen an. „Wir besuchen die Menschen, die eine Darmkrebs-OP mit sowie ohne Stoma bekommen haben oder vor der Operation stehen, in den Krankenhäusern, den Reha-Kliniken und auch Zuhause. Unser Ziel ist es, den Patienten und ihren Angehörigen zu helfen – durch Empathie, durch unsere persönlichen Erfahrungen als Betroffene und nicht zuletzt auch auf psychosozialer Ebene“, berichtet die Vorsitzende, die ebenfalls im Besuchsdienst arbeitet. Der größte Vorteil des Besuchsdienstes sei, dass er von Menschen versehen wird, die ein ähnliches Schicksal haben wie die von ihnen Besuchten. „Wir können am eigenen Beispiel und mit praktischen Informationen aus dem Leben mit einem Stoma zeigen, dass sich die Krankheit und die damit verbundenen Belastungen in allen Bereichen des Lebens verarbeiten lassen. Die heutige Stomaversorgung schränkt das Leben kaum noch ein“, meint Knaack.

Eine erfolgreiche Arbeit des Besuchsdienstes setze allerdings eine gründliche Schulung der Ehrenamtlichen voraus, wozu die Deutsche Ilco unter anderem Einführungs- und Fortbildungskurse unter professioneller Leitung anbietet. „Außerdem hospitiert jeder, der neu in den Besuchsdienst einsteigen will, eine Zeit lang bei einer bewährten Kraft und begleitet sie bei einigen Besuchen, bevor man das alleine macht“, berichtet Knaack. Eine wesentliche Voraussetzung, um beim Besuchsdienst ehrenamtlich mitzuwirken, sei neben dem Einfühlungsvermögen auch ein überdurchschnittliches Maß an psychischer Stabilität, um die Schicksale verarbeiten zu können, mit denen man konfrontiert werde. „Dafür bieten wir für alle im Besuchsdienst Tätigen regelmäßige Austausche in Form einer Supervision unter professioneller Anleitung an. Das dient zum einem der psychologischen Verarbeitung des Erlebten und zum anderen der fortlaufenden Optimierung unserer Arbeit. Der Austausch mit anderen Besuchsdienst-Leistenden ist dabei enorm hilfreich“, sagt Knaack.

25 Mitarbeiter im Besuchsdienst

Die Finanzierung sowohl der Fortbildungen als auch der Supervision ist eine der Hauptaufgaben der Landesverbände und des Bundesverbandes. „Wir finanzieren uns ausschließlich durch die Beiträge unserer Mitglieder, durch Fördergelder und Spenden“, betont Knaack.

Im Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland seien derzeit etwa 25 Ilco-Mitglieder ehrenamtlich im Besuchsdienst tätig. Die Zusammenarbeit mit den Fachkliniken – unter anderem dem Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern, den Krankenhäusern in Saarbrücken, Trier, Ludwigshafen und Bad Kreuznach – sei sehr gut und wichtig für die Arbeit der Ilco, lobt Knaack, wobei sie betont, dass der Besuchsdienst nicht für medizinische Fragen zuständig sei, sondern der Austausch mit anderen Betroffenen sowie Hilfen für das alltägliche Leben an zentraler Stelle stünden. Ebenso selbstverständlich sei es für die Ilco, alle Daten der Patienten und die Inhalte aller Gespräche streng vertraulich zu behandeln.

Der Besucherdienst wird auch im Westpfalz-Klinikum Kusel angeboten, Ansprechpartner vor Ort ist Andreas Preis (Telefon 06385 5600). Der Ansprechpartner für das Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern ist Gerold Hüttenberger (Telefon 06307 911397). Im Donnersbergkreis wird kein regelmäßiger Besucherdienst angeboten. „Bei Bedarf vereinbare ich mit Betroffenen Gesprächstermine bei ihnen Zuhause“, sagt Knaack.

Info

Ilco Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland, Katrin Knaack, Telefon: 06371 952 2731, E-Mail: ilco.shg.westpfalz@gmail.com. Die Ilco-Gruppe Kaiserslautern trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat um 18 Uhr im Gasthaus Quack. Spendenkonto: Deutsche ILCO, Landesverband Rlp/Saarland: DE82 540 502 200 000 607 713.

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