Kreis Kaiserslautern Die Lieder gehen runter wie Schorle und Saumagen

Begeistern ihre Fans auf dem Sportgelände Falkenstein in Queidersbach vollends: die „Anonyme Giddarischde“.
Begeistern ihre Fans auf dem Sportgelände Falkenstein in Queidersbach vollends: die »Anonyme Giddarischde«.

Sie sind Kult, authentisch, unverfälscht und eigenwillig. Generationenübergreifend gelten sie als die Hohepriester der Pfälzer Sprache: die „Anonyme Giddarischde“. Am Samstag zeigte diese „musikalische Selbsthilfegruppe“ auf dem Fest der Sportschützengilde Queidersbach, „wo de Barthel de Moscht holt“. Die 600 Besucher des Open-Air-Konzertes waren aus dem Häuschen.

„Warscht du äämol uff de Kalmit odder uff de Dahner Höh? Hosch du amme Herbschdaach morjens de Newwel steige g`sehh? Bischt du barfuß dorch die Wiss gerennt odder unner de Bääm dich bloß hingelegt unn ääfach nur geträämt?“ Das ist Poesie, unverfälscht, eigenwillig und von einer „angewandten Philosophie“ diktiert. Die „Anonyme Giddarischde“ sind Mundartpoeten von gänzlich eigenem Wuchs. Und trotzdem keine der üblichen Mundart-Poeten, die über das übliche „Weck, Worscht un Woi“ nicht hinauskommen. Sie reden und singen, wie ihnen „de Schnawel gewachs is“, und trotzdem haben sie ein Gespür für die Sprache. Sie „schwätze wie die Leit“ und singen, wie man schwätzt. Sie greifen in der Wahl der Themen nicht hinter sich, sondern ins Heute und Morgen. Wenn die Musiker um ihren Frontmann und „Babbeler“ Edsel Merz auf die Bühne turnen, haben sie nach zwei, drei Minuten alle Herzen aufgeweckt. Das zitierte „Palzlied“ ist längst Kult geworden, und auch auf dem Sportgelände Falkenstein grölen Jung und Alt die Verse mit Begeisterung mit. Edsel versteht es aber auch, die Gäste zu animieren. Er ist ein echter „Pälzer Schwaddeduddeler“, weiß zu jedem Song eine humorige Geschichte zu erzählen, dass sich die Balken biegen. Sein Humor ist schier unerschöpflich, seine Stimme klingt „gebruzzelt“ wie ein Pfälzer Saumagen. Ob er „babbelt“ oder singt, seine Sprache ist dampfnudelwarm und bilderreich, voller Kraft und Schmalz, „un kommt armesdick aus`m Hals“. Kult geworden ist auch längst das „Lewwerworscht-Lied“. „Komm, stoß mol uff, moi Schatz, ich riech die Lewwerworscht so gern, ich kennt mich nur von dir un meiner Lewwerworscht ernähr`n“ heißt es im Refrain, und alle Zuhörer grölen aus vollem Halse mit. Und da in der Pfalz zu einem deftigen Essen auch ein guter Schoppen gehört, besingt „Edsel“ Thomas Merz das Pfälzer Kult-Getränk überhaupt: „Schorle, Schorle, den trinke mer so gern, unn wann`s dehääm aa Ärger gebt, ...ich trinke Schorle, bis es raucht.“ Auch befassen sich die „Giddarischde“ mit Themen, mit denen sich vorwiegend die Männer identifizieren, die Frauen aber wohl wissend und lächelnd zustimmen. Es sind Szenen aus dem Alltag: „Im Baumarkt, do wu Männer noch so rischdisch Männer sinn.“ Da gröhlen gestandene Männer mit solcher Inbrunst, dass jeder Handwerksmeister vor Freude platzen würde. Weitere Themen sind die Fressorgien am Kühlschrank („Im Kielschrank laaft moi liebschdes Programm“) oder der Kampf auf der heimischen Toilette mit allzu anhänglichem Insektenvieh („Die AB Mick“). Alltagssituationen werden dabei spitzfindig überhöht, verballhornt und parodiert. Die „Giddarischde“ Roman Nagel, Michael Lang und Joachim Kaul geben den mitreißenden Melodien den richtigen Pfiff und delikaten Schmackes, während Steppes Brod am Schlagzeug wie eine Schweizer Uhr den Rhythmus vorgibt. Dreieinhalb Stunden lang, bis 23.30 Uhr, unterhielt die selbst ernannte „musikalische Selbsthilfegruppe“ ihr Publikum auf beste Weise, bevor das Feuerwerk das Fest beschloss, das noch vielen Besuchern in Erinnerung bleiben wird.

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