Kreis Kaiserslautern Die Körner reifen der Ernte entgegen

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Die jüngsten Regenfälle waren Gold wert. Die Natur hat ihren aufgestauten Durst erst einmal gelöscht. Sauber gewaschen und gestärkt wachsen die Pflanzen auf Feld und Weide sowie die Früchte an den Obstbäumen nun der Ernte entgegen. Zum Glück blieb − zumindest hier in der Region − der angekündigte Starkregen mit Hagel aus.

„Es war ein wunderbarer Landregen“, freut sich Günther Albrecht, Vorsitzender im Kreisverband Kaiserslautern des Bauern- und Winzerverbandes, über das feuchte Geschenk des Himmels. Dieses war aber auch bitter notwendig. Unter der großen Hitze der vorvergangenen Woche hatte das Getreide schon gelitten. Es war nicht die einzige Herausforderung für die Pflanzenwelt. Der „betonierte“ Ackerboden zehrte ebenfalls an den Kräften der Pflanzen. Laut Albrecht ist der bislang noch sehr harte Boden ein Resultat des ausgefallenen Winters. Normalerweise sorgen ordentliche Minustemperaturen für Frostgare im Boden und damit für eine krümelige Oberfläche. Glücklicherweise waren die wenigen kalten Tagen ausreichend, um den genetisch erforderlichen Kältereiz im Getreide auszulösen. Denn ohne diesen kann das Getreide bei der ersten Frühlingssonne nicht auf Längenwachstum schalten. Und damit ging es in diesem Jahr sehr früh los: Stillstand in der Vegetation, die übliche Winterruhe, fiel zum Jahreswechsel 2013/14 schlicht aus. Deshalb zeigen sich die Getreidefelder schon weit in ihrer Entwicklung: Sie sind bis zu drei Wochen weiter als im Durchschnitt der Jahre. Da wiegen sich die zarten langen Grannen der Wintergerste bereits anmutig im Wind. Je nach Sonnenstand deuten erste Gelbschattierungen auf das Herannahen der Körnerreife. Die reizvolle gelbe Blütenpracht über den Rapsfeldern ist mittlerweile weitgehend ausradiert. Die schwarzen Rapskörner reifen heran. Der Roggen zeigt sich im prächtigen, tief blaugrünen Kleid. Kurz und stramm steht der dunkelgrüne Weizen. Die wenigen Haferfelder schwingen ihre Rispen sanft wie Glocken. Unter der Erde wachsen die Kartoffeln heran. Die Obstbäume − von der Kirsche, der Zwetschge über den Apfel bis zur Birne − präsentieren sich mit reichlich Fruchtbehang, der nur noch dicker, farbiger und schmackhafter werden muss. Der frisch in die Erde gelegte Mais schiebt locker durch das nun feuchte Land, hinein ins Wachstum als Futter- oder Biogaspflanze. Nur die Zuckerrübenpflänzchen wirken an manchen Standorten doch sehr verzettelt. Grün in Reih’ und Glied? Fehlanzeige. „Mit dem Regen wird sich das schnell ändern. Die fehlenden Rüben kommen noch“, gibt sich Albrecht ganz entspannt, was das Wachstum dieser Pflanzen in der Westpfalz angeht. Entspannt geht es auch bei der Heuernte zu. Menge und Qualität des ersten Schnitts sind trotz der langen Trockenheit zufriedenstellend. Etwa die Hälfte ist bereits eingefahren. Der Rest braucht jetzt wieder eine trockene Phase. Als problematisch erwies sich bei der in diesem Jahr weit vorangeschrittenen Vegetation die Vorgabe, auf bestimmten Flächen erst nach dem 15. Mai mähen zu dürfen. „Das Gras hat da längst geblüht. Ein Schnittzeitpunkt im Anschluss bedeutet Einbuße in der Futterqualität“, so Albrecht. Überhaupt ist es die Agrarpolitik, die den Bauern mal wieder die Zornesröte auf die Wangen treibt. „Wir sind im Tal der Tränen, was die Politik angeht“, beschreibt der Kreisvorsitzende den Gemütszustand seines Berufsstands. Grund ist das Herausstreichen der Westpfalz aus den so genannten benachteiligten Gebieten – und damit einhergehend ein erheblicher Einkommensverlust durch den Wegfall der Ausgleichzahlungen. „Meinem Betrieb fehlen in diesem Jahr ohne Wenn und Aber rund 10.000 Euro“, hadert Albrecht mit der Mainzer Politik. „Wer soll verstehen, dass die Westpfalz von heute auf morgen kein benachteiligter Standort mehr sein soll und dafür die Vorderpfalz und einige Weinbaustandorte fortan als solche gelten?“ Wenigstens ist in Sachen Natur alles im Lot und auf einem guten Weg. Allerdings weiß Günther Albrecht nur zu gut: Die Wetterentwicklung der kommenden Wochen ist kein Wunschkonzert. Bis die Ernte eingefahren ist, kann noch viel passieren.

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