Kreis Kaiserslautern
Die Helfer der Freiwilligen Feuerwehren im Kreis erlebten 2021 Ernstes und Kurioses
Der mehrstündige Stromausfall am 10. November in Alsenborn gehörte zu den größeren Einsätzen, die die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn im vergangenen Jahr absolviert haben. Insgesamt mussten die Floriansjünger 316 mal ausrücken. Weil es in einer Trafostation einen Kurzschluss gegeben hatte und zudem noch an anderer Stelle ein Erdkabel beschädigt war, blieben in dem Ortsteil die Lichter vom Morgen bis zum frühen Abend aus. Die Feuerwehr hatte an verschiedenen Punkten im Ort Stellung bezogen und diente als Anlaufstelle für die Bürger, um beispielsweise Notfälle über Funk weiterzugeben. Der Kindergarten in Alsenborn wurde mit Hilfe eines Notaggregates beheizt. Und über Lautsprecherwagen gab es für die Anwohner laufend Informationen zur Lage. Zuvor hatten die Helfer im Juli mehrtägige Einsätze zur Unterstützung der Flutopfer im Ahrtal und in Bitburg-Prüm absolviert. Auch einen Carportbrand in Sembach im Oktober und die Beseitigung von Schlammmassen an Vatertag im Mai auf der B48 zählt Torsten Erlenbach, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr der VG Enkenbach-Alsenborn, zu den größeren Einsätzen. Noch gut in Erinnerung ist den Helfern auch noch ein „tierischer“ Einsatz mit einer Taube, die sich im Februar in einer Solaranlage auf dem Dach eines Hauses in Mehlingen eingeklemmt hatte. Sie wurde mit einer Drehleiter gerettet.
Belastender Einsatz: Tödlicher Unfall auf der L395
Die Feuerwehr der Verbandsgemeinde Landstuhl musste 2021 insgesamt 570 Mal ausrücken. „Von größeren Brandeinsätzen blieben wir zum Glück verschont“, berichtet Wehrleiter Thomas Jung. Der belastendste Einsatz im vergangenen Jahr war nach seinen Angaben die Frontalkollision zweier Autos auf der L395 zwischen Landstuhl und Hauptstuhl Ende April: Bei dem Unfall auf gerader Strecke kam ein 55-jähriger Mann aus dem Landkreis ums Leben und ein 57-jähriger Saarländer erlitt schwerste Verletzungen.
Ungewöhnlicher Einsatz mit einem glücklichen Ausgang: Im Oktober retteten Helfer der Freiwilligen Feuerwehr der VG Ramstein-Miesenbach ein Pferd, das auf einem Holzüberweg über dem Bahndamm in Niedermohr eingebrochen war und dann mit seinen Beinen im Geländer feststeckte. Gut zwei Stunden dauerte der Einsatz, zu dem etwa 20 Mann ausrückten. Das Tier sei vor Beginn der Rettung von einem Veterinär versorgt worden, erinnert sich Franz-Josef Preis, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr der VG Ramstein-Miesenbach an den spektakulären Einsatz. Schließlich hätten sie das Pferd mit Hilfe eines Teleskoparms aus der kleinen Brücke herausheben können. „Sehr hilfreich war es auch, dass eine unserer Feuerwehrkameradinnen selbst Reiterin ist. Sie hat die ganze Zeit den Kopf des Tieres gehalten und es beruhigt“, schildert Preis. Die Bergung sei eine schwierige Sache gewesen. Der Tierarzt habe das verletzte Pferd danach an Ort und Stelle gleich behandelt. „Glücklicherweise haben wir es zustande gebracht, dass das Tier überlebt hat und die Verletzungen nicht so schwerwiegend waren, sodass es auch später nicht eingeschläfert werden musste“, zeigt sich der Wehrleiter erleichtert. So einen Einsatz – 232 haben die Ramstein-Miesenbacher im vergangenen Jahr insgesamt absolviert – hätten sie nicht alle Tage.
Brände stehen in Zusammenhang mit Verbrechen
218 Einsätze hatte die Feuerwehr in der Verbandsgemeinde Weilerbach im vergangenen Jahr, fast 100 mehr als noch 2020. Dabei habe es noch nicht einmal große Probleme wegen Unwettern gegeben. „Es war einfach immer etwas los“, meint Wehrleiter Udo Strasser. Zu 62 Bränden rückten die Wehrleute beispielsweise aus. Zwei davon sind ihm davon besonders im Gedächtnis geblieben, weil sie sie sich fast zeitgleich in einer Nacht abspielten und weil es, wie sich später herausstellte, einen Zusammenhang zu einem folgenschweren Verbrechen kurz darauf in Weilerbach gab. Denn genau jener 38-Jährige hatte dort Feuer gelegt, der dann später seine Mutter und deren Lebensgefährten auf einem Gehöft getötet haben soll. Zwei Tage lang war der Mann hernach im März auf der Flucht. „Wir mussten rasch reagieren“, erinnert sich Strasser an die Brände. Zunächst war das Feuer in Mackenbach gemeldet worden, wo ein Anbau am Wohnhaus und ein Carport in Flammen standen, in Erzenhausen brannte eine Garage mit Auto ab. Die Feuerwehr habe relativ schnell verhindern können, dass sich das Feuer weiter ausbreitete. Während des Löschens hätten sich schon Zusammenhänge herauskristallisiert, klar geworden sei, dass sich die in den beiden Dörfern Betroffenen kannten, sagt der Wehrleiter. Was sich später zeigte: Dem 38-Jährigen, dem schwere Brandstiftung zur Last gelegt wurde, soll die Feuer gelegt haben, um sich an ehemaligen Mitarbeitern und Kollegen zu rächen. Dass vor Gericht Aussagen gemacht werden mussten, daran erinnert sich Strasser ebenfalls noch gut.
Betroffen von Situation im Ahrtal
In den Hochwassergebieten im Ahrtal waren die Feuerwehrleute der Verbandsgemeinde Weilerbach wie viele ihrer Kollegen auch engagiert. „Sie waren sehr betroffen, so etwas hatten sie vorher noch nicht gesehen“, schildert der Wehrleiter und verweist auf Bilder, die viele bis dahin nur aus dem Fernsehen aus anderen Gegenden der Welt gekannt hätten. Die Wehrleute unterstützten bei Logistikfahrten, beim Grundschutz, wenn es keine Feuerwehr mehr gab, besetzten über Wochen hinweg einen Infopunkt in Mayschoß, an den sich die Menschen bei Problemen wenden konnten.
Eine Besonderheit gab es außerdem in der Verbandsgemeinde Weilerbach: Die Feuerwehr Eulenbis nahm offiziell ihren Dienst auf. „Zehn Leute sind das momentan“, informiert Strasser.
Tanklöschfahrzeuge im Pendelverkehr
„Die Gefahr eines Waldbrandes war sehr groß“, blickt der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg, Matthias Apfelbeck, auf einen Einsatz im August zurück. Im Vereinsheim des Katzweilerer Natur- und Vogelschutzvereins fraßen sich damals die Flammen durch das Dach, es entstand ein Schaden von fast 100.000 Euro. Zeitweise setzte die Feuerwehr mehrere Rohre zur Brandbekämpfung ein. Mit Tanklöschfahrzeugen im Pendelverkehr wurde die Löschwasserversorgung sichergestellt, bis ein mehrere hundert Meter langer Schlauch zur Wasserleitung am Sportplatz installiert war. Die Ausbreitung des Feuers auf den Wald konnte letztlich verhindert werden, betont Apfelbeck. Ein von der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern beauftrager Gutacher ermittelte später die kuriose Ursache für den Brand: Mäusenester, die die Nager unbemerkt ans Ofenrohr gebaut hatten. Als der Ofen angeheizt wurde, entzündeten sich diese und lösten das Feuer aus. 38 Brandeinsätze gab es im vergangenen Jahr für die Feuerwehr. 176 Einsätze waren es insgesamt, wie Apfelbeck mitteilt: eine Zahl, die eher im unteren bis mittleren Bereich liege.
Darunter gab es zwei tragische Motorradunfälle. Bei dem Unglück zwischen Otterberg und Schneckenhausen wurde ein Motorradfahrer schwer verletzt, die Sozia verlor ihr Leben. Jede Hilfe zu spät kam auch für den 39-Jährigen Motorradfahrer, der im Juni bei dem Unfall auf der Landesstraße 388 bei Katzweiler starb. Ein weiterer Mann wurde schwer, vier weitere Unfallbeteiligte wurden leicht verletzt. Solche tödlichen Unfälle, insbesondere mit Bikern, seien immer schwierig, sagt der Wehrleiter. Damit müssten die Feuerwehrleute erst einmal zurechtkommen. Vom schlimmsten ging man auch Ende August bei der Meldung „Fahrzeug von Zug erfasst“ aus. Ein großes Aufgebot rückte aus: Feuerwehr, Polizei, Hubschrauber, Rettungsdienst. Doch ging das Ganze zum Glück glimpflich aus: Zwar war ein Auto am unbeschrankten Bahnübergang Ziegelhütterstraße mit einer Regionalbahn zusammengestoßen, doch blieben Fahrerin und Zugpassagiere unverletzt. Die Frau hatte offenbar das Rotlicht am Bahnübergang nicht beachtet, weil sie schneller nach Hause wollte.
Brandstiftung an Penny-Markt
Die Statistik der Feuerwehr in der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau weist 116 Einsätze im Jahr 2021 auf. Ein Großeinsatz war der Brand des Penny-Markts in Bruchmühlbach-Miesau am 6./7. März: In der Nacht von Samstag auf Sonntag war in dem Discounter ein Feuer ausgebrochen. Wie später herauskam, handelte es sich um Brandstiftung. „Schnell war klar, dass wir von weiteren Feuerwehren aus der Umgebung mit Drehleiterfahrzeugen und weiteren Einheiten unterstützt werden mussten“, so Pressesprecher Benedict Glas. Da immer wieder Glutnester aufloderten, war die Wehr noch sechs weitere Tage mit dem Penny-Brand beschäftigt.
Ein besonderer Einsatz war zudem die Unterstützung der Polizei und des Ordnungsamts bei der Beerdigung von Fußballidol Horst Eckel am 9. Dezember. Dabei war laut Benedict Glas auch die Multicopter-Einheit Miesau im Einsatz, um die Lage fortlaufend aus der Luft zu verfolgen.
„Die Drohne ist seit Frühjahr 2021 im Einsatzleitwagen der Wehreinheit Bruchmühlbach-Miesau stationiert, der bei größeren Schadensereignissen immer mit ausrückt.“ Auch beim Penny-Brand war das Fluggerät, von dem die Wehren der gesamten Verbandsgemeinde und bei Bedarf auch Nachbarwehren in vielfältiger Form profitierten, im Einsatz. „Die von ihr gelieferten Informationen halfen den Einsatzkräften, die richtigen taktischen Entscheidungen zu treffen. Und nach dem Feuer machte sich die Drohne bei der Brandsicherheitswache auf die Suche nach letzten Glutnestern.“