Landstuhl
Die Familientradition endet, das Café Sander lebt weiter
Damit beendet der 62-jährige Gastronom eine rund 126-jährige Familientradition. Für diese lange Zeit war Sanders Café ein Aushängeschild der Landstuhler Gastronomieszene. Noch nicht eingelöste Gutscheine werden übrigens bis einschließlich 30. Juni angenommen. Allen Freunden des Hauses und seiner lukullischen Angebote sei jedoch gesagt, dass die beliebte Lokalität ab 1. Juli unter neuer, ebenfalls professioneller Leitung nach der Firmenphilosophie der Sanders fortgeführt wird.
Schon als Junge im Café mitgearbeitet
„Die Aufgabe hat uns immer viel Spaß gemacht, aber wir haben erkannt, dass eine jüngere Generation jetzt an der Reihe ist, diese Arbeit mit frischem Schwung und Elan fortzuführen“, erklärt Sander, der den Kaufmannsberuf erlernt hat, aber schon als Junge im Café mitgearbeitet und so das Metier von der Pike auf kennengelernt hat. In der Backstube stand er an der Seite des Großvaters. „Ich habe die Formen für die selbst gegossenen Schokoladeneier und Osterhasen mit Watte auspoliert. Mein Großvater hat sie akribisch kontrolliert – und wehe, da war noch ein kleiner Rest“, erzählt er lachend und erinnert gleichzeitig daran, dass das Konditorenhandwerk eine große Tradition hatte, bei der man stets sein Bestes geben wollte. Schon der Großvater des heutigen Cafébesitzers war einst in die Fußstapfen seines Vaters getreten, der 1896 in der Hauptstraße 17 das Stammhaus Café und Konditorei Sander eröffnet und diese langjährige Tradition begründet hatte. Der angrenzende Fußgängerweg, die Verbindung zwischen Haupt- und Kirchenstraße, hieß bei vielen Landstuhlern noch lange vor der Benennung zur Theobaldsgasse wegen des guten Kaffeegeruchs auch Kaffeegässje.
Der Vater des heutigen Inhabers, ebenfalls ein Wilhelm, übernahm 1969 den Betrieb und steuerte ihn durch die Zeit der Veränderungen. „Unsere Gäste haben sich hier ,beim Zuckerbäcker’ nachmittags getroffen, sich unterhalten, ihren Kaffee und ein Stück Kuchen oder Torte genossen und abends ein Likörchen getrunken“, erinnert sich Sander. Doch diese Zeiten haben sich längst geändert und mit ihnen auch die Kundenwünsche. 1975 zogen Sanders in die Räume des ehemaligen Krankenhauses und vergrößerten sich um ein Restaurant und ein Hotel. Willi Sander – als vierter in der Familientradition – eröffnete 1996 gemeinsam mit seiner Frau Sabine in der Kaiserstraße nach einem Umbau ein eigenes Café, das elf Jahre später erneut modernisiert wurde.
Immer mit der Zeit gegangnen
Stets mit der Zeit zu gehen und den Veränderungen der Kundenwünsche Rechnung zu tragen, war immer der Leitgedanke der Sanders. Nachdem der Geschäftsinhaber auch in den Folgejahren erneut sich wandelnde Gästewünsche und eine zunehmende Anzahl US-amerikanischer Gäste festgestellt hatte, reagierte er vor rund fünf Jahren mit einem kompletten Umbau und einer neuen Konzeption darauf. Der Erfolg gab ihm Recht. Nicht selten hat sich morgens kurz vor Öffnung der Lokalität um 9 Uhr schon eine kleine Menschenschlange gebildet.
„Die Corona-Pandemie hat besonders der Gastronomie sehr geschadet“, resümiert Sander kurz vor der Geschäftsübergabe. „Aber sie hat uns in unserem Betrieb auch um eine wichtige Erfahrung bereichert. Wir haben in dieser Phase erkannt, dass unser Team in dieser Zeit derart zusammengewachsen ist, dass es jetzt jede Situation meistern kann“, lobt er ausdrücklich den Zusammenhalt und die Kollegialität seiner zehn Mitarbeiter, die fast ausnahmslos auch während und nach der Krise dem Betrieb treu geblieben sind.