Kreis Kaiserslautern Die Edelsteine des Pfälzerwalds

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Pfälzer Wertholz-Eichen werden nicht einfach verkauft. Sie werden versteigert. Die nächste Eichen-Submission bereitet das Forstamt Johanniskreuz derzeit vor. „Unsere Edelsteine“, nennt Forstamtsleiter Burkhard Steckel die Eichenstämme, die am Wertholzplatz „Hahnensey“ gerade vorsortiert werden.

Da liegen sie also, die 250 bis 300 Jahre alten Schätze des Pfälzerwaldes. Die Forstwirte Michael Ertz, Michael Münch und Horst Hertel haben bereits ganze Arbeit geleistet: Die einstigen Baumriesen sind in fünf bis sieben Meter lange Stücke filetiert, vermessen und sortiert nach „Sehr gut“ sowie „Super gut“. Jeder Stammabschnitt kann auf dem Wertholzplatz von allen Seiten besichtigt, befühlt und genauestens unter die Lupe genommen werden. „Die Stämme können sogar gerollt werden“, berichten die Forstwirte. Und das werden sie auch: Wenn Einkäufer für die Furniereichenindustrie oder Fassholzkäufer ihr schriftliches Gebot abgeben, wollen sie exakt wissen, wofür. Ob der Kunde am Ende den Stamm erhält, für den er ein Gebot abgibt, entscheidet sich am Tag der Submission. Dann werden die verschlossenen Umschläge geöffnet und der Meistbietende erhält den Zuschlag. Von 20 bis 25 Bietern geht der Forstamtsleiter aus. Alles Kenner der Eichenszene. Kein Käferloch am Stamm, keine rosenähnliche Struktur in der Rinde, die auf einen ungewollten Ast hinweist, werden übersehen. „Selbst der Rückeschaden, der am Baum vor vielleicht 150 Jahren entstand, wird von der potenziellen Käuferschaft registriert“, weiß Steckel. Die engen Jahresringe, die sich deutlich an allen Stämmen abzeichnen, setzt die Kundschaft voraus. Sie zeigen, dass der Eichenstamm über 250 bis 300 Jahre schön langsam gewachsen ist. „Es ist der magere Buntsandstein, der unseren Eichen zu der einzigartigen Qualität verhilft. Vergleichbare Eichen gibt es nur noch auf einer Fläche im Spessart“, deutet Steckel die immense wirtschaftliche Bedeutung der Stämme an. Welche Eiche fällt, welche in den normalen Holzverkauf oder in die Submission geht und welche der Natur erhalten bleibt, diese Entscheidung ist nicht immer einfach, sondern eine „Gratwanderung“, wie Steckel sagt: „Denn der Wald braucht über die Fläche verteilt dauerhaft alte Eichen.“ Auf dem Wertholzplatz schauen sich die Bieter ihre favorisierten Stämme sicherlich genauso prüfend an, wie zuvor der Förster im Bestand. So mancher Kunde hat dabei bereits das fertige Möbelstück vor Augen. Vor der Gebotsabgabe steht deshalb meist auch der Einsatz einer Sprühflasche. Im feuchten Zustand verrät das Stammende nämlich ziemlich genau, ob sich das Eichenmöbel im angesagten „Schinkenton“ zeigen wird oder später doch eher in „Eichengrau“ daher kommt. „Grau ist gerade nicht ganz so gefragt“, berichtet Steckel. Ohne ordentlich in die Tasche zu greifen, wird niemand Besitzer eines dieser Eichenstämme. Bis zu 3000 Euro je Festmeter erzielen die Spitzeneichen, die anschließend in der Furnierindustrie verarbeitet werden. Für ein späteres Eichenfass legt der meist aus Frankreich kommende Kunde schon mal 700 Euro für den Festmeter hin. Im Durchschnitt bringt eine Submission 600 bis 700 Euro je Festmeter. Zum Vergleich: Der Durchschnittspreis aller anderen Baumarten liegt in Johanniskreuz bei 65 Euro je Festmeter. Ein gewaltiger Unterschied, der den hohen Aufwand für die Versteigerung der Eichen rechtfertigt. Am Ende führt er dazu, dass die „Edelsteine“ des Pfälzerwaldes, die laut Steckel nicht mehr als ein Prozent des gesamten Holzeinschlags ausmachen, dem Forstamt Johanniskreuz zehn Prozent seiner Einnahmen bescheren. (thea)

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