Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die Blauschwarze Holzbiene hat den Weg in den Landkreis gefunden

Die Blauschwarze Holzbiene fühlt sich nun auch in der Westpfalz durchaus wohl.
Die Blauschwarze Holzbiene fühlt sich nun auch in der Westpfalz durchaus wohl.

Sie ist groß, brummt laut und trägt Stachel: die Blauschwarze Holzbiene. Seit einiger Zeit ist sie auch im Landkreis Kaiserslautern kaum zu übersehen. Nun wurde die sanfte Riesin zur Wildbiene 2024 gekürt.

Die Blauschwarze Holzbiene fühlt sich in der Westpfalz durchaus wohl. Das war nicht immer so. Die Südeuropäerin hat sich erst vor Jahrzehnten nach Deutschland aufgemacht, war zunächst nur in den klimatisch begünstigten Regionen am Rhein, in der Vorderpfalz und in den Weinanbaugebieten zu entdecken. Das hat sich geändert. „Da die Vorderpfalz eben wärmer ist und die Holzbienen ein typisches wärmeliebendes und mediterranes Faunenelement sind, ist das normal und nicht besonders verwunderlich“, erläutert der Trippstadter Biologe Jürgen Ott vom Umweltbildungszentrum Libellula, warum die Holzbiene zunächst lediglich die Vorderpfalz bevorzugte. Seit Jahren kann sie nun auch im Landkreis Kaiserslautern vom Frühling bis in den Spätherbst beobachtet werden. Das wärmer werdende Klima hat es der Holzbiene offensichtlich ermöglicht, immer weiter in bislang für sie eher ungemütliche und zu kühle Regionen vorzudringen.

Ähnlich einem Kolibri

Die imposante Wildbiene ist beim Fliegen nicht gerade leise. Es brummt beachtlich, wenn solch ein ausgezeichneter Flieger kommt. Ähnlich einem Kolibri fliegt sie zum Naschen von Blüte zu Blüte oder sammelt Pollen für die Aufzucht des Nachwuchses. Ihr Flug ist bewegter und schneller als bei den eher behäbigen Hummeln. Vor Holzstapeln bleibt sie auch mal in der Luft stehen und inspiziert potenzielle Nistplätze. Größer als eine Hummel und kleiner als eine Hornisse ist sie mit kompakten knapp drei Zentimetern die größte Wildbiene Deutschlands. Sowohl die Behaarung als auch die unbehaarten Teile des Körpers sind tiefschwarz. Die Flügel sind stark verdunkelt und schillern blau-violett. Im Gegensatz zur Honigbiene, die in Staaten leben, bleibt die Holzbiene alleine. Sie gilt als standorttreu und ist völlig harmlos.

Die Holzbiene hat zwar einen Stachel, den setzt sie gegen Menschen aber nur ein, wenn man versucht, sie zu fangen und dabei drückt. „Altholz einfach liegen und stehen lassen, so finden die Wildbienen Möglichkeiten, sich Gänge zu graben“, erläutert Jürgen Ott, wie man Lebensraum für diese Art anbieten kann. Die Weibchen bauen sich nach der Paarung ihre Nester im noch festeren abgestorbenen Holz. Dazu nagen sie mit ihren kräftigen Kauwerkzeugen eine dicke Brutröhre in das Holzinnere und legen dort zusammen mit Blütenstaub etwa zehn Eier ab. Die Larven verzehren den Pollenvorrat und fressen sich im Sommer als erwachsene Bienen aus dem Holz heraus. Der Name Holzbiene passt also perfekt. Xylocopa violacea lautet ihre wissenschaftlicher Bezeichnung. Xylocopa (griechisch) heißt übersetzt „Die Holz schneidende“ und violacea (lateinisch) „violett“.

Auch sie braucht Blüten

Die schillernde Holzbiene hat es übrigens faustdick in den Kauwerkzeugen. Kommt der Riesenbrummer trotz ausgestreckter Zunge nicht an den Nektar in einer besonders tiefen Blüte, wird einfach ein Loch in die Blütenwand gebissen. Das Resultat: Blüte futsch, Biene satt.

Wer sie in den Garten locken will, sollte neben Totholz vor allem ein reichhaltiges Blütenangebot bereithalten. Ein ausgeräumtes Nichts mit grünem Rasen schätzt die Holzbiene genauso wenig wie all die anderen Insekten. Ohne Nahrung hilft ihr der Klimawandel nämlich auch nicht weiter. Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ wählt jedes Jahr eine besondere Wildbienenart aus, um mehr Aufmerksamkeit auf die Wildbienen und ihren schrumpfenden Lebensraum zu lenken. 2024 trägt die Blauschwarze Holzbiene den Titel Wildbiene des Jahres.

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