Kreis Kaiserslautern
Deutsche Radmeisterschaft 2025: Wie die Rennen organisiert werden und was für Frust sorgt
„Linden steht Kopf“, sagt Ortsbürgermeister Max Richtscheid (FWG). Dort ist Start und Ziel des Straßenrennens, das am Samstag und Sonntag ab 8 Uhr losgeht. Eigentlich seien zur Zeit „irgendwie alle“ in die Deutschen Straßenmeisterschaften im Radsport involviert. „So ein großes Event hatten wir hier noch nie“, bekennt der Ortschef der Radsporthochburg. Weil erwartet wird, dass viele Zuschauer die Strecke vor allem an den Bergabschnitten säumen werden, sind zurzeit viele freiwillige Helfer dabei, das Gras an den Straßenrändern zu mähen. Schilder aufstellen, Parkflächen ausweisen, Asphalt an der ein oder anderen Stelle flicken, zählt Richtscheid an weiteren Punkten auf, die noch auf der Liste der zu erledigenden Sachen stehen.
Bis die Elite des deutschen Radsports am Wochenende in den Verbandsgemeinden Ramstein-Miesenbach und Landstuhl auf die Strecke gehen kann, gibt es einiges zu tun. Viele freiwillige Helfer sind derzeit in den Ortschaften im Einsatz. Wegen der kurzfristigen Organisation – ursprünglich war ein Kurs in Kaiserslautern vorgesehen und erst im Mai klar, dass das Event im Kreis stattfindet – ist das ambitioniert.
Kabel verlegen im Kulturzentrum
Im Kulturzentrum wird ein kleines Pressezentrum eingerichtet. Das werde jetzt mit Strom und Internet versorgt. „Eine Mammutaufgabe bei der kurzen Vorlaufzeit“, so der Bürgermeister, der früher auch im Radsport aktiv war. Da müsse man halt vieles „pragmatisch, auf kleinem Dienstweg“ regeln. Wie hoch die Anzahl der Helfer ist, kann er gar nicht genau sagen, weil diese hauptsächlich über den ausrichtenden Verein, den RSC Linden, organisiert würden. „Aber Helfer kann man ja schließlich nicht genug haben“, so der Ortschef, der darauf verweist, dass allein über 100 Streckenposten benötigt werden, um den 20 Kilometer langen Rundkurs sicher zu machen. Diese müssten am Samstag und Sonntag, wenn die acht Straßenrennen um die deutschen Meistertitel stattfinden, ja auch verpflegt werden. „Der Plan ist, dass bis Samstag alles fertig ist“, zeigt sich Richtscheid eher gelassen. Kulinarisch und sportlich ist in Linden auch der RV Sport Queidersbach dabei, der an einem Stand direkt am spannendsten Teil des Bergsanstiegs Verpflegung und Partymusik bietet.
Ein Fest für alle in Krickenbach
„Die Stimmung ist gut“, sagt der Krickenbacher Ortsbürgermeister Uwe Vatter (FWG). Natürlich bedeute die Vollsperrung der Strecke am Samstag und Sonntag eine Einschränkung für die Bürger. Aber Kritik dazu habe er selbst bislang noch nicht gehört. Es seien Lösungen gefunden worden, beispielsweise bekamen die Pflegedienste Bescheid. Der Veranstalter habe zu den Sperrungen im Vorfeld gut kommuniziert, findet er. „Dass die deutsche Straßenmeisterschaft hier vor Ort ausgerichtet wird, ist etwas ganz Besonderes“, unterstreicht der Ortschef, dass die Freude überwiegt. Am Sonntag soll es deswegen ab 10 Uhr auch ein Fest in der Ortsmitte Krickenbachs für alle geben.
Queidersbacher Bürger ärgern sich
Kritik kommt dagegen von einigen Queidersbachern, die sich durch die Sperrungen eingeschränkt fühlen. So gibt es etwa in der Facebookgruppe „Neues aus Queidersbach und Umgebung“ viele konkrete Rückfragen, wo genau gefahren werden darf. Mancher lässt dort seinen Frust ab: „Und es wäre aus Sicht vieler so schön, wenn das Rennen nicht stattfinden könnte...“, heißt es da unter anderem. Peter Müller aus Queidersbach ist so sauer, dass er sich direkt bei der RHEINPFALZ gemeldet hat. Die Bürger seien vom Veranstalter nicht informiert worden, sondern hätten von der Sperrung aus der Presse erfahren. Wegen der Rad-DM seien gleich drei Ortschaften quasi in „Geiselhaft“ genommen. Bürger, die am Wochenende zur Arbeit müssten, seien gezwungen, große Umwege zu fahren. „Wer kommt für den Verdienstausfall auf, wenn man nicht wegkommt?“, fragt Müller. Daneben gebe es viele ältere Bürger, die auf Busse angewiesen seien, die die Orte ebenfalls nicht anfahren könnten. Ärgerlich findet Müller, der Mitglied im Queidersbacher Schützenverein ist, auch, dass nicht auf den Schützenfest-Termin, der ebenfalls am kommenden Wochenende ist, Rücksicht genommen wurde. Das Fest werde immer am letzten Juniwochenende gefeiert. „Viele Ältere kommen dann gern zu uns zum Mittagessen. Aber wie sollen die jetzt zu uns gelangen?“. Eine Veranstaltung wie die Rad-DM bringe einem Ort wie Queidersbach nichts, findet Müller. „Die Radfans kommen mit ihren Campingbussen und bringen ihr Essen mit. Da wird vor Ort nicht viel ausgegeben und es fallen auch keine Übernachtungszahlen an.“
Wasgau-Markt in Queidersbach bleibt zu
Auswirkungen hat das Event in Queidersbach auch auf den Einzelhandel: Der Wasgau-Markt in der Hauptstraße 75 bleibt am Samstag und Sonntag wegen der Rad-DM geschlossen. Die Kunden seien durch Aushänge darüber informiert worden, und würden gebeten, die umliegenden Märkte in Kaiserslautern und Landstuhl zu nutzen, so die Marktleiterin auf Anfrage.
Wegen vieler Sicherheitsauflagen sei es diesmal nicht möglich gewesen, die Strecke nach dem Durchfahren der Sportler für den laufenden Verkehr freizugeben, wie das bei vorangegangenen Veranstaltungen der Fall gewesen sei, sagt Andreas Märkl, Vorsitzender des ausrichtenden RSC Linden, zu der Kritik. Es sei ihnen bewusst, dass die Sperrungen für manchen Anwohner schwierig seien, gerne helfe man bei konkreten Fragen weiter. Bei den „Nörglern“ handele es sich um Einzelfälle, so Märkl: „Der größte Teil der Menschen freut sich, dass so ein herausragendes Ereignis bei uns stattfindet“, so seine Erfahrung.
Ortsbürgermeister: Wogen sind geglättet
Auch Harald Vierling, Ortsbürgermeister von Queidersbach (CDU), bestätigt, dass es etliche Nachfragen zu den Sperrungen bei der Gemeinde gegeben hat. Viele Bürger hätten sich nicht ausreichend informiert gefühlt. Das sei vermutlich der Tatsache geschuldet, dass „alles Hoppla die Hopp“ gegangen sei. „Aber ich glaube, wir haben das alles ganz gut gelöst.“ Jedenfalls seien die Wogen inzwischen wieder geglättet, findet der Ortschef, der sich persönlich auf das Ereignis freut: „Ich bin immer froh, wenn bei uns im tiefen Wald mal was los ist und so ein Ereignis stattfindet. Wir sind hier doch etwas abgelegen.“
Einstimmen können sich die Radsportfans schon am Freitag mit dem Einzelfahren: Das Zeitfahren findet in Ramstein-Miesenbach am Freitag ab 14 Uhr statt. Start und Ziel ist das Reichswald-Stadion, wo sich Besucher und Sportler stärken können. Ramstein-Miesenbachs Bürgermeister Ralf Hechler (CDU), der am Freitagabend für die Siegerehrung vor Ort sein wird, lagen bis dato keine Infos über zusätzliche Veranstaltungen vor.
Zur Sache
Infos gibt es im Internet auf der Homepage der Rad-DM unter https://dmkl2025.de/ und auf Facebook unter #raddm2025. Nach wie vor werden laut Veranstalter noch Helfer gesucht, die sich auch kurzfristig noch auf der Website anmelden können.