Kreis Kaiserslautern „Der Weg muss ökumenisch sein“
Ein doppeltes Ereignis sorgte am Sonntag für eine vollbesetzte Abteikirche Otterberg. In einem Festgottesdienst wurde die Gründung des neuen evangelischen Kirchenbezirks „An Alsenz und Lauter“ offiziell besiegelt und Matthias Schwarz als neu gewählter Dekan in sein Amt eingeführt.
Von sonntäglicher Ruhe war in Otterberg nichts zu spüren. Bereits eine Stunde vor Beginn des Festgottesdiensts trafen unablässig Besucher ein − aus allen Gegenden der Pfalz, wie die Kennzeichen der Autos verrieten. In der Abteikirche fanden sich die Kirchenchöre aus zehn Pfarreien zu einer letzten Probe zusammen. Verschmolzen zu einem Chor übten sie stimmlich die Fusion, zu der sich die vier Dekanate Lauterecken, Otterbach, Rockenhausen und Winnweiler ab 1. Juni vereinigt haben. Der neue Kirchenbezirk „An Alsenz und Lauter“ ist mit 53.000 Mitgliedern der größte der Pfälzischen Landeskirche. Oberkirchenrat Gottfried Müller hält den Zusammenschluss für zukunftsweisend: „Der heutige Tag hatte einen langen Vorlauf. Vor vier Jahren haben Vertreter der vier Kirchenbezirke erste Gespräche über eine Fusion aufgenommen.“ Viele Fragen habe es gegeben, hier und da auch Bedenken. Doch die seien ausgeräumt worden, laut Müller „dank des konstruktiven und vertrauensvollen Klimas im Findungs- und Klärungsprozess“. Auch weiterhin gebe es die verschiedenen Perspektiven zu bedenken, die zu einem solchen Projekt gehören, gab er Matthias Schwarz mit auf den Weg, den er in sein Amt einführte – als Inhaber der Pfarrstelle Otterbach und Dekan des neuen Kirchenbezirks. Hineinberufen in ein großes Beziehungsgeflecht und vielfältige Verantwortung, verlange die Aufgabe Geduld, Toleranz, Umsicht und Besonnenheit, sagte der Oberkirchenrat und sicherte dem frisch gewählten Dekan die Unterstützung des Landeskirchenrats zu. Die versprachen auch die Vertreter der Kirchenbezirke und Gremien − mit dem Ziel, die Vielstimmigkeit der vier ehemaligen Dekanate zu einem harmonischen Ganzen zu vereinen. Dass auch ihm daran gelegen ist, verdeutlichte Matthias Schwarz in seiner Predigt mit klaren Worten. Am Beispiel der historischen Abteikirche, in der es gelungen sei, Trennungen aufzuheben und Mauern niederzureißen, beschrieb er seinen Wunsch nach einer „offenen, freundlichen Kirche, die zu einer lebendigen Gemeinde zusammenwächst und es leicht macht, sich in ihr heimisch zu fühlen.“ Dazu gehöre es auch, das Miteinander der Konfessionen zu stärken: „Denn der Weg der Kirchen in die Zukunft muss durch und durch ökumenisch geprägt sein.“ Zwar sei es eine große Herausforderung, vier Bezirke zu vereinen. Doch sei damit auch die Chance verbunden, „Kirchenbezirksgrenzen zu überwinden, eine gemeinsame Identität und ein Wir-Gefühl zu entwickeln. Dafür setze ich mich ein.“ In Anlehnung an die Formel der Reformation „Ecclesia semper reformanda“ veranschaulichte Kirchenpräsident Christian Schad in seinem Grußwort, wie wichtig es ist, dass sich Kirche immer neu verändert. Nur wenn sie ihre Strukturen den Bedingungen anpasse, könne sie ihrem Auftrag treu bleiben und ihn erfüllen. Die Fusion der vier Kirchenbezirke „beweist, dass Menschen hier mit nüchternem Blick für das Machbare die Herausforderungen angenommen und die Möglichkeiten zur Gestaltung ergriffen haben: mutig und unverzagt.“ Steffen Kühn, Dekan des katholischen Dekanats Kaiserslautern, wünschte seinem Amtskollegen Schwarz, das Land zwischen Alsenz und Lauter lebendig gestalten zu können. Im Sinne der Ökumene sei auch im daran gelegen, dass die Kirchen aufeinander zugehen. Dem schloss sich Rainer Burkhardt von der Mennonitengemeinde Enkenbach an. Wenn es um neue kirchliche Strukturen gehe, brauche es Brückenbauer und „Menschen, die Unterschiede als Bereicherung und positive Herausforderung sehen.“ Der Beigeordnete des Landkreises Kaiserslautern, Peter Schmidt (FWG), lobte die Namensgebung des neuen Kirchenbezirks als „weisen, diplomatischen Entschluss“. Bürgermeister Harald Westrich (SPD) von der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg griff ein Zitat des Schriftstellers Guiseppe Tomasi di Lampedusa auf: „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass sich alles verändert.“ Daher sei die Fusion zwar ein tiefer Einschnitt in gewachsene Strukturen, aber ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Zukunft. Nach dem zweistündigen Festakt waren die Besucher zum Sektempfang in der Stadthalle eingeladen, um auf die Kirche an Alsenz und Lauter anzustoßen. (juf)