Sembach RHEINPFALZ Plus Artikel Der Sembacher Düngerhersteller Lebosol spendiert Mahlzeiten für Brummifahrer

Kerstin Haag vom „Waldschlössel“ in Speyerbrunn versorgt aus dem Imbisswagen die Fernfahrer, die Lebosol ansteuern.
Kerstin Haag vom »Waldschlössel« in Speyerbrunn versorgt aus dem Imbisswagen die Fernfahrer, die Lebosol ansteuern.

Die Helden in der Corona-Krise haben wir alle vor Augen: Das Krankenhauspersonal ist ständig in den Medien, die Kassiererinnen in den Supermärkten bemitleiden wir täglich persönlich. Doch die Lkw-Fahrer, die derzeit nicht mal in eine Raststätte einkehren können, stehen weniger im Fokus. Die Düngemittelfirma Lebosol in Sembach dankt ihnen mit kostenlosen Mahlzeiten und Toiletten.

Rund 20 bis 30 Lastwagen rollen pro Tag vor dem Gelände von Lebosol im Gewerbepark Sembach an. Flüssigdünger für den landwirtschaftlichen Bedarf produziert und vertreibt die Firma von Rene Verdaasdonk dort. Dass sie in diesen Tagen noch arbeiten kann, verdankt sie nicht zuletzt den Brummifahrern.

„Ich bin heilfroh, dass alle noch fahren“, sagt Geschäftsführer Verdaasdonk. „Die Frachten kommen an – obwohl die Fahrer keine sanitären Möglichkeiten und keine Raststätten mehr auf der Autobahn finden und oft im Stau stecken.“ Wie könne er da helfen, fragte sich der gebürtige Niederländer, der in Elmstein nicht nur die Verwaltung, sondern auch seinen Wohnsitz hat. Und den Besitzer des Gasthauses „Waldschlössel“ dort kennt.

„Thomas Haag hat einen Imbisswagen, mit dem er Kerwen bedient; und weder der Wagen noch der Koch werden derzeit leider gebraucht“, kam Verdaasdonk am Wochenende die zündende Idee. Kurzerhand rief er den Gastronomen an, der zu der Einkommensgelegenheit nicht nein sagte. „Am Montag haben wir Details geregelt, am Dienstag den Wagen aufgestellt.“

„Vom Applaus auf den Balkonen werden die Jungs nicht satt“

„Die Fahrer bekommen bei uns Gutscheine und können sich damit eine gescheite Mahlzeit am Imbisswagen holen, nicht nur ein Würstchen im Brot.“ Das sei sein Zeichen der Dankbarkeit. Es sei zwar schön, wenn abends alle klatschend auf dem Balkon stünden, „aber davon werden die Jungs nicht satt“. Und auch die Lebosol-Mitarbeiter hätten Gefallen an dem unverhofften Gastro-Service vor ihrer Tür gefunden: Neben den rund 20 bis 25 Lkw-Fahrern täglich versorgten sich rund zehn Angestellte in den ersten Tagen dort.

Da besonders in diesen Tagen Hygiene wichtig ist, hat Verdaasdonk auch noch dafür gesorgt, dass sich die Fahrer die Hände waschen können. „Bei Kerwen im Elmsteiner Ortsteil Iggelbach mangelte es immer an sanitären Anlagen, deshalb fingen die Vereine vor einiger Zeit an, für einen Toilettenwagen zu sparen“, erzählt Verdaasdonk. Der Geschäftsmann fackelte damals nicht lange und übernahm die Hälfte der Kosten. Deshalb hatte der Spender nun leichtes Spiel, den WC-Wagen nach Sembach zu holen. „So gibt es auch keinen Kontakt zu den Mitarbeitern.“

Lebosol verzeichnet keine Umsatzeinbußen

Während andere Firmen Kurzarbeit anmelden oder gar um ihre Existenz bangen, hat Verdaasdonk laut eigener Aussage kein Problem, die zusätzlichen Kosten zu tragen. „Ich habe keine Umsatzeinbußen, im Gegenteil“, gibt er zu. Das liege erstens daran, dass er die Landwirtschaft bediene, die seine Produkte weiterhin benötige. Zweitens habe er immer auf Sicherheit hin gearbeitet, also eine Vorratslagerung aufgebaut statt Just-in-Time zu wirtschaften. „Dadurch habe ich jetzt einen Marktvorteil gegenüber den Konkurrenten: Der Kunde bestellt direkt bei mir, weil er weiß, dass er beliefert wird.“ Und der Niederländer hat auch die passende Beschreibung parat: „,Das Glück des Tüchtigen‘ sagen die Deutschen dazu“, schmunzelt er.

Seine Essensspenden an die Fahrer sieht der Geschäftsmann als Zeichen der Fairness. „Schließlich habe ich meine eigene Berufskarriere auch als Lkw-Fahrer begonnen.“ Zudem ist er sicher, dass „der eine oder andere Fahrer dies seinem Chef erzählt – und das wird sich später mal auszahlen.“

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